Berliner Box-Weltmeister

Huck will Vitali und Wladimir Klitschko aufmischen

Nach seiner Titelverteidigung durch einen K.o.-Sieg gegen den argentinischen Herausforderer Rogelio Omar Rossi zeigt sich der Berliner Cruisergewichts-Champion Marco Huck angriffslustig.

Für wenige Sekunden suchten sie Blickkontakt, Marco Huck und seine Frau Amina. Dann rief der Gong den Cruisergewichts-Weltmeister der World Boxing Organization (WBO) zur Arbeit gegen seinen argentinischen Herausforderer Rogelio Omar Rossi. Zwei Stunden später – dazwischen lagen für Huck eine mögliche Disqualifikation wegen Nachschlagens und für Rossi eine brutale K.o.-Niederlage in Runde sechs – zeigte sich der 26 Jahre alte Champion aus Berlin immer noch angriffslustig.

"Ich glaube die Leute haben die Schnauze voll von immer nur Vitali und Wladimir Klitschko . Es wird Zeit, dass ich die mal aufmische", sagte Huck und spielt im Überschwang des Glücksgefühls auf seinen großen Traum an, ins Schwergewicht aufzusteigen. "Ich habe gezeigt, wie ich drauf bin. Jeder hat gesehen, ich schlage kurz und klein, was sich mir in den Weg stellt", legte Huck nach. Kommentar seines Trainers Ulli Wegner: "Träumen können wir später."

Rossi stand die Angst im Gesicht

Fest steht: Aus Hucks klarem Sieg lässt sich viel für dessen Selbstvertrauen, aber wenig sportliche Erkenntnis herausholen. Rossi (30) stand von Beginn an die Angst ins Gesicht geschrieben. Der als Zwei-Meter-Mann angekündigte Südamerikaner war nur 1,92 Meter groß, hüftsteif und total überfordert. Er stand unsicher und brachte nie eine für seine 90 Kilogramm Körpergewicht adäquate Schlagkraft auf. Technik und Taktik – Fehlanzeige.

Eine Schrecksekunde dann am Ende der vierten Runde auch für die 4200 Beobachter in der ausverkauften Halle und die 3,61 Millionen Fernsehzuschauer (17,1 Prozent Marktanteil). Huck traf, aber deutlich nach dem Pausengong, und Rossi fiel um. Wäre der Mann aus San Nicolas liegen geblieben, hätte Huck seinen Titel verloren. Doch Rossi rappelte sich fair auf. "Dafür sage ich ihm von Herzen Danke. Das war ganz sportlich", zeigte sich der Weltmeister später erleichtert. "Ich hätte Huck disqualifiziert, wenn Rossi sich nicht erholt hätte. Da lassen die regeln keinen Spielraum", bestätigte der englische Ringrichter Paul Thomas.

Danach war Marco Huck klar Chef im Ring, und Rossi wurde nach dem brutalen Niederschlag von Ringarzt Professor Walther Wagner und einem zweiten Arzt betreut; später folgte die in solchen Fällen obligatorische Untersuchung per Computertomografie im Krankenhaus.

"Das musst du souveräner machen. Geh dich erholen, und wenn du zurückkommst, schauen wir uns den Kampf noch einmal an", analysierte Ulli Wegner das ungleiche Duell kritisch. Doch der 69-Jährige hält ganz große Stücke auf seinen Schützling: "Wir haben jetzt achtmal den Titel verteidigt. Mit Sven Ottke habe ich es 22-mal geschafft. Das wollen wir beide überbieten. Marco hat eine unglaubliche Schlaghärte. Er ist eine Ausnahme." Kalle Sauerland, Hucks Manager, stellte sich zum wiederholten Male die Frage: "Wie kann ein so netter Kerl im Ring so zum Tier werden?"

Huck will ins Schwergewicht aufsteigen

Doch im gleichen Atemzug stellte der Sohn von Boxstallchef Wilfried Sauerland auch klar: "Es gibt drei weitere interessante Boxverbände. Marco will eine Titelvereinigung. Seine Pläne, ins Schwergewicht aufzusteigen, werden sich sicher erfüllen. Aber er ist erst 26, wir haben noch viele Topgegner in seinem Limit und vor allem auch noch viel Zeit."

Neben Huck gehören in Juan Pablo Hernandez (Kuba) und Steve Cunningham (USA) zwei weitere Topkämpfer zum Team Sauerland. Ihr Duell um die Krone der International Boxing Federation (IBF) muss wiederholt werden. Am 1. Oktober war Hernandez nach Abbruch wegen einer vermeintlich schweren Verletzung und Auswertung der Punktzettel zum Sieger erklärt worden, doch nach dem Studium der Kampfvideos revidierte die IBF das Urteil. Cunningham ist bislang der einzige Boxprofi, gegen den Huck verloren hat. "Ich will die Revanche. Und wenn er den IBF-Titel hätte, wäre mir das natürlich noch lieber", sagte Huck.

Nicht in Ludwigsburg dabei, aber dennoch Gesprächsthema war Ex-Champion Arthur Abraham. Nach dem Ausscheiden aus dem Super-Six-Turnier der weltbesten Supermittelgewichtler muss sich der 31-Jährige beweisen. Es ist aber immer noch unklar, ob er einen neuen Anlauf im Mittelgewicht nimmt. Kalle Sauerland schließt das nicht aus, spielt aber ein wenig auf Zeit. "Ich bin mir ganz sicher, dass Carl Froch und Andre Ward (der Brite und der Amerikaner bestreiten das Super-Six-Turnierfinale – d.R.) ins Halbschwergewicht aufsteigen. Ein paar andere vielleicht auch noch. Und wer sagt uns, ob nicht auch Felix Sturm eine Klasse höher ins Supermittelgewicht geht. Sturm gegen Abraham ist nach wie vor eine tolle Option."

Möglicherweise bestreitet Abraham sein Comeback am 3. Dezember in Helsinki. Dort verteidigt Sauerland-Schwergewichtler Alexander Powetkin (Russland) den Weltmeistergürtel der World Boxing Association (WBA) gegen den Amerikaner Cedric Boswell, und Robert Helenius (Berlin) könnte auf Europameister Alexander Dimitrenko (Hamburg) treffen.