4. Bundesliga-Spieltag

Schalke und Raul stoppen Gladbachs Höhenflug

Zum Abschluss des vierten Spieltags gewinnt Schalke 04 ebenso knapp wie verdient gegen Borussia Mönchengladbach und krönt damit eine erfolgreiche Woche.

Foto: Bongarts/Getty Images / Bongarts/Getty Images/Getty

Als Matchwinner Raul nach dem Sturm auf Platz zwei in die Schalker Kurve lief, feierten die Fans bereits voreilig die Wachablösung. „Die Nummer eins im Pott sind wir“, sangen sie mit Blick auf den nun um zwei Punkte und vier Plätze abgehängten deutschen Meister und Erzrivalen Borussia Dortmund.

Und auch Trainer Ralf Rangnick war nach dem 1:0 (0:0)-Erfolg gegen den bisherigen Spitzenreiter Borussia Mönchengladbach ungewohnt euphorisiert. „Ich muss erst einmal runterkommen. So gut hab ich uns noch nie spielen sehen“, sagte Rangnick ausgelassen: „Das war ein fantastisches Spiel von beiden Mannschaften mit extrem viel Tempo. Hut ab vor meiner Mannschaft. Wenn man bedenkt, dass wir am Donnerstag noch 90 Minuten gespielt haben, war das eine läuferisch und kämpferisch fantastische Leistung meiner Mannschaft. Wir haben fast keine Chance zugelassen gegen eine Mannschaft wie Gladbach, obwohl die ausgeruht waren.“



Gladbachs Sturz von der Spitze besiegelte Weltstar Raul mit seinem „Stochertor“ (65.), für das er aus ganz kurzer Distanz drei Anläufe brauchte. Schalke zog nach Punkten mit Spitzenreiter Bayern München gleich und verwehrte zugleich Mönchengladbach, den alten Rivalen nach 26 Stunden wieder vom ersten Platz zu stoßen. Die Borussen, die seit 1992 in Gelsenkirchen sieglos sind, belegen nun Rang fünf.

Rangnicks Kollege Lucien Favre hatte in der Nachspielzeit für die kurioseste Szene des Spiels gesorgt: Nach einem Zusammenprall mit dem Schalker Mittelfeldspieler Alexander Baumjohann am Spielfeldrand packte er diesen im Affekt vehement am Kragen. „Der Ball war einen Meter draußen, aber er ist in die Kabine gekommen, und deshalb ist das erledigt für mich“, sagte Favre, der die verdiente Niederlage eingestand: „Schalke war klar besser, vor allem das Tempo war sehr, sehr hoch für uns. Wir hatten zu viele unnötige Ballverluste, auch weil der Gegner sehr gut gepresst hat.“

In einer gutklassigen Begegnung fehlte lange nur eines - Tore. Mönchengladbach versteckte sich nicht, besonders der seit Wochen überragende Marco Reus sorgte in der sowieso schon anfälligen Schalker Defensive für Alarm. Lewis Holtby und Kyriakos Papadopoulos standen häufig zu weit weg vom Jungstar, der nahezu jede Attacke der Gladbacher Offensive inszenierte. Nach der Halbzeit aber fand Schalke immer besser ins Spiel und fügte den Gästen schließlich durch Raul (65.) die erste Saisonniederlage zu.

Mönchengladbach wurde im zweiten Durchgang phasenweise eingeschnürt und setzte nur noch gelegentliche Konter - natürlich über Reus. Nutznießer waren meist Juan Arango und Mike Hanke, die einige gute Gelegenheiten vergaben. Der Schalker Torhüter Ralf Fährmann war aber fast immer auf dem Posten, ebenso auf der Gegenseite der junge Marc-Andre ter Stegen , wenn es Schalker Druckphasen zu überstehen gab. Selbst beim 1:0 parierte ter Stegen zweimal glänzend, aber Raul setzte immer wieder nach.

Huntelaar tauchte ab

Dabei war der Spanier in der ersten Hälfte noch weitgehend abgemeldet gewesen, kam aber nach der Pause (50./53.) zu mehreren Chancen, sein Team in Führung zu bringen. Klaas-Jan Huntelaar, unter der Woche Vierfach-Torschütze in der Europa League , tauchte hingegen nach einer starken Anfangsphase für lange Zeit ab, nachdem ter Stegen glänzend per Fußabwehr den Rückstand verhindert hatte (15.).

Auf Gladbacher Seite war Hanke, der meist auf den rechten Flügel auswich, technisch zu schwach, um Schwung ins Angriffsspiel zu bringen. Wenn er doch mal gefährlich wurde, dann meist mit Kopfbällen oder Fernschüssen, zum Beispiel in der 43. Minute, als wiederum Fährmann parierte. Dirigent war aber Reus, der das Mittelfeld mit seinen Haken und Finessen überbrückte und in der 60. Minute fast selbst das 0:1 erzielt hätte. Er vertändelte den Ball aber nach einem Solo.

Ansonsten war jedoch mit zunehmendem Spielverlauf Schalke die bessere Mannschaft. Aus allen Lagen schoss das Team von Trainer Ralf Rangnick auf das Tor, viele der 61.673 Zuschauer in der ausverkauften Arena waren schon mehrmals zum Jubeln aufgesprungen, ehe Raul doch noch traf.