Maßnahmen gegen Randalierer

BFC will Hooligans auf Schadenersatz verklagen

Nach Veröffentlichung von Fahndungsfotos haben sich bereits fünf Hooligans der Berliner Polizei gestellt. Ihnen wird gefährliche Körperverletzung und schwerer Landfriedensbruch vorgeworfen. Der BFC Dynamo will zudem auf Schadensersatz klagen.

Es dauerte nicht lange, bis sich die ersten Erfolge einstellten. Erst am Montagmittag gegen zwölf Uhr hatte die Berliner Polizei Bilder der gewalttätigen Fußballfans im Internet veröffentlicht , die am 30. Juli beim DFB-Pokalspiel zwischen dem BFC Dynamo und dem 1. FC Kaiserslautern (0:3) sowohl Gästefans als auch Polizisten angegriffen und zum Teil schwer verletzt hatten. Noch am Abend stellten sich vier der zwölf Tatverdächtigen freiwillig den Behörden.

Offenbar zeigt die Entschlossenheit, mit der die Polizei nach den Randalierern fahndet, ihre Wirkung. Ein weiterer Hooligan stellte sich am Dienstag, einer konnte identifiziert werden. Bei der zuständigen Fachdienststelle des Landeskriminalamtes (LKA) sind nach Angaben von Polizeisprecher Carsten Müller bis Dienstagmittag 25 Hinweise zu den Tatverdächtigen eingegangen. Nach dem bisherigen Verlauf sei die Polizei optimistisch, binnen kurzer Zeit auch die restlichen sechs Gesuchten identifizieren zu können.

„Wir müssen ein Zeichen setzen“

Es wäre im Interesse des Vereins. Der Fünftligist will die Randalierer ebenso in die Verantwortung nehmen wie der Staat und sich damit deutlich von seinem Image als Gewalt tolerierender Krawallklub distanzieren. „Wir müssen jetzt unsere Hausaufgaben machen und ganz klar ein Zeichen setzen, dass der BFC kein Tummelplatz ist für solche Leute“, sagte Sprecher Martin Richter Morgenpost Online. Dies beinhalte unter anderem die Umsetzung von Stadionverboten, für die der Klub eine landesweite Ausdehnung beantragen will. „Wir werden aber auch Regressansprüche gegenüber den ermittelten Personen geltend machen“, erzählt Richter. Damit will der BFC dem Beispiel von Hansa Rostock folgen. An der Ostsee konnte das Problem der gewaltbereiten Fans auf diese Weise eingedämmt werden.

Die Ansprüche ergeben sich aus der Strafe, die der Deutsche Fußball-Bund am Montag gegen den Klub verhängte. Der BFC muss 12.000 Euro Bußgeld zahlen und dazu die nächsten beiden Heimspiele vor leeren Rängen austragen. Der Gesamtschaden summiert sich damit auf etwa 30.000 Euro. „Das sind fünf Prozent unseres Etats. Für einen Amateurklub ist das viel Geld“, sagt Richter. Allerdings hätte es auch noch viel schlimmer kommen können für den einstigen DDR-Rekordmeister, der nach der Wiedervereinigung tief abstürzte – sportlich, aber durch das rechtsradikale und gewaltbereite Umfeld ebenso im Bewusstsein der Gesellschaft. Die Palette der Strafen, über die spekuliert worden ist, reichte von einem Ausschluss aus dem Pokal-Wettbewerb bis hin zu einer Verbannung aus der Oberliga und dem Verband.

Gegen alle Verdächtigen wurden inzwischen Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung und schweren Landfriedensbruchs eingeleitet. Festnahmen der Verdächtigen sind nach Polizeiangaben derzeit jedoch nicht geplant. Die Identifizierten werden befragt, anschließend gehen die Akten zur weiteren Bearbeitung an die Staatsanwaltschaft. Wann gegen die Hooligans Anklage erhoben wird, ist noch unklar.

Die auf der Internetseite der Berliner Polizei veröffentlichten Fotos stammen aus den Überwachungsfilmen der LKA-Fachdienstelle, die bei allen Heimspielen der Berliner Vereine Hertha BSC, 1.FC Union und BFC Dynamo insbesondere die Blocks der Hooligans mit Kameras überwacht. In Berlin gibt es nach einer Bestandsaufnahme im Frühling dieses Jahres 137 Hooligans der Kategorie C (Gewalt suchend). Davon gehören 75 zum Umfeld des BFC Dynamo und je 30 zu Hertha BSC und zum 1.FC Union. Die restlichen zwei Personen werden Tennis Borussia zugerechnet. Auch unter den etwa 900 in Berlin registrierten Hooligans der Kategorie B (Gewaltbereit) bilden die Fans von Dynamo mit 350 Personen die größte Gruppe.

Zu den gewalttätigen Übergriffen der Hooligans war es nach Ende des Pokalspiels gekommen . Gut 300 Menschen stürmten aus dem BFC-Block durch ein offenes Gittertor in den Gästeblock und schlugen mit Fäusten und Fahnenstangen auf Fans des 1. FC Kaiserslautern ein. Als Polizeibeamte anrückten, wurden auch sie attackiert, 18 Beamte trugen Verletzungen davon. Nach dem Spiel hatte es massive Kritik an dem vom Heimverein eingesetzten Ordnungsdienst gegeben. Ordner sollen das Tor zum Gästeblock für die Hooligans geöffnet und dann wieder geschlossen haben, so dass die Polizei nicht nachrücken konnte. Mittlerweile hat sich der BFC mit der Polizei auf eine Sicherheitspartnerschaft verständigt und zudem Verhaltensleitlinien für Mitglieder des Vereins erstellt. Dies soll helfen, Vorfälle wie den im DFB-Pokal auszuschließen.