Kölner Heimsieg

Podolski verwehrt Hannover Sprung auf Platz zwei

Rückschlag für Hannover 96: Die Niedersachsen verlieren in Köln. Dabei verweigerte Schiedsrichter Drees der Slomka-Elf ein eigentlich reguläres Tor.

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Nach der Poldi-Show platzte Jörg Schmadtke der Kragen. "Der Schiedsrichter hat heute das Spiel massiv beeinflusst. Das waren klare Fehlentscheidungen", echauffierte sich der Sportdirektor von Hannover 96 nach der 0:2 (0:1)-Niederlage beim 1. FC Köln über Schiedsrichter Jochen Drees, der sich gleich nach dem Abpfiff auf dem Platz noch einige Worte des aufgewühlten 96-Trainers Mirko Slomka anhören musste.

Der Referee aus Münster-Sarmsheim hatte in 70. Minute dem vermeintlichen Ausgleich durch Pinto die Anerkennung verweigert, weil Didier Ya Konan seiner Meinung nach im Abseits gestanden und dort FC-Torwart Michael Rensing irritiert haben soll.

"Ya Konan steht da wie eine Salzsäule und behindert den Torwart kein bisschen. Das war ein reguläres Tor", sagte der frühere Bundesligatorwart Schmadtke, der aber nicht nur dem Schiri die Schuld in die Schuhe schieben wollte: "Wir haben auch selbst Fehler gemacht, wenngleich nicht so entscheidende." Auch Rensing gab zu: "Das war ein regulärer Treffer. Da haben wir Glück gehabt."

Lukas Podolski hatte zuvor Hannover vor dem Spitzenspiel der Niedersachsen gegen Tabellenführer Bayern München den Sprung auf den zweiten Tabellenplatz im Alleingang verwehrt. Anstatt als Zweiter empfängt 96, das der Überraschungs-Saison aus dem Vorjahr den besten Saisonstart der Vereinsgeschichte hatte folgen lassen, die Bayern am nächsten Sonntag als Tabellensiebter.

Die Kölner verbesserten sich durch den vierten Saisonsieg auf Rang zehn und haben bereits sechs Punkte Abstand auf den Relegationsplatz. Podolski, dessen Einsatz wegen Bandscheibenproblemen lange Zeit fraglich war wurde zum Held des Abends.

Podolski per Freistoß

Zunächst war der gebürtige Pole mit einem sehenswerten Freistoß in der 24. Minute zum 1:0 erfolgreich, dann traf er in der 86. Minute nach einer tollen Einzelleistung zum Endstand, wobei in dieser Szene Adil Chihi im Abseits stand. Für den vor der Saison als Kapitän entmachteten Podolski waren es bereits die Saisontreffer fünf und sechs beim achten Einsatz.

Unanbhängig von der Leistung des Schiedsrichters war der Auftritt der Gäste im ersten Durchgang eines Aspiranten auf Rang zwei nicht würdig. Die Niedersachsen spielten so, als würde sie die Aussicht auf einen echten Gipfel gegen die Bayern eher zu lähmen statt zu beflügeln und hatten in der ersten Halbzeit kaum eine nennenswerte Offensivaktion.

Die aktivere Mannschaft in den Anfangsminuten stellten vor 46.000 Zuschauern die Kölner, die nach dem peinlichen 0:3 bei Hertha BSC auch ohne den verletzten Milivoje Novakovic um Wiedergutmachung bemüht waren. Den 96ern fehlten ohne den verletzten Ex-Nationalspieler Jan Schlaudraff im Spiel nach vorne die zündenden Ideen gegen die trotz einiger Ausfälle wie Kapitän Geromel zunächst sehr sattelfeste Kölner Abwehr.

Der Führungstreffer resultierte bezeichnenderweise aus einem strittigen Freistoß aus rund 22 Metern: Podolski ließ dabei dem gebürtigen Kölner Ron-Robert Zieler im 96-Tor mit einem sehenswerten Schlenzer keine Abwehrchance. Danach kam Hannover zumindest zu ersten Gelegenheiten durch Mohammed Abdellaoue (32.) und Emanuel Pogatetz (33.), dessen Kopfball FC-Keeper Michael Rensing mit einer Hand übers Tor lenkte.

Nach dem Wechsel wurde die Partie zunehmend hektischer, Schiedsrichter Jochen Drees drohte zwischenzeitlich den Überblick zu verlieren. Mit einem Lattenschuss von Sergio Pinto hatte 96 die bis dahin beste Gelegenheit (50.), dann mussten die Kölner einen Schock verkraften.

Chihi vergibt Chance

Der erst zur Pause für den ebenfalls angeschlagenen Miso Brecko ins Spiel gekommene Andrezinho verdrehte sich das Knie und musste vom Platz getragen werden. Der Brasilianer hat sich offenbar eine Innenbandverletzung zugezogen und muss sich am Montag einer Kernspin-Untersuchung unterziehen. Der gelernte Innen- und Linksverteidiger Tomoaki Makino musste fortan bei Köln rechts verteidigen.

96 schlug aber auch daraus lange kein Kapital, im Gegenteil: Adil Chihi besaß die große Gelegenheit zum 2:0, köpfte aber aus kurzer Distanz an die Latte (63.), ehe Pinto den vermeintlichen Ausgleich bejubelte. Anschließend gab es noch ein Handspiel von Mato Jajalo im Strafraum, das der Referee und seine Assistenten allerdings übersahen.