Die Aktion traf sicher nicht jeden Geschmack. Am Zustand einiger Plakatwände ließ sich das sehr deutlich ablesen. Wer aber nicht gerade ein Anhänger des obersten in Köpenick ansässigen Fußballklubs ist, der konnte schon schmunzeln über die überdimensionalen Hinweise, mit denen der BFC Dynamo sein Spiel in der ersten Runde des DFB-Pokals bewirbt. In der ganzen Stadt, und damit auch in Köpenick, wo der ungeliebte Lokalrivale Union der Platzhirsch ist.

Gleich alles in den Kontext einer gelebten Feindschaft zu stellen, wäre aber wohl doch zu viel. „Wir wollten damit niemanden provozieren“, sagt Jörn Lenz, Teammanager des BFC. Na ja, ein bisschen vielleicht doch. Aber böse gemeint war es eher weniger. Die Plakate künden viel mehr von Stolz, davon, endlich mal wieder etwas erreicht zu haben, das sich sehen lassen kann. Und von dem Bedürfnis, das auch zu zeigen. Es gab ja lange, sehr lange nichts, womit sie sich sonst positiv hervortun konnten.

10.000 Zuschauer erwartet

Genau dieses Gefühl prägte spürbar die Atmosphäre, als der BFC im Berliner Pokalfinale Stern 1900 mit 2:0 bezwang und sich für den DFB-Pokal qualifizierte. Von einem wichtigen Tag für das Selbstwertgefühl von Klub und Fans war die Rede, die Sehnsucht nach ein bisschen großem Fußball, so wie ihn der DDR-Rekordmeister, der einen sagenhaften Niedergang erlebte und nach der Wende nie mehr am Profifußball teilnahm, von früher kannte, schwang allenthalben mit. Etwas großen Fußball bekommt der Verein nun auch. Der 1. FC Kaiserslautern ist am Sonnabend der Gegner (15.30 Uhr, Jahn-Sportpark). Ein Klub mit Tradition – und großem Anhang. Allein 3000 FCK-Fans werden erwartet. Vielleicht hat sie ja eines der Plakate angesprochen. Auch in Kaiserslautern warb der BFC großflächig.

Ein Spitzenklub in der Bundesliga ist Kaiserslautern aktuell zwar nicht. Die Partie wird dennoch einen besonderen Rahmen bieten. „Ich erwarte eine Art Festtag für uns“, sagt Trainer Heiko Bonan. Mit etwa 10.000 Zuschauern rechnet Lenz. Eine Kulisse, wie sie der Fünftligist nur selten erleben durfte in den vergangenen 20 Jahren. In denen das Sportliche nur allzu oft zum Sekundären verkam. Nicht nur, weil es nichts Erbauliches zu vermelden gab. In erster Linie war es das Umfeld, das sich zwischen Rechtsradikalismus und Hooligantum bewegte und dem einstigen Vorzeigeklub des Ministeriums für Staatssicherheit ein verheerendes Image verschaffte.

Es könnte nun genau dieses Spiel gegen Kaiserslautern werden, das den BFC wieder in einem etwas besseren Licht stehen lässt. Eine Art Test für die Bekundungen, die schon länger zu vernehmen sind. „Der BFC ist auf einem guten Weg“, sagt Bonan. Er meint die Entwicklung im Fanlager. Außer dem bekannten Zwischenfall im Berliner Pokalfinale des Vorjahres, als Fans den Platz stürmten, sei sehr wenig passiert in der jüngeren Vergangenheit. Weil sich der „Charakter des Vereins“ verändert habe. Weg vom aggressiven Verhalten auf den Rängen hin zu einem Klub, zu dem sich jeder hintrauen kann, ohne Angst und Schrecken erfahren zu müssen. Auch ein Polizeisprecher attestiert: „Der Verein bemüht sich aktiv darum, das Gewaltphänomen in den Griff zu bekommen.“ Stadionverbote würden rasch erteilt, fremdenfeindliche Delikte seien im Vorjahr nicht bekannt geworden.

Wahrgenommen, sagt Bonan, werde diese Entwicklung bislang kaum. Deshalb bietet die Partie gegen Lautern eine gute Bühne. „Das Spiel ist nach langer Zeit wieder ein Event für uns. Das lockt auch neutrale Zuschauer an“, sagt Jörn Lenz. Wenn wirklich viele Berliner das Spiel sehen wollen, kann der Verein auch viele Besucher davon überzeugen, dass sich tatsächlich etwas getan hat beim BFC. Dass die alten Klischees nicht mehr zutreffen. Dass es wieder um den Sport geht. Dem Verein könnte das womöglich einen nachhaltigen Zuspruch seitens des Publikums bringen. Zumindest, wenn der sportliche Kurs gehalten werden kann.

Regionalliga als Ziel

Der, sagt Bonan, habe „eine klare Ausrichtung“, und zwar auf die Qualifikation für die Regionalliga. Die zu erreichen wäre wichtig für die Zukunft des Klubs, weil die Oberliga für die Geldgeber auf Dauer zu wenig ist. Die Mannschaft wurde dafür gezielt verstärkt, Bonan ist zuversichtlich. „In der Regionalliga würden wir uns zuhause fühlen“, sagt er. An mehr denkt derzeit niemand. Auch nicht an die zweite Runde im Pokal. „Wir nehmen das Spiel gegen Kaiserslautern als Highlight vor der Hauptaufgabe“, erzählt Bonan, der früher selbst für den BFC und später für Bochum sowie Karlsruhe in der Bundesliga spielte. Obwohl. „Es gibt einen Tag im Leben, an dem man auch so ein Spiel gewinnen kann“, so der Trainer. Es wäre etwas Neues für den BFC, der noch keinen seiner bislang zwei Auftritte im DFB-Pokal siegreich bestreiten konnte. Allerdings steht das Ergebnis bei diesem Spiel kaum im Vordergrund. Viel dreht sich darum, wie der seltene Auftritt des BFC Dynamo auf der großen Fußballbühne abseits des Rasens ausfällt.