Am wenigsten vermisste der FC Bayern Bastian Schweinsteiger im ersten Spiel nach dessen schwerer Verletzung in der 28. Minute.

Schlussmann Manuel Neuer trat den Ball mit Augenmaß übers Mittelfeld hinweg in die Augsburger Hälfte, wo Torjäger Mario Gomez diesen kraftvoll sicherte und zum selbsternannten Raumdeuter Thomas Müller passte. Gedankenschnell setzte Müller Dribbelkönig Franck Ribery in Szene, der im Strafraum zwei Augsburger Abwehrspieler düpierte und mit einem Flachschuss den Ball zum 2:0 für die Gäste ins hintere Eck des Tores beförderte.


Souveräne erste Halbzeit

Das 1:0 hatte Gomez in der 16. Minute nach einem Ribery-Eckball per Kopf erzielt. Es war sein 13. Saisontreffer und die erste Chance des Tabellenführers im Spiel. Man darf das durchaus souverän nennen, was die Bayern in der ersten Hälfte darboten.

Es war zwar mit Sicherheit keine Kunst, die Präsident Uli Hoeneß seiner Bayern nach dem 4:0 gegen Nürnberg eine Woche zuvor angedichtet hatte. Aber es war eine solide Leistung einer Mannschaft, die unter der Woche beim 3:2 gegen Neapel in der Champions League ihren Mittelfeldregisseur Schweinsteiger durch einen Schlüsselbeinbruch verloren hatte und deren Solidität anschließend infrage gestellt worden war.

In Augsburg spielten im defensiven Mittelfeld der Bayern anstelle von Schweinsteiger und Luiz Gustavo, den Trainer Jupp Heynckes überraschend auf die Bank beordert hatte, Anatoli Timoschtschuk und David Alaba.

Timoschtschuk hatte zu Beginn des Spiel mit einem Fehlpass den Gastgebern die erste Torchance ermöglich, aber danach fielen der Ukrainer und der Österreicher bis zum Seitenwechsel nicht groß auf, was nicht großartig, aber bei dem Spielstand okay war.

In den zweiten 45 Minuten allerdings wurde offenbar, wer den Bayern fehlte: ihr laufstärkster Spieler, ihre Anspielstation (mit den meisten Ballkontakten aller Bundesliga-Spieler), ihr größter Zweikämpfer. Ohne Schweinsteiger agierte die Heynckes-Elf lässig bis fahrlässig.


Haarsträubende Fehlpässe

Nachdem der Japaner Hajime Hosogai die Konfusion der Gäste-Abwehr in der 59. Minute nach einem von Timoschtschuk verursachten Eckball zum überraschenden Anschlusstreffer genutzt hatte, geriet der Meisterschaftsfavorit beim ersatzgeschwächten Tabellenletzten in schwere Spielnot. So viele haarsträubende Fehlpässe und hektische Befreiungsschläge waren den Bayern in dieser Saison noch nie unterlaufen.

Das hochgelobte Talent Alaba war in der Schaltzentrale überfordert. Dass es dort ohne Schweinsteiger nicht stimmte, sah auch Trainer Heynckes. In der 68. Minute brachte er Gustavo ins Spiel und machte Timoschtschuk (für den verletzten Rafinha) zum Rechtsverteidiger.

Ihre Souveränität hatten die Bayern aber schon längst verloren. In der 83. Minute lief der eingewechselte Edmond Kapllani allein auf Neuer zu, der mit einem sensationellen Reflex den 2:2-Ausgleichstreffer verhinderte.

Was gegen die schwächste Offensive der Liga noch zum Sieg reichte, könnte am nächsten Spieltag gegen Borussia Dortmund zu wenig sein. Im Spitzenspiel müssen die Münchner auch auf Timoschtschuk verzichten, der in Augsburg in der Nachspielzeit wegen Foulspiels mit gestrecktem Bein die Rote Karte sah.

Da stellt sich erneut die Frage, ob und wie der FC Bayern den Ausfall Schweinsteigers kompensieren kann.