Basels Coach

Thorsten Fink wird neuer Trainer beim Hamburger SV

Der Wechsel von Thorsten Fink zum Hamburger SV ist perfekt: "Jetzt ist es ganz schnell gegangen. Am Montag werde ich nach Hamburg reisen", sagte der 43-Jährige.

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Die schier endlose Suche nach dem perfekten Trainer ist vorbei, Thorsten Fink soll Bundesliga-Dino Hamburger SV vor dem ersten Abstieg der Klubgeschichte retten.

Der 43 Jahre alte ehemalige Profi von Bayern München wird am Montag als Cheftrainer das Ruder bei den Hanseaten übernehmen. Fink soll beim Tabellenletzten nicht nur für den sportlichen Aufschwung sorgen, sondern nach 13 Trainerwechseln in den vergangenen zehn Jahren endlich auch Kontinuität bringen - und das gleich bei seinem ersten Engagement als Coach in der höchsten deutschen Spielklasse.

„Diese Mannschaft muss den Klassenerhalt schaffen - ohne wenn und aber“, sagte Fink und formulierte bei "Sport1" gleich weitere klare Ziele: „Am Saisonende sollten wir es ins Mittelfeld schaffen, aber ins obere bitte schön!“

Schon als kleines Kind, „als der HSV noch in Europa glänzte und die größten Erfolge feierte“, habe er „die Rothosen immer bewundert“, sagte Fink. Zuletzt hatte er mit dem FC Basel in der Champions League - unter anderem mit ein 3:3 bei Manchester United - für Furore gesorgt. Zweimal führte er das Team zur Schweizer Meisterschaft.

Thorsten Fink war mein Wunschtrainer . Er passt mit seiner Art zum HSV und zu unserer Philosophie. Er wird unsere Mannschaft besser machen und weiter entwickeln“, sagte Sportdirektor Frank Arnesen, der Fink wie erwartet mit einem Vertrag bis 2014 ausstattete.

Auch der Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow ist überzeugt, den richtigen Mann gefunden zu haben: „Er hat uns in den Gesprächen vollends mit seiner Art und seinen Vorstellungen überzeugt.“

Fink, der in der Schweiz noch einen Vertrag bis 2013 besaß, ist seit Frank Pagelsdorf, der beim HSV am 17. September 2001 entlassen worden war, der 13. Trainer auf der Bank der Norddeutschen. Die Ablösesumme soll bei einer Million Euro liegen.

Arnesen nur einmal Interimstrainer

Arnesen wird damit den HSV am Sonntag im Spiel beim SC Freiburg (15.30/Sky und Liga total!) zum ersten und einzigen Mal als Interimstrainer betreuen. Finks erstes Spiel wird dann das Nordduell mit dem VfL Wolfsburg am darauf folgenden Samstag sein.

HSV-Legende Uwe Seeler freut sich über die Entscheidung seines Vereins. „Das ist eine Lösung, mit der ich sehr gut leben kann“, sagte Seeler: „Thorsten Fink hat in der Schweiz in den vergangenen beiden Jahren hervorragende Arbeit geleitet.“

Der Ehrenspielführer der Nationalmannschaft hofft, dass beim HSV jetzt „endlich Ruhe einkehrt“. Auch der ehemalige Hamburger Nationalspieler Willi Schulz begrüßt den Schritt: „Es ist sehr mutig von Fink, zum Tabellen-Letzten zu gehen. Aber das spricht auch für sein Selbstbewusstsein.“

Nach der Entlassung von Michael Oenning hatte der HSV drei Wochen und drei Tage gebraucht, um einen Trainer zu präsentieren. Weil Fink zuletzt noch auf die Freigabe seines Klubs FC Basel wartete, hatte Arnesen auch das Training beim HSV übernommen. Ab Montag wird der Däne wieder vom Trainingsplatz verschwinden.

Oenning war am 19. September nach 13 Spielen ohne Sieg in Folge und nur 190 Tagen im Amt entlassen worden. Danach hatten die HSV-Bosse auch mit Huub Stevens verhandelt, die Gespräche mit dem Niederländer aber abgebrochen, weil dieser zeitgleich mit Schalke 04 anbandelte.

Basel als Sprungbrett

Durch seine Arbeit in Basel hatte es Fink längst in die Notizblöcke der Manager der großen Klubs geschafft. Längst hat er alle Zweifler widerlegt, die ihm nach seinem Engagement beim FC Ingolstadt schon abgeschrieben haben.

Mit Ingolstadt war Fink 2008 in die 2. Bundesliga aufgestiegen, musste aber in der folgenden Saison gehen, als die Mannschaft auf einem Abstiegsplatz stand. 2009 heuerte Fink in Basel als Nachfolger von Christian Gross an - und überzeugte auch die letzten Kritiker.

Nach eigener Aussage wurde Fink in seiner Karriere von vier Trainern geprägt. Zunächst bei der SG Wattenscheid von Hannes Bongartz, dann beim Karlsruher SC von Winfried Schäfer und schließlich beim FC Bayern von Giovanni Trapattoni und Ottmar Hitzfeld.

„Bongartz hat mir früh die Vierer-Abwehrkette, die damals noch keiner gespielt hat, nahegebracht. Schäfer konnte sehr gut motivieren, der Mannschaft Selbstvertrauen geben. Trapattoni war ein Stratege. Das professionelle Vorbereiten auf ein Spiel, den Umgang mit den Medien und den Spielern, das habe ich von Hitzfeld gelernt“, sagte Fink, der seit seiner Zeit als Spieler bei den Bayern den Spitznamen „Duke“ trägt - nach einem Cyber-Punk aus dem Science-Fiction-Film „Die Klapperschlange“.

„Der Duke macht das schon!“, sagten die Bayern-Profis gerne über ihren Kollegen - und behielten meistens recht.