Rote Karte

England schockiert – Rooney-Sperre für EM-Vorrunde

Englands Team muss für den Tritt seines Stürmerstars bluten. Die Uefa sperrte Wayne Rooney für drei EM-Spiele. Trainer Capello kündigte Konsequenzen an.

Foto: Getty Images / Getty Images/Getty

Englands Stürmerstar Wayne Rooney ist vom europäischen Fußball-Verband UEFA nach seinem Platzverweis im EM-Qualifikationsspiel gegen Montenegro (2:2) für drei Spiele gesperrt worden. Damit verpasst Rooney die Gruppenspiele der Engländer bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine, für die sich das Mutterland des Fußballs als Gruppenerster direkt qualifiziert hatte.

Der englische Verbandes FA teilte mit, dass man nun erst einmal die ganze Urteilsbegründung abwarten werde, bevor man sich weiter äußere oder Berufung einlegen werde.

Nationaltrainer Fabio Capello hatte zuletzt damit gedroht, den Angreifer von Manchester United auch in den Testspielen bis zur EM nicht mehr einsetzen. „Ich muss eine Lösung für das erste Spiel, oder die ersten zwei finden, in dem er nicht dabei sein wird. Und wenn wir diese Lösung finden, dann muss er arbeiten, um in die erste Elf zurückzukehren“, sagte der Italiener und stellte Rooneys Stammplatz infrage.

„Natürlich kann ich Rooney draußen lassen. Wenn wir andere gute Spieler haben, werden die spielen. In meinem Trainerleben habe ich schon viele gute Spieler auf die Bank gesetzt“, sagte Capello. Rooney hatte nach einem üblen Tritt am vergangenen Freitag im letzten EM-Qualifikationsspiel der Engländer gegen Montenegro die Rote Karte gesehen. Schon nach der Partie hatte Capello angekündigt, dass er bei einem Testspiel gegen Weltmeister Spanien im kommenden Monat auf Rooney verzichten will.

Von richtungweisendem Charakter ist für Rooney bereits das kommende Spiel seines Klubs Manchester United beim FC Liverpool. Früher, hat Wayne Rooney dieser Tage erzählt, hatte er vor Spielen gegen den FC Liverpool immer ein flaues Gefühl im Magen. „Ich liebte dieses Duell, aber ich war immer so nervös, dass ich mich regelrecht krank fühlte. Es war furchtbar“, sagte der ehemalige Fan und Spieler des FC Everton. Wenn der englische Nationalspieler am Samstag (13.45 Uhr/Sky) mit Manchester United an der Anfield Road gastiert, hat er erneut Grund für Muffensausen. Nach dem Platzverweis in der EM-Qualifikation und drei Spielen Sperre bei der EURO dürfte der Empfang für Rooney in seiner Heimatstadt noch unangenehmer ausfallen als sonst.

„Es ist ein großer Tag für United wegen der Rivalität mit Liverpool, aber für mich ist es ein gewaltiges Spiel“, sagte Rooney. Das liegt diesmal nicht allein daran, dass „Anfield für mich immer der schwerste Gang“ ist, wie Rooney meinte, sondern an seinem Tritt am vergangenen Freitag gegen den Montenegriner Dzudovic. Von der heimischen Presse musste er sich bereits mal wieder maßregeln lassen. Und in Liverpool sind übelste Beschimpfungen von den Rängen wohl auch inklusive.

Alex Ferguson versuchte derweil, die ganze Angelegenheit herunterzuspielen. „Er hat nunmal dieses hitzige Temperament, aber das ist nicht die schlimmste Sache der Welt. Er hat sich schon sehr gebessert“, sagte Uniteds Teammanager. Für Ferguson steht vor dem Nachbarschaftsduell der nur 55 Kilometer voneinander entfernt liegenden Städte ohnehin nicht Rooney, sondern das große Ganze im Vordergrund. Manchester führt die Tabelle der Premier League mit 19 Punkten nach sieben Spielen an, die verhassten „Scouser“ haben sechs Zähler Rückstand - obwohl sie im Sommer doch für 65 Millionen Euro aufgerüstet haben. Der erste Sieg in Liverpool seit 2007 käme Ferguson da gerade recht.

Zumal auch der Sir eine ganz besondere Beziehung zu den Reds pflegt. Als er sich im September 2002 vom früheren Liverpool-Profi Alan Hansen fragen lassen musste, ob es nicht an der Zeit sei aufzuhören, sagte er: „Das, was im Moment passiert, ist nicht meine größte Herausforderung. Diese war es, Liverpool von ihrem verdammten Ast herunterzuprügeln.“ Was Ferguson meinte, war, Liverpool den Titel des Rekordmeisters zu entreißen. Mit der 19. Meisterschaft ist ihm das im vergangenen Mai endlich gelungen, am Samstag tritt United erstmals als alleiniger Rekordchampion in Liverpool (18 Titel) an.

Bei den Reds hat diese „Niederlage“ eine tiefe Wunde hinterlassen, die der Traditionsverein möglichst bald mit dem nächsten Titel heilen lassen möchte. Die international kaum bekannten Profis Charlie Adam, Sebastian Coates, Jose Enrique, Stewart Downing und Jordan Henderson verstärkten im Sommer den Kader von Teammanager Kenny Dalglish, doch der Saisonstart geriet mit Niederlagen in Stoke und Tottenham holprig. Dalglish nennt das Duell „eine gute Gelegenheit, uns selbst ein wenig zu helfen und ihre (Uniteds) Hoffnungen zu dämpfen“.

Reds-Kapitän Steven Gerrard dürfte nach überstandener Leistenverletzung beim 183. Treffen (61:71 Siege) erstmals seit über sieben Monaten wieder in der Startformation stehen. Bei Gerrards letztem Einsatz von Beginn an schlug Liverpool übrigens just Manchester - mit 3:1.

Sollte es erneut so kommen, müssen sich Rooney und Ferguson sicher wieder allerlei Gemeinheiten gefallen lassen. Eine Sache bleibt Rooney indes erspart: Früher, berichtete er, sei es nach Derby-Pleiten am schlimmsten gewesen, am Montag in der Schule „die Kumpels zu sehen, die Liverpool-Fans waren“.