Bayerns Matchwinner

"Neuer hat eine Million seiner Ablöse abbezahlt"

Den knappen Bayern-Sieg in Augsburg sicherte Manuel Neuer mit einer Super-Parade kurz vor Schluss. Von Uli Hoeneß gab es dafür ein kaufmännisches Lob.

Mit dem „Du“ ist das so eine Sache. Meist ist es ja eine Auszeichnung, wenn es einem angeboten wird, ein Zeichen der Vertrautheit. Doch wer hat sich nicht schon damit gequält, den alten Mathematiklehrer zu duzen, der einen früher Strafarbeiten schreiben ließ und ein paar Jahre später auf dem Klassentreffen plötzlich vertraulich wurde.

Auch Jos Luhukay tut sich verdammt schwer damit, derlei Gewohnheiten abzulegen. Am Sonntag traf der Trainer des FC Augsburg auf einen alten Weggefährten. Er kennt Jupp Heynckes seit fast fünf Jahren – und trotzdem konnte Luhukay die Rolle des verschüchterten Schülers nicht ganz ablegen. Er habe sehr großen Respekt vor seinem Münchner Kollegen, sagte er, dann legte er los: „Danke, viel Glück weiter, Herr Heynckes, auch in der Champions League“, zwitscherte er, so dass es seinem Gegenüber fast peinlich war. Jedenfalls wies der ihn anschließend unter vier Augen sanft zurecht: „Ich habe dir schon einmal das Du angeboten. Noch einmal mache ich das nicht.“

Der Trainer des FC Bayern hatte allen Grund großmütig zu sein. Pflichtgemäß hatte seine Mannschaft, der Rekordmeister, den Aufsteiger besiegt. Und doch hätte Luhukay seinen früheren Vorgesetzten, dem er Anfang 2007 in Mönchengladbach erst als Assistent diente und ihn dann nach dessen Kündigung wenige Wochen später beerbte, ruhig duzen können. Denn beim 2:1 (2:0) des Favoriten begegneten sich die beiden ungleichen Teams überraschenderweise auf Augenhöhe. Und wäre nicht Bayern-Torwart Manuel Neuer kurz vor Schluss eine fantastische Parade gelungen, wären sogar die Punkte geteilt worden. „Neuer hat seinen Job gemacht. Eine Million von seiner Ablöse hat er jetzt abbezahlt“, scherzte Bayern-Präsident Uli Hoeneß nach dem Schlusspfiff.

Nun wird sich weder Luhukay noch sonst irgendjemand nach diesem Spiel hinstellen und die wackeren Augsburger tatsächlich als ebenbürtig bezeichnen. Die Münchner ließen die Gastgeber in der zweiten Hälfte gewähren, während es vor der Pause eher nach einem Kantersieg ausgesehen hatte. Doch eben jene Schwächephase des Tabellenführers gilt es nun zu analysieren an der Säbener Straße. Heynckes versuchte sich gar unmittelbar nach dem Spiel daran.

Er verwies auf das kräftezehrende Spiel, dass seine Spieler vier Tage zuvor in der Champions League bestritten hatten, ein 3:2 gegen den SSC Neapel . „Dann kamen in der zweiten Hälfte zwei Dinge zusammen. Der Gegentreffer, worauf Augsburg Morgenluft gewittert hat, und das nachlassen der Kräfte beim einen oder anderen meiner Spieler nach den vergangenen Wochen“, sagte Jupp Heynckes.

Den Namen „Schweinsteiger“ nannte er auch. Das sei einer, der „nicht eins zu eins“ zu ersetzen sei. Der Taktgeber, der sich gegen Neapel das Schlüsselbein gebrochen hatte und wohl bis zur Winterpause ausfallen wird, wurde schmerzlich vermisst gegen Augsburg, auch wenn der Ersatzmann David Alaba von seinem Trainer eine gute Leistung attestiert bekam: „David ist erst 19 Jahre alt. Er war sehr ruhig am Ball, hat ihn zirkulieren lassen und ist in die Zweikämpfe gegangen. Wir müssen natürlich noch etwas Geduld mit ihm haben.“

Brutales und unnötiges Foul von Timoschtschuk

Erboster war Heynckes darüber, dass der nächste Spieler, der wie Schweinsteiger vor der Abwehr im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden kann, ausfallen wird: Anatoli Timoschtschuk. Der Ukrainer leistete sich in der Nachspielzeit ein ebenso brutales wie unnötiges Foul und sah die Rote Karte, was Heynckes eine sehr ähnliche Farbe ins Gesicht trieb: „Wenn ich so in den Zweikampf gehe und zu spät komme, ist die Konsequenz natürlich die Rote Karte. Das muss er wissen. Aber das werden wir schon irgendwie hinkriegen.“

Es ist das erste Mal, dass sich leichte Bewölkung in der Eitel-Sonnenschein-Saison der Bayern breitmacht. Dass dies nach einem Sieg geschieht, ist bezeichnend für die Ausnahmestellung, die sich die Münchener in dieser Saison erarbeitet haben. Der Gegentreffer der Augsburger war erst der vierte im zwölften Spiel, die beiden Niederlagen gegen Gladbach und Hannover wurden verkraftet. Doch nun wird es spannend: Nach der Länderspielpause kommt es zum Gipfeltreffen mit dem Meister.

Borussia Dortmund hat seine Startschwierigkeiten überwunden und spätestens beim grandiosen Sieg über den VfL Wolfsburg (5:1) an die Leistung der vergangenen Saison angeknüpft. Fünf Punkte liegen noch zwischen den derzeit besten deutschen Mannschaften, aber Bayern-Manager Christian Nerlinger fordert: „Wir müssen Dortmund besiegen, um den Abstand zu vergrößern – und, um ein Zeichen zu setzen.“