Slomka-Team

Hannover verpasst gegen Mainz die Tabellenspitze

Mit einem Heimsieg gegen Mainz 05 hätte Hannover 96 neuer Spitzenreiter werden können. Doch der Sprung auf Platz eins misslang trotz zahlreicher Chancen.

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Ein Bierbecherwurf, ein gellendes Pfeifkonzert und ein extrem wütender Mirko Slomka: Die Spaßbremse bei der geplatzten Tabellenführer-Party hatten sie bei Hannover 96 schnell gefunden. Schiedsrichter Deniz Aytekin (Oberasbach) hatte sich beim 1:1 (1:1) gegen den FSV Mainz 05 mit zahlreichen Entscheidungen den Zorn der Zuschauer und auch von 96-Trainer Mirko Slomka zugezogen. Der stufte zum Beispiel einen abgepfiffenen Angriff in der Nachspielzeit als „sauärgerlich“ ein.

Dabei hatte Hannover auch Glück. Ein von der Tribüne geworfener Bierbecher verfehlte Aytekins Assistenten nur um einen oder zwei Meter. Da waren Erinnerungen wach geworden an den Skandal auf St. Pauli, der am 1. April einen Spielabbruch und eine Platzsperre für die inzwischen in der zweiten Liga spielenden Hamburger zur Folge hatte.

Die Ansprüche in Hannover sind eben gestiegen, denn eigentlich war nichts Dramtisches passiert. Drei Tage nach dem Sprung in die Europa League wollten die Überflieger des Jahres aber unbedingt die erste Tabellenführung seit 42 Jahren erobern, auch wenn sie vorbehaltlich des Spiels von Borussia Mönchengladbach am Abend bei Schalke 04 gegolten hätte.



Sami Allagui (2.) hatte Mainz frühzeitig in Führung geschossen, ehe Mohamed Abdellaoue in der 30. Minute ausglich. Der vergab dann in der 69. Minute bei einem Kopfball aber die große Chance zum Siegtor - und zum vorübergehenden Sprung an die Spitze, den Hannover schon beim 1:1 in der Vorwoche gegen Hertha BSC Berlin versäumt hatte.

„Nachdem wir uns in der Anfangsphase etwas dusselig angestellt haben, haben wir uns gut reingearbeitet in das Spiel“, meinte Slomka: „Es hat leider nicht gereicht, den entscheidenden Treffer setzen. Da müssen wir daran arbeiten, dass wir da noch etwas zielsicherer werden. Heute war es sicher auch der Müdigkeit geschuldet, da hat dann im entscheidenden Moment die Konzentration gefehlt.“

„Es war ein gutes Bundesliga-Spiel auf hohem Niveau“, sagte

05-Trainer Thomas Tuchel: „Mit fünf, sechs hochkarätigen Chancen kann man ein Auswärtsspiel auch mal gewinnen. Aber wir wollen über den einen Punkt nicht meckern, es ist auch ein gutes Zeichen, dass wir so viele Chancen herausspielen.“

40.420 Zuschauer sahen eine muntere Bundesliga-Partie, in der sich die beiden Überraschungsmannschaften der vergangenen Saison nichts schenkten. Den Hannoveranern war das intensive Duell in Sevilla (1:1) dabei allerdings anzumerken. Die letzte Konsequenz und Präzision, die die Mannschaft so stark machen, ließ sie gegen Mainz lange vermissen.

Die 05er agierten eine Woche nach der heftigen Schlappe gegen Schalke 04 (2:4 trotz 2:0-Führung) aus eine kompakten Defensive. Dabei war die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel stets über schnelle Konter gefährlich. Hannover hätte sich nicht beschweren dürfen, wenn Mainz mit einer Zwei- oder Dreitorevorsprung in die Kabine gegangen wäre. Allerdings ging Allagui lange verschwenderisch mit seinen Chancen um. Aus aussichtsreicher Position vergab er gute Möglichkeiten (16. und 24.). Außerdem setzte Kapitän Nikolce Noveski einen Kopfball nur an den Pfosten (25.).

Frühe Führung für die Gäste

Die Europapokal-Helden von 96 waren noch gar nicht richtig auf dem Platz, da musste Torwart Ron-Robert Zieler allerdings schon hinter sich greifen. Bereits in der zweiten Spielminute brachte Allagui die Mainzer in Führung. Nach feinem Zuspiel von Marcel Risse musste der Angreifer nur noch aus kurzer Distanz einschieben.

Dem Treffer war ein krasser Stellungsfehler von Christian Schulz vorausgegangen. Der ehemalige Nationalspieler hatte seine linke Abwehrseite völlig entblößt und so dem Gegner Raum und Zeit gegeben, um den ersten Angriff des Spiels erfolgreich abzuschließen.

Allerdings zeigten sich die Gastgeber nicht lange geschockt. Nach dem Gegentor übernahmen sie zunehmend die Kontrolle über das Spiel, ohne sich zunächst zwingende Möglichkeiten zu erarbeiten. Manuel Schmiedebach vergab aus aussichtsreicher Position (6.). Ein feiner Drehschuss von Schultz (57.) aus 17 Metern ging knapp am Tor vorbei.

Das 1:1 entstand aus einem typischen Angriff von 96. Konstantin Rausch setzte sich auf dem linken Flügel durch und brachte eine Flanke mustergültig in den Strafraum. Dort war einmal mehr Abdellaou zur Stelle. Der Norweger ging dem Ball lehrbuchmäßig entgegen und spitzelte ihn mit der Fußspitze ins lange Eck.