Schiedsrichterskandal

Amerell informierte regelmäßig Steuerfahnder

Die Fifa soll Honorare auf ausländische Konten gezahlt haben. Auslöser der Ermittlungen, die in ganz Deutschland zu einer Razzia bei Schiedsrichtern führten, ist demnach der frühere Unparteiische Manfred Amerell.

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Der Fußball-Weltverband Fifa soll deutschen Schiedsrichtern Honorare auch auf Konten im Ausland überwiesen haben. Ermittler gehen einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ zufolge davon aus, dass die nicht versteuerten Einkünfte im sechsstelligen Bereich liegen.

Das Magazin beruft sich auf Erkenntnisse süddeutscher Steuerfahnder, die an den Ermittlungen gegen 21 aktive und frühere Schiedsrichter des DFB wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung beteiligt sind. „Bei den nicht versteuerten Einkünften und Umsätzen“, zitiert der „Spiegel“ aus einer Notiz, „geht es um Beträge im sechsstelligen Bereich“.

Die Fifa wollte mit Hinweis auf das „laufende Verfahren“ zu den Vorgängen keine Stellung nehmen. Die Steuerfahnder halten laut „Spiegel“ in einer Notiz fest: „Scheinbar ist die Fifa nicht an ordentlichen Abwicklungen interessiert.“

Selbstrecherchierte Daten und Hintergrund-Informationen

Auslöser der Ermittlungen, die am Montag in ganz Deutschland zu einer Razzia bei Schiedsrichtern führten, ist demnach der frühere Unparteiische Manfred Amerell. Über . Amerell bestätigte dies am Sonnabend der Nachrichtenagentur dapd.

Als „dauerhafter Zuträger“ erschien Amerell laut dem Bericht fast wöchentlich in den Büros der Beamten, „was ehrlich gesagt schon etwas nervt“, wie ein Fahnder dem Bericht zufolge festhielt. Aus Kreisen der Ermittler erfuhr der „Spiegel“, dass viele der beschuldigten Schiedsrichter bereits geständig seien.

Mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) hatte Amerell schon mehrere juristische Auseinandersetzungen. Der Verband wirft dem 64-Jährigen vor, in seiner Funktion als Mitglied des DFB-Schiedsrichterausschusses über Jahre seine Amtspflichten verletzt zu haben.

Er soll den Schiedsrichter Michael Kempter sexuell belästigt haben. Amerell weist den Vorwurf zurück und spricht von einvernehmlichen Kontakten zu dem 28- Jährigen. Amerell streitet inzwischen auch mit Kempter vor Gericht. Das Verfahren wurde bislang noch nicht beendet, in erster Instanz unterlag Amerell.

Am Freitag stellte der DFB bei der Staatsanwaltschaft in München Strafanzeige gegen unbekannt im Zusammenhang mit der am Montag in der DFB-Zentrale erfolgten Maßnahme der Steuerfahndung Augsburg . Hintergrund sind demnach Hinweise darauf, „dass Einzelheiten der Aktion der Steuerfahnder offensichtlich bereits im Vorfeld an die Öffentlichkeit gelangt waren. Dies begründet den Verdacht, dass Amtsträger pflichtwidrig Dienstgeheimnisse an Außenstehende weitergegeben haben.“

Außerdem mahnte der DFB Amerell und seinen Anwalt ab und forderte beide zur Abgabe einer Unterlassungserklärung auf. Der Grund ist die laut DFB unwahre Behauptung Amerells in Medienberichten, der DFB habe den Anwalt Christoph Schickhardt für dessen Mandaten Kempter bezahlt.