Selbst die Musik am Flughafen, von einer südafrikanischen Folkloregruppe voller Elan und Lebensfreude vorgetragen, konnte die Müdigkeit nicht übertünchen. Dass die Fußballprofis des VfL Wolfsburg dem Schneechaos in Norddeutschland entflohen sind, hat seinen Preis. Denn nach einer 14 Stunden langen Flugreise reicht die Zeit in Port Elizabeth, wo bis Mittwoch ein 22-köpfiges Team des Meisters schwitzt, nur für drei ernsthafte Trainingseinheiten und ein Testspiel.

„Die Bedingungen hier sind gut. Aber der Flug war einfach zu lang“, klagt VfL-Trainer Armin Veh über die Belastung durch eine fünftägige Fernreise, auf deren Buchung der Volkswagen-Konzern bestanden hat. Sechs Monate nach seinem Amtsantritt beim Deutschen Meister muss Veh feststellen, dass er als Trainer ungewöhnlich häufig fremdbestimmt ist. Die sommerliche Vorbereitung auf eine Hinrunde, in der der VfL deutlich hinter den Erwartungen geblieben ist, hatte sein Vorgänger Felix Magath noch organisiert.

Wie es sich für gehorsame Profis gehört, arrangieren sich die Spieler des VfL in Südafrika mit den recht ungewöhnlichen Rahmenbedingungen. „Ein Ausflug wie dieser gehört zu unserem Job. Wir haben schließlich auch andere Verpflichtungen und tun hier Gutes“, sagt etwa Spielgestalter Zvjezdan Misimovic. Als erster Bundesligaklub taucht Wolfsburg in die Gegebenheiten jenes Landes ein, das die Weltmeisterschaft 2010 ausrichtet.

Im ruhigen Küstenort Port Elizabeth, der in der Vorrunde Spielort für die deutsche Nationalmannschaft sein wird, trainieren die VfL-Profis auch mit hilfsbedürftigen Kindern aus Townships. Der PR-Kick in der Sonne ermöglicht einen Blick über den Tellerrand und ist schon deswegen lobenswert. Aber er raubt auch wertvolle Zeit bis zum Start in eine Rückrunde, in der so vieles besser werden soll und muss.

Sein einziges Testspiel vor Beginn der Bundesliga-Rückrunde gewannen die "Wölfe" mit 2:1 (2:1) gegen die Moroka Swallows aus Südafrika gewonnen. Sascha Riether (8.) und Torjäger Edin Dzeko (17.) trafen für den Meister. Ein Abwehrpatzer von Verteidiger Peter Pekarik ermöglichte dem südafrikanischen Pokalsieger das Gegentor durch Tsutsulupa (43.). Knapp 2000 Fans verfolgten den Höhepunkt des Wolfsburger Kurz-Trainingslagers in Südafrika.

Suche nach einem Innenverteidiger

So weit sie auch geflogen sind: Dem derzeit brisantesten Thema beim VfL konnten Veh und seine Spieler nicht entfliehen. Tag für Tag geht es in Südafrika auch darum, wie Trainer und Team darauf reagieren, dass in der Heimat ein neuer Boss auf sie wartet. „Es war notwendig jemanden zu holen, der in unserem Verein für nachhaltige Strukturen sorgt. Das wird eine gute Partnerschaft. Was sonst darüber gesprochen wird, zum Beispiel über einen Machtverlust von mir, ist doch nur ein Medienthema“, sagt Veh über die Verpflichtung von Dieter Hoeneß, den die Macher von VfL-Geldgeber VW als neuen Chef ihrer Fußballtochter installiert haben.

Auch die Spieler begrüßen die neue Konstellation. „Dieter Hoeneß ist ein erfahrener Mann. Das wird uns gut tun, und der Trainer kann sich mehr um die Mannschaft kümmern“, sagt etwa Zvjezdan Misimovic.

Ob es Hoeneß während der Winterpause noch gelingt, einen neuen Innenverteidiger zu verpflichten, der die Abwehr des VfL stabilisiert, gehört zu den Sorgen des Tagesgeschäfts. Brisanter ist die Aufgabe, mit dem Dienstantritt am 15. Januar ein Kompetenzgerangel zwischen ihm und Veh zu vermeiden.

„Unser Trainer macht einen hervorragenden Job. Auf dem Fußballplatz entscheidet er allein“, glaubt Torhüter Diego Benaglio. Die Einstellung von Hoeneß als eine Mischung aus Sportdirektor und Fußballmanager bezeichnet er dennoch als richtig. „Wir wollen wieder nach oben“, sagt Benaglio und stellt noch einmal heraus, was schon fast in Vergessenheit geraten ist: „Wir sind schließlich der Deutsche Meister.“