Steuerskandal

Fußball-Schiedsrichter müssen Profis werden

Im Bundesliga-Betrieb sind die Schiedsrichter die einzigen Amateure. Und gerade die stehen immer wieder am Pranger. Schuld daran ist das Geld.

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Wer in Werder Bremens Vereinskneipe einen „Ahlenfelder“ bestellt, bekommt ein Bier und einen Schnaps – eine Reminiszenz an Wolf-Dieter Ahlenfelder, einen ehemaligen Fußball-Schiedsrichter. Er hatte 1975 im Spiel zwischen Bremen und Hannover die erste Hälfte nach 32 Minuten abgepfiffen, weil er zum Mittagessen ordentlich gebechert hatte. „Männer trinken nun mal keine Fanta“, kommentierte er. Seiner Karriere tat der Fauxpas keinen Abbruch.

1988 beendete der trinkfeste Unparteiische seine Karriere, und 23 Jahre später wird er sich vermutlich beglückwünschen, nicht mehr aktiv zu sein. Denn seine Nachfolger haben es schwer. Während Ahlenfelders Generation noch die unumstrittene Herrschaft auf dem Platz hatte, sind die Regelhüter von heute zu Gejagten geworden. Kein Wochenende vergeht, an denen sie nicht beißender Kritik von Trainern, Spielern und Fans ausgesetzt sind.

Schiedsrichter auf persönlichem Rachefeldzug

Allerdings haben sie ihre Position auch selbst geschwächt. Der Schiedsrichter Robert Hoyzer löste 2005 einen Skandal aus, weil er sich von der Wettmafia hatte kaufen lassen. Fünf Jahre später beschuldigte Michael Kempter seinen ehemaligen Ausbilder Manfred Amerell, ihn sexuell bedrängt zu haben. Jener Amerell, mittlerweile auf persönlichem Rachefeldzug, hat nun diverse Schiedsrichter bei der Steuerfahndung angeschwärzt – bis zu 70 von ihnen sollen unter Verdacht stehen, Honorare über Auslandskonten am Fiskus vorbeigeschleust zu haben.

Wie so oft ist das Geld schuld am Sittenverfall. Während Ahlenfelder für ein paar Mark und ein warmes Essen (inklusive Getränke) pfiff, bekommen die Schiedsrichter heute 4500 Euro für ein Bundesligaspiel. Das ergibt einen üppigen Nebenverdienst, denn die Unparteiischen sind noch immer die einzigen Amateure im Geschäft. Die Idee des Profischiedsrichters wurde bisher stets verworfen. Es ist an der Zeit, neu darüber nachzudenken.