3. Spieltag

Der Hamburger SV reist voller Demut nach München

Nach zwei enttäuschenden Bundesliga-Auftritten fügt sich der Hamburger SV vor dem Spiel bei Rekordmeister Bayern München in die Rolle des krassen Außenseiters.

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Der Hamburger SV hat bei Uli Hoeneß einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Zum Auftakt dieser Bundesliga-Saison hockte der Präsident des FC Bayern auf der Tribüne des Dortmunder Stadions und wurde Zeuge, wie der Deutsche Meister den Nordrivalen nach allen Regeln der Kunst vernaschte. „Such’s Balli“ hätte der HSV gespielt, „nach dem Motto: Bitte, nach Ihnen“, lästerte Hoeneß. Am Samstagnachmittag (15.30 Uhr, Sky) soll die Suche nach dem Ball für die Hamburger weitergehen. Der Münchner Präsident hat einen Sieg fest eingeplant: „Das ist unser Anspruch, ganz klar.“

Aussagen dieser Art hätten in den vergangenen Jahren zu einer Reaktion geführt, doch die Machtverhältnisse haben sich verschoben. Die Hamburger fügen sich in die Rolle des krassen Außenseiters. Nach zwei Spieltagen hat der HSV erst ein Pünktchen gewonnen, da halten sich die Verantwortlichen mit Kampfansagen zurück. Im Gegenteil, sie zeigen sich demütig. „So richtig geklappt hat bisher noch gar nichts. Aber wir werden ganz sicher nicht den Fehler machen, unsere Idee infrage zu stellen. Es war uns bewusst, dass ein Umbruch nicht in ein paar Wochen zum Abschluss zu bringen ist. Das braucht Zeit“, sagte Michael Oenning, der trotz des miesen Starts nicht um seinen Posten zittern muss.

Sportdirektor Frank Arnesen betonte: „Der Trainer benötigt Zeit mit dieser Mannschaft“, und Vereinsboss Carl-Edgar Jarchow trat bereits vor die Mannschaft: „Ich habe klargemacht, dass wir auch dann hinter ihm stehen werden, wenn es eine schwierige Phase durchzustehen gilt.“

Geduld ist das Schlagwort, es dürften keine Wunderdinge erwarten werden in dieser Saison. „Wir haben personell so viel verändert – und das war eine Entscheidung, die wir ganz bewusst getroffen haben“, sagte Oenning. Im Sommer wurde der Gehaltsetat um ein Viertel gekürzt, Führungsspieler wie Frank Rost, Ze Roberto oder Ruud van Nistelrooy konnte und wollte die Vereinsführung nicht mehr bezahlen. Dem neuen Team fehlt es jedoch nicht nur an Erfahrung, sondern auch an Stabilität und Selbstvertrauen. „Das müssen wir uns mit der Zeit erarbeiten“, sagte der Trainer.

In München will der HSV den drohenden Absturz ans Tabellenende mit einer Mauertaktik verhindern, zumal sich Angreifer Mladen Petric (Grippe) am Freitag abmeldete. Vor Torwart Jaroslav Drobny baut Oenning zwei Viererketten auf. In Tomas Rincon erhält Franck Ribery einen Spezialbewacher. Auf der anderen Seite sollen Dennis Aogo und Marcell Jansen daran arbeiten, Arjen Robben die Lust am Spiel zu nehmen.

„Es wurde deutlich angesprochen, was wir besser machen müssen. Ich denke, dass wir gut vorbereitet sind“, sagte Aogo, der sich auch durch eine Pleite in München nicht aus der Ruhe bringen lassen würde: „In dieser Phase kommt es nicht auf die Ergebnisse an. Wichtig ist, dass wir uns als Mannschaft entwickeln.“