Tabellenführer

Sieg gegen Nürnberg macht die Bayern selbstbewusst

Bislang hatten die Bayern-Bosse trotz der Dominanz in der Liga zur Demut gemahnt und das Team sehr sachlich gelobt. Nun verlässt Uli Hoeneß die Klublinie.

Einem Weltmeister zu imponieren, das ist schwer. Einem Weltmeister zu imponieren, der zweimal die Champions League gewonnen hat, das ist sehr schwer. Der FC Bayern aber hat es am Wochenende geschafft.

Nach dem 4:0 (3:0) des Tabellenführers der Bundesliga gegen den 1. FC Nürnberg stand Christian Karembeu in der Münchner Arena und schwärmte: "Ich bin beeindruckt. Der FC Bayern spielt sehr intelligent und clever", sagte der 40-Jährige Morgenpost Online.

1998 gewann er als defensiver Mittelfeldspieler mit Frankreich die WM im eigenen Land und mit Real Madrid die Königsklasse. Sein Trainer damals: Bayerns Jupp Heynckes. Heute arbeitet Karembeu als Fernsehexperte und war einige Tage in München. "Ich habe mit Franck Ribery gesprochen und ihm gesagt, dass mich die Bayern-Mannschaft an die Real-Mannschaft von 1998 erinnert", sagte er. "Heynckes macht hier sehr gute Arbeit."

Tatsächlich sind die Bayern das Maß der Dinge – zumindest in Deutschland. Die Partie gegen die Franken sollte ein Derby sein – es war eher eine öffentliche Trainingseinheit. Die Gastgeber gingen noch früher in Führung als in den vergangenen Heimspielen, nach 85 Sekunden köpfte Mario Gomez das 1:0. Bastian Schweinsteiger (19.) und Ribery (39.) erhöhten, und wieder mal war zur Halbzeitpause alles klar. Die zweiten 45 Minuten waren so spannend wie ein Krimi, bei dem jeder nach der Hälfte weiß, wer der Mörder ist. Gomez schoss das 4:0 (68.), und die Bayern schonten sich für die Partie gegen den SSC Neapel in der Champions League am Mittwoch.

"Das war heute lernen. Fußball lernen", sagte Timm Klose, Nürnbergs Verteidiger. Er wisse jetzt, warum die Bayern in Europa so weit oben stehen: "Sie finden immer eine Lösung." In seiner Stimme war Ehrfurcht und Erstaunen, als hätte er Außerirdische beim Sport beobachtet.

"Fußball zur Kunst erhoben"

23 Tore in den ersten sechs Heimspielen – das haben die Bayern zuvor noch nie geschafft. Wieder ein Kantersieg, wieder ohne Gegentor, seit Wochen ist es bei Partien in München dasselbe. Und doch war an diesem Wochenende etwas anders: Bislang hatten die Bayern-Bosse trotz der Dominanz in der Liga zur Demut gemahnt und die Mannschaft sehr sachlich gelobt. Nun hat Uli Hoeneß keine Lust mehr auf Bescheidenheit. Der Präsident war bestens gelaunt und wollte seine Emotionen nicht zurückhalten: "So wie wir im Moment Fußball zelebrieren – das macht Spaß. Wir können Jupp Heynckes nur dankbar sein, wie er hier Fußball zur Kunst erhoben hat. Die Zuschauer sind mehr als happy, sie kriegen jedes Wochenende fantastische Unterhaltung geboten. Chapeau!"

Eine Liebeserklärung an die Philosophie des Trainers. Was gefällt Hoeneß derzeit am besten am Spiel seines Klubs? "Alles! Diese Mannschaft spielt im Moment wunderbaren und unterhaltsamen Fußball. Ich freue mich jedes Mal, ins Stadion zu gehen."

Seit Wochen fragen sich die Fans: Sind die Bayern so stark oder die Gegner so schwach? Antwort: beides. Gomez betonte, dass Nürnberg und die vorherigen Gegner keine Laufkundschaft seien und "nur so stark, wie wir es zulassen".

Doch der HSV, Freiburg, Leverkusen, Hertha und der Club spielten viel zu ehrfürchtig und mutlos. Im ersten Drittel der Saison haben sich die Bayern trotz zwei Niederlagen einen Status erarbeitet, der ihnen in der vergangenen Saison gefehlt hat. Und wollen diesen Status mit Worten bekräftigen. Jeder sieht, wie gut sie in Form sind, warum also nicht darüber reden. Mia san mia auf dem Spielfeld – und außerhalb. "Wir hoffen, dass die Gegner durch die hohen Ergebnisse vor den Spielen gegen uns Respekt haben", sagte Nationalverteidiger Holger Badstuber. Was macht die Mannschaft in dieser Spielzeit so stark? "Wir treten in dieser Saison als Mannschaft auf und spielen zusammen Fußball", antwortete Badstuber und betonte zusammen. Gomez ergänzte: "Unser Positionsspiel, unser Passspiel. Das ist seit zwei Jahren unsere Stärke, nur dass wir jetzt gut verteidigen."

Die Offensive wird dadurch nicht vernachlässigt: Gomez hat nach elf Spielen bereits zwölf Tore erzielt, das hat es bei den Bayern seit 1978 nicht gegeben, damals traf Gerd Müller 13-mal. "Es wird für unsere Verfolger immer schwerer uns einzuholen. Die Mannschaft weiß, dass in dieser Saison einiges drin ist", sagte Sportdirektor Christian Nerlinger.

In der Champions League wollen die Münchener mit einem Sieg über Neapel die Vorentscheidung in der Gruppe schaffen. Und in der Bundesliga in den kommenden Wochen den Abstand auf den Zweitplatzierten vergrößern. "Wir hoffen, dass es eine langweilige Saison wird", sagte Nationalspieler Toni Kroos.