Debakel beim BVB

Podolski rechnet mit der Kölner Mannschaft ab

Nach dem 0:5 in Dortmund schont Lukas Podolski weder sich noch seine Mitspieler: "Wir haben als Mannschaft versagt. Das war von hinten bis vorne für alle eine Sechs."

Vieles im Fußball wird von Momentaufnahmen bestimmt. Konstanten gibt es vergleichsweise wenige. Franz Beckenbauer ist eine, Lukas Podolski eine andere. Der Nationalspieler stand wieder einmal im Mittelpunkt. Sein Klub 1. FC Köln war mit ihm am Samstag 0:5 beim deutschen Meister Borussia Dortmund untergegangen . Und der 26-Jährige ließ Dampf ab, schonte dabei weder sich noch die anderen.

„Es ist unerklärlich. Das war die schlechteste Saisonleistung. Wir haben auch schon gezeigt, dass wir es können, darum verstehe ich nicht, warum man hier hinkommt und die Hosen voll hat“, sagte der Nationalspieler und setzte noch einen drauf: „Ich habe selten in solch einem schlechten Spiel mitgespielt. Wir haben heute als Mannschaft versagt. Das war von hinten bis vorne für alle eine Sechs.“

Solbakken: „Lukas ist unser wichtigster Spieler“

Lukas Podolski ist seit seiner Rückkehr von München nach Köln 2009 unumstritten das Gesicht des ersten Bundesliga-Meisters, die Stimme des Karnevalvereins und in dieser Saison sportlich mit sechs Toren und vier Assists auch der Anführer des Teams. Ob er die Konstante in Köln bleibt, ist dieser Tage äußerst fraglich. Der Vertrag läuft noch bis 2013, der FC will aber verlängern.

„Lukas ist unser wichtigster Spieler. In der Offensive ist er sehr wichtig – mit Ball und auch ohne Ball, weil die Gegner immer auf Lukas aufpassen wollen. Dann haben die anderen Spieler mehr Raum auf dem Platz“, hatte Trainer Stale Solbakken noch vor dem Debakel in Dortmund bei Liga total! gesagt.

Der „Prinz“ war wie seine Mitstreiter ein Totalausfall, er schoss in der 86. Minute aber als erster FC-Spieler in Dortmund aufs Tor. 2:27 lautete das Torschuss-Verhältnis am Ende. Die Wertschätzung für Publkums-Liebling Podolski in Köln korrespondiert nicht so ganz mit dem Verhalten der Verantwortlichen in der jüngeren Vergangenheit. Als Kapitän war der 93-malige Nationalspieler abgesetzt worden – was einer Demütigung gleichkam.

Verbindlichkeiten von 30 Millionen Euro

Solbakken hatte diese Entscheidung getroffen, Sportdirektor Volker Finke wird dabei auch eine Rolle zugeschrieben. Der Nationalspieler ist für die Vereinsspitzen aber auch ohne Binde ein kostbares Gut. Zehn Millionen Euro Ablöse hat man für ihn an allen Ecken zusammengekratzt, dazu kommen geschätzte drei Millionen Euro Gehalt. Den dreimaligen Meister drücken Verbindlichkeiten von 30 Millionen Euro, trotzdem will man ihn über 2013 halten – weil das eine angemessene Ablösesumme garantieren würde.

Eine Podolski-Finanzierung traut sich der FC noch zu. Finanzchef Oliver Leki hatte dem Express unter der Woche gesagt, dass man sich eine Verlängerung unter den „gegebenen Rahmenbedingungen absolut leisten kann“. Mehr sei dann aber auch nicht drin, weil laut Leki in den kommenden Jahren für den Schuldenabbau „Überschüsse“ erzielt werden müssen. Also Transfer-Einnahmen.

Podolski will wissen, wie sich der Verein entwickelt

Es darf bezweifelt werden, dass Lukas Podolski trotz seiner innigen Liebe zum FC so ein Spielchen mitmachen wird. Ihm wurde damals bei der Rückholaktion in die Hand versprochen, dass man in eine schlagkräftige Mannschaft investieren werde. Aber auch im dritten Jahr seines Vierjahres-Engagements sieht es mehr nach Mittelmaß oder Abstiegskampf als nach Europacup aus. Deshalb sagte Lukas Podolski der Bild-Zeitung unter der Woche zum Thema Vertragsverlängerung: „Ich will wissen, wie der Verein sich entwickelt.“