Remis gegen Freiburg

Aufsteiger Augsburg erkämpft Punkt für die Moral

Bei seiner Bundesliga-Premiere holt der FC Augsburg gegen den SC Freiburg zweimal einen Rückstand auf. Von der Moral her ist der Aufsteiger erstligatauglich.

Sascha Mölders sah nicht aus wie ein Held. Er freute sich eher still, er war an einem historischen Tag zufrieden, seine kleine Tochter glücklich gemacht zu haben. Am Morgen des ersten Bundesliga-Spiels in der bald 104 Jahre währenden Geschichte des Fußball-Clubs Augsburg hatte die zweieinhalb Jahre alte Joy ihren Vater angerufen und ihm aufgetragen, er möge bitte, bitte dafür sorgen, dass sie diese Tormelodie im Stadion spielen. Denn nach Treffern der Schwaben tönt „Eine Insel mit zwei Bergen“ aus den Lautsprechern der Arena, ein Lied aus „Jim Knopf“, einem der Stars der „Augsburger Puppenkiste“.

Joy Mölders hatte beim 2:2 (0:0) des FC Augsburg gegen den SC Freiburg gleich doppelt Grund zur Freude. 37.984 Tage nach der Vereinsgründung am 8. August 1907 erzielte ihr Papa, 26 Jahre alter Vater von schon vier Kindern, die ersten Treffer des FC Augsburg in der Bundesliga. Per Kopf (54. und 81.) glich Mölders jeweils die Führung für die Gäste durch Demba Papiss Cisse (48.), der vielleicht zum VfL Wolfsburg wechselt, und Cedrick Makiadi (55.) aus. Mölders aber blieb bescheiden. „Ich habe den Punkt nicht gerettet. Ich habe zwei Tore gemacht“, sagte er und ergänzte leise: „Das war ein Punkt für die Moral.“

Der Punkt war auch eine wirksame Beruhigungspille nach einer Woche, in der beim FC Augsburg in erster Linie über Michael Thurk geredet wurde. Der Torjäger ist seit vergangenem Montag freigestellt, mit diesem Urteil haben sich Trainer Jos Luhukay und Manager Andreas Rettig nicht nur Freunde gemacht.

Thurk jedoch widerspricht wohl dem, was Luhukay und Rettig predigen: Nur die Mannschaft und ihre Geschlossenheit zählen, ansonsten hat der FC Augsburg in der Bundesliga keine Chance. Dass an Stelle von Thurk nun Mölders traf, „das kann man nicht planen und umsetzen“, sagte der Trainer mit ein klein bisschen Genugtuung.

„Sascha“, lobte Luhukay, „hat ein Wahnsinnsspiel gemacht, vor allem in der zweiten Halbzeit.“ In den Himmel loben wollte er den zweifachen Torschützen nach dessen zwölftem Bundesligaspiel freilich nicht. „Auch die Flanken zu den Toren waren sensationell, aber was die Mannschaft mitgebracht hat an Energie, da habe ich viel mehr Freude dran. Zweimal in der Bundesliga einen Rückstand aufzuholen, das ist nicht einfach.“

Charakter und Moral waren die beiden am häufigsten gebrauchten Worte bei den Augsburgern nach dem ersten Spiel gegen einen Erstligisten, Thurk schienen sie fremd geworden zu sein.

„Das war für alle Beteiligten ein sensibles Thema“, sagte der Augsburger Kapitän Uwe Möhrle zum Fall Thurk, nicht zuletzt dank Mölders aber wollten die Schwaben, in deren Kader nur 13 Spieler mit Bundesliga-Erfahrung stehen, nicht groß drüber reden.

Möhrle sprach lieber darüber, dass sich nach „turbulenten Tagen“ alle gefreut hätten auf diese Premiere, am Ende waren die Schwaben dann sogar ein bisschen enttäuscht, dass es nur ein Punkt geworden war. „Wir haben uns teuer verkauft, aber unter dem Strich wäre heute mehr drin gewesen“, sagte Axel Bellinghausen, Flankengeber zum historischen ersten Treffer.

Der Freiburger Trainer Marcus Sorg sah das allerdings ähnlich. Auch er debütierte in der Bundesliga, doch was er von seiner Mannschaft sah, stellte ihn nicht zufrieden. „Wir haben es in der zweiten Halbzeit verpasst, den Sack zuzumachen. Wir hatten uns natürlich mehr versprochen, wir haben es aber nicht geschafft, das Spiel in den Griff zu bekommen“, sagte er.

Zweimal trafen seine Spieler dank größerer individueller Klasse, zweimal zahlte Augsburg „Lehrgeld“, wie Möhrle einräumte. Die Fähigkeit, einen Rückstand aufzuholen, hat sich der FC Augsburg allerdings schon in der 2. Liga angeeignet.