Rückkehr aus Shanghai

Steffens Flucht nach WM-Pleite gibt Rätsel auf

Nach dem Debakel bei der Schwimm-WM hat Britta Steffen fast fluchtartig Shanghai verlassen und ist mit dem Flugzeug zurück nach Deutschland gereist.

Am Tag nach ihrem rätselhaften WM-Untergang flüchtete Britta Steffen aus Shanghai und warf noch mehr Fragen auf. „Sie ist auf dem Heimweg“, erklärte Leistungssportdirektor Lutz Buschkow vom Deutschen Schwimm-Verband (DSV) am Freitag, „dafür hat es verschiedene Gründe gegeben, die ich im Detail nicht erklären werde.“

Egal, wie oft er gefragt wurde - der Chef de Mission der deutschen Mannschaft wollte weder sagen, wer die Entscheidung getroffen hatte, noch wann sie gefallen war oder warum. „Mehr Informationen wird es bis zum Ende der WM nicht geben“, sagte Buschkow und fügte mit Blick auf das Wochenende an: „Ich möchte, dass die Mannschaft sich in den letzten Tagen noch auf die Wettkämpfe konzentriert.“

Das könnte schwierig werden, denn die Flucht der Doppel-Olympiasiegerin brachte den Verband in arge Unordnung. Am Mittag ging Bundestrainer Dirk Lange noch davon aus, dass die gestürzte Doppel-Weltmeisterin bis zum WM-Ende beim Team bleiben werde.

„Ich mache mir weniger Gedanken über die Leute, die draußen sind, als über die, die noch im Wasser sind“, sagte er. „Herr Lange hat den gleichen Kenntnisstand wie ich“, behauptete Buschkow später, Lange erklärte indes in der ARD: „Grundsätzlich wurden wir von der Mannschaftsleitung nicht informiert.“

Einen kleinen Hinweis auf den Grund für Steffens Flucht aus China gab Buschkow dann aber doch noch: „Es ist ja bekannt, wie mit sehr guten Leistungssportlern, die vielleicht mal nicht die Leistung abrufen, umgegangen wird“, sagte er, „ich werde bei meinen, die in der Vergangenheit hervorragende Topleistungen gebracht haben, darauf achten, dass nichts anbrennt.“

Kein Kommentar

Aus der Mannschaft wollte sich am Freitag zunächst niemand mehr zum WM-Aus der Doppel-Olympiasiegerin äußern, die nach ihrem 16. Platz nach den Vorläufen über 100 m Freistil alle weiteren Starts abgesagt hatte.

„Ich will das nicht kommentieren, ich kann das nicht kommentieren, und ich werde das nicht kommentieren“, sagte Freistilsprinter Marco di Carli nach seinem Vorlauf-Aus über 50 m: „Ich habe so viel Dreck vor der eigenen Tür liegen. Da muss ich erstmal saubermachen. Was Britta Steffen macht, ist für mich nicht von Belang.“

Auf den vorzeitigen Heimflug der größten Medaillenhoffnung, die deutlich über ihren Bestzeiten gebliegen war, habe die Mannschaft „gut reagiert“, behauptete Buschkow am Abend - und ließ auch damit mehrere Deutungen zu. Schon am Vortag war Steffens Entscheidung, nach dem Debakel in der Königsdisziplin in Shanghai nicht mehr an den Start zu gehen, im Team auf Kritik gestoßen. „Egoistisch“ nannte Freistilschwimmerin Daniela Schreiber sie.

Aktivensprecherin Dorothea Brandt hatte dagegen Verständnis für Steffens Rückzug. „Ich bin der Meinung, dass sie das darf“, sagte die Berlinerin. Lange hatte am Donnerstagabend zunächst erklärt, Steffen sei aufgrund ihrer WM-Zeiten für die Staffel gar nicht vorgesehen. Später sprach er davon, sie sitze auf der „Ersatzbank“. Zudem betonte er, dass er über Steffens Einsatz entscheide: „Letztlich wird die Entscheidung durch mich gefällt.“ Das sah am nächsten Tag ganz anders aus.

Kritik gab es auch wieder von Franziska van Almsick . „Ich habe niemals in meiner Karriere eine internationale Meisterschaft vorzeitig verlassen“, sagte die zweimalige Weltmeisterin, die schon am Vortag deutliche Worte gefunden hatte. „Ich hätte erwartet, dass sie als Frontfrau des Deutschen Schwimm-Verbandes Verantwortung übernimmt und sich die Beine rausreißt, um die Lagenstaffel zu den Olympischen Spielen zu bringen. Man muss manchmal auch die Arschbacken zusammenkneifen“, sagte die 33-Jährige, die als ARD-Expertin in Shanghai ist.