Rehabilitation gelungen

Dortmund demontiert Köln – "Wie auf der Playstation"

Der Blamage in der Champions League bei Olympiakos Piräus lässt der Deutsche Meister eine Gala gegen den 1. FC Köln folgen. Gibt es zwei Dortmunds?

Sie waren heftig kritisiert worden. Zu jung seien sie, nicht abgezockt genug und zu phlegmatisch. Die Spieler von Borussia Dortmund mussten harte Worte über sich ergehen lassen, nachdem sie in der Champions League 1:3 bei Olympiakos Piräus verloren hatten . Es scheint derzeit so, als sei die internationale Bühne noch eine Nummer zu groß für den BVB. Auf der nationalen hingegen brilliert der Deutsche Meister wie gehabt. Mit 5:0 (3:0) schlug das Team von Jürgen Klopp den 1. FC Köln. Damit festigte Dortmund Platz zwei in der Tabelle und seine Rolle als Bayern-Jäger Nummer eins.

So groß und berechtigt die Freude darüber auch ist: Angesichts der schwankenden Leistungen stellt sich die Frage, ob es zwei Dortmunds gibt? Zumindest ist der BVB im Herbst 2011 eine Mannschaft mit zwei Gesichtern: In der Bundesliga hat sie die Sache weitestgehend im Griff, während sie international teilweise vorgeführt wird. „Diesmal haben wir als Mannschaft funktioniert. Wir haben eine Reaktion gezeigt. Aus Griechenland kamen wir mit Wut zurück. Wir haben konsequent umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten“, sagte Sebastian Kehl, während sein Kollege Neven Subotic nur Hohn und Spott für die desaströsen Gäste übrig hatte. Der Verteidiger sagte, dass er ein derart einseitiges Spiel zuletzt „auf der Playstation“ erlebt habe.

Als Einheizer hatte sich der BVB mit Hagen Brüggemann einen ganz speziellen Gast geladen. Der Elfjährige hatte eine Woche zuvor bei „Wetten dass..?“ das Publikum begeistert. Dort war er mit der Wette angetreten, jeden von 100 AC/DC-Titeln nach nur drei Sekunden zu erkennen. In Dortmund stand Brüggemann vor dem Anpfiff mit einer Gitarre im Mittelkreis und spielte für die 80.720 Zuschauer „Thunderstruck“.

Der Hit brachte die Dortmunder Spieler gut in Schwung. Dortmund spielte zwar so offensiv, wie auch schon in Piräus, aber diesmal kontrolliert aus einer sicheren Abwehr heraus. Der erste gute Angriff führte schon zum 1:0. Mats Hummels spielte den Ball links raus zu Kevin Großkreutz, der ihn in den Strafraum passte. Dort stand Shinji Kagawa im Rücken der Kölner Abwehr völlig frei und traf aus rund zehn Metern zum 1:0 (7.).

Köln ist zu unkonstant

Ein Schock für die Gäste, die nach dem 2:0 gegen Hannover 96 selbstbewusst angereist waren. Doch Köln ist in dieser Saison nicht konstant – und manchmal sogar richtig schlecht. In Dortmund hatte das Team am Ende der Partie nur ein einziges Mal auf das BVB-Tor geschossen. 22:1 Torschüsse und knapp 70 Prozent Ballbesitz verbuchten die Statistiker für Dortmund – was für ein Armutszeugnis für den 1. FC Köln. „Es war kein guter Tag. Wir haben Dortmund zu viele Räume gelassen und verdient verloren“, sagte Kapitän Sascha Riether. Man habe, ergänzte Martin Lanig, nicht im Ansatz das hingekriegt, „was wir uns vorgenommen hatten. Wir waren nicht kompakt und haben es dem Gegner zu einfach gemacht“. So wie vor dem 2:0 für den BVB, als Marcel Schmelzer ungehindert aus 20 Metern traf.

Wer dachte, dass sich die Kölner danach wehren würden, sah sich getäuscht. Stattdessen ließen sie einen Angriff nach dem anderen über sich ergehen. Es war schlimm mit anzusehen, wie schwach sich die Rheinländer präsentierten. Den Dortmundern war es egal. Für sie waren die Mannen um den diesmal schwachen Superstar Lukas Podolski der perfekte Aufbaugegner. Gegen Hannover hatte Podolski noch glänzend gespielt und beide Tore erzielt. Nun boten er und seine Kollegen dem BVB die Gelegenheit, sich für die Schmach von Piräus zu rehabilitieren.

Noch vor der Pause erhöhte Klopps Mannschaft auf 3:0. Nach einem Steilpass von Lukasz Piszczek spielte Sven Bender den Ball in den Strafraum zu Robert Lewandowski, der mit rechts traf (44.). Der Pole war es auch, der in der 50. auf Vorlage von Großkreutz das 4:0 erzielte. Weil die Gäste den Dortmundern auch danach das Feld überließen, durfte Kehl seine starke Leistung noch mit dem 5:0 (66.) krönen. Er köpfte das Tor nach einer Flanke von Blaszczykowski. Danach reagierte der Kölner Anhang mit Sarkasmus. Die Fans tanzten minutenlang in ihrem Block und sangen „Oh, wie ist das schön“.

Köln muss sich erheblich steigern, ansonsten wird das Team am Dienstag in der 2. Hauptrunde des DFB-Pokals bei 1899 Hoffenheim auch verlieren. Dortmund hingegen feierte eine gelungene Generalprobe. Der BVB empfängt am gleichen Tag im Pokal den Zweitligisten Dynamo Dresden. Jürgen Klopp ist jedenfalls optimistisch: „Wir haben diesmal gezeigt, wie wichtig Tore in einem Spiel sind. Unser herausragendes Gegenpressing und das Passspiel haben uns heute besser gemacht als der Gegner.“