Heimpleite gegen Köln

Der HSV ist Letzter – Für Oenning wird es nun eng

Trotz zweimaliger Führung verliert der Hamburger SV zu Hause gegen das bisherige Schlusslicht 1. FC Köln. Für Trainer Oenning wird die Luft dünner.

Mladen Petric brauchte einige Sekunden um zu erklären, was eigentlich nicht erklärbar war. Er schaute auf den Boden, dann blickte er auf und sagte: „Es hat heute eigentlich alles gepasst, um den ersten Heimsieg zu feiern. Wenn du drei Tore schießt, darfst du nicht vier bekommen. Wir haben einfach zu viele Fehler gemacht.“

Die leichte Ratlosigkeit des Stürmers vom Hamburger SV stand symbolisch für einen Auftritt zwischen Jubel und Trauer. Zunächst hatte der HSV im Duell mit dem 1. FC Köln geführt, dann lag er plötzlich hinten, fing sich, ging wieder in Führung und erhielt in den letzten fünf Minuten den schmerzhaften Knock-out. Durch die 3:4-Pleite rutschte der HSV erstmals seit viereinhalb Jahren auf den letzten Tabellenplatz ab, die Kölner rückten auf Rang 14 vor. „Wir hätten einen Sieg verdient gehabt, aber wenn wir so auftreten wie in den letzten zehn Minuten, wird’s schwer“, sagte HSV-Kapitän Heiko Westermann. Mehr mochte er nicht erklären. „Ich glaube, ich gehe jetzt erst mal lieber in die Kabine.“

Sicherlich tat er gut daran abzukühlen. Zu frustrierend war das zuvor Erlebte gewesen. Dabei hatten sie in Hamburg durchaus gute Erinnerungen an Gastauftritte der Kölner gehabt. Am 19. März gelang der letzte Sieg in der heimischen Arena, 6:2 hieß es damals, Gegner war der 1. FC. Es war zugleich der einzige Sieg, den die Hanseaten unter Trainer Michael Oenning hatten erringen können. Seither gab es unter seiner Leitung sechs Unentschieden und vier Niederlagen. Vielleicht auch deshalb, weil Oenning immer wieder verschiedene Teams ins Rennen schickte.

Am Samstag lief im fünften Pflichtspiel dieser Saison zum fünften Mal eine veränderte Mannschaft auf. Stabilität sieht anders aus. „Wir werden es zusammenbauen“, beschwor der Trainer noch vor der Partie und beorderte Slobodan Rajkovic in die Anfangsformation. Der Serbe war erst am Mittwoch für 1,5 Millionen Euro Ablöse verpflichtet worden, er kam – wie schon vier andere aktuelle HSV-Profis – vom FC Chelsea. „Er soll Stabilität bei uns reinbringen. Durch seine körperliche Präsenz und sein Zweikampfverhalten wird er uns helfen“, sagte Oenning über den Neuen.

Auch auf Kölner Seite feierte ein Zugang sein Debüt. Henrique Sereno, vom Europa-League-Sieger FC Porto verpflichtet, rückte in die Innenverteidigung neben Geromel. Dafür saß Lukas Podolski zunächst nur auf der Bank. Er war noch grippegeschwächt und kam erst in Halbzeit zwei. Da stand es schon 1:1. Mit einem umstrittenen Foulelfmeter hatte Petric den HSV in Führung gebracht (11.). Geromel hatte im Strafraum Dennis Aogo leicht berührt, Schiedsrichter Florian Meyer ließ zunächst weiter spielen und entschied erst auf Strafstoß, als ihm Assistent Harm Osmers das vermeintliche Foul signalisierte. Eine schmeichelhafte Entscheidung für die Hausherren.

Zwar war der HSV bemüht, fing sich aber rasch den Ausgleich. Eine Hereingabe von Slawomir Peszko nutzte der sträflich frei stehende Adil Chihi zum 1:1 (21.). Und es kam noch schlimmer. Mit seiner ersten Aktion setzte sich Podolski auf links durch, passte flach herein, wo der am langen Pfosten lauernde Milivoje Novakovic nur noch einzuschieben brauchte (49.). Eine Kopie des ersten Kölner Treffers, diesmal allerdings hätte HSV-Torhüter Jaroslav Drobny den Ball bei einem etwas beherzteren Herausgehen möglicherweise abfangen müssen.

Rajkovic trifft im ersten Spiel

Drobny und Co. durften sich beim Neuen bedanken, dass sie trotz spürbarerer Verunsicherung zurück ins Spiel fanden. Nach einem Freistoß von Aogo setzte Heung-Min Son den Ball per Kopf an den Pfosten, den Abpraller drückte Rajkovic über die Linie (59.). Und keine drei Minuten später sorgte Son selbst für die überraschende Führung. Nach einer Flanke von Robert Tesche setzte sich der Südkoreaner gegen den fahrlässig verteidigenden Andrezinho durch und traf per Linksschuss ins lange Eck (62.).

Dennoch reichte es nicht für den ersten Saisonsieg. Noch nicht einmal ein Punkt sollte am Ende herausspringen. Nach einer Ecke von Mato Jajalo stand der eingewechselte Christian Clemens so frei wie vermutlich seit C-Jugend-Zeiten nicht mehr. Aus fünf Metern traf er, Gegenspieler Per Ciljan Skjelbred hatte ihn einfach laufen lassen (84.). Dem Schock folgte der Knock-out. Eine harmlose Flanke faustete Drobny vor die Füße des eingewechselten Kevin McKenna, der zum 4:3 traf und einem kuriosen Spiel die letzte Wendung verschaffte (88.). Für HSV-Trainer Oenning wird die Luft nun trotz aller Treuebekenntnisse der Führungsriege dünner. „Ich bin maßlos enttäuscht“, sagte er. „Das ist bitter.“

Kölns Coach Stale Solbakken hingegen frohlockte, obwohl er gleich doppelt gelitten hatte. Beim 2:2 schlug er mit der Hand gegen eine Plexiglasscheibe und trug nach der Partie einen dicken Verband. Dann sagte der Norweger, der schon mal mit einem Herzstillstand dem Tod nahe gewesen war und seither technische Hilfe in Anspruch nimmt: „Das war kein Spiel für Trainer mit Herzschrittmacher.“