Fussball-Bundesliga

4:1 – Gladbach demütigt Magaths Wolfsburger

Sein Debüt für Wolfsburg hatte sich Hitzlsperger sicher anders vorgestellt. Borussia Mönchengladbach spielte die Niedersachsen phasenweise an die Wand.

Foto: dapd/DAPD

Mit einer Gala-Vorstellung hat sich Borussia Mönchengladbach zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder an die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga geschossen. Beim überzeugenden 4:1 (3:1)-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg ließ sich der Beinahe-Absteiger der Vorsaison auch von Deutschland-Rückkehrer Thomas Hitzlsperger nicht aufhalten.

Marco Reus (15./67. Minute), Kapitän Filip Daems (32./Foulelfmeter) und Raul Bobadilla (45.) sorgten am Freitagabend mit ihren Treffern für eine lange nicht mehr erlebte Gänsehaut-Gala im Borussia-Park. Mehr als die frühe Führung durch Makoto Hasebe (12.) gelang den enttäuschenden Gästen nicht.

Ganz anders die wie entfesselnd auftretende Mannschaft von Trainer Lucien Favre. Vor drei Monaten fast abgestiegen, schoben sich die Gladbacher nun für mindestens eine Nacht an die Spitze.

„Heute haben wir den Jubel der Fans verdient“, sagte Borussia-Trainer Lucien Favre: „Wir haben gut gespielt. Vielleicht hat es uns gut getan, das 0:1 zu bekommen. Wir haben sofort reagiert. Wir waren klar die bessere Mannschaft, es hätte höher als 4:1 ausgehen können.“

„Mönchengladbach war ein sehr guter Gegner, aber nach dem 1:0 müssen wir anders spielen“, sagte Nationalspieler Thomas Hitzlsperger nach seinem misslungenen Debüt. Sein Kapitän Christian Träsch ergänzte: „Wir haben zwei unglückliche Gegentore bekommen - das zieht einen runter. Aber dann haben die einfachsten Dinge nicht geklappt, und so darf man nicht auftreten.“

Tolles Geburtstagsgeschenk

Tatsächlich beeindruckten die Gladbacher am 70. Geburtstag ihres Vereinspräsidenten Rolf Königs mit Spielfreude, Engagement und Effektivität vor dem Tor, obwohl Igor de Camargo, Martin Stranzl und dessen Vertreter Roel Brouwers fehlten. Vor 43 224 Zuschauern wirkte die Aussicht auf die Tabellenführung wie ein zusätzlicher Kick.

Zwar durften nach 12 Minuten die Gäste eine feine Kombination mit großartigem Abschluss bejubeln, doch dann spielte fast nur noch Borussia Mönchengladbach. Patrick Helmes zirkelte beim 0:1 einen langen Ball von der linken Seite auf den Fuß von Christian Träsch, der auf Hasebe ablegte. Der Japaner nahm den Ball direkt aus der Luft und vollendete zu seinem ersten Tor seit fast zwei Jahren.

So gut es seine Mitspieler im Angriff vorgemacht hatten, so schlecht stellte sich wenig später Wolfsburgs Verteidiger Simon Kjaer an. Etwas tölpelhaft rutschte er auf dem Rasen weg und ermöglichte Gladbachs Bobadilla den Weg zum Tor. Der Argentinier legte uneigennützig quer auf Reus, der nur noch ins Tor schieben musste.

Der erst am Mittwoch verpflichtete Mittelfeld-Neuling Thomas Hitzlsperger hatte noch große Anpassungsprobleme in seinem hellgrünen Trikot und blieb blass. Größte Baustelle für Magath beim geplanten Umbruch ist aber weiter die wackelige Defensive.

Der schon früh für den verletzten Hasan Salihamidzic eingewechselte Regionalliga-Spieler Michael Schulze wirkte überfordert und verursachte gegen Reus einen Strafstoß. Daems ließ sich diese Chance nicht entgehen und schloss seinen neunten Elfmeter mit dem neunten Treffer ab.

Gladbach nun dominierend

Die Gladbacher übernahmen nun endgültig überzeugend die Initiative. Von Schockstarre wegen des frühen Gegentreffers war nichts zu spüren. Der frühere Wolfsburger Mike Hanke hätte nach Zuspiel des starken Bobadilla schon früher erhöhen können (41.).

Das erledigte dann kurz vor der Pause Bobadilla selber. Nach einem Eckball traf der in der vergangenen Rückrunde an Aris Saloniki ausgeliehene Angreifer per Kopf zum hochverdienten 3:1-Halbzeitstand.

„Wir sollten jetzt so weiterspielen. Wir haben Druck gemacht, vorne früh gestört, das Aufbauspiel der Wolfsburger unterbunden. Das sollten wir jetzt über 90 Minuten schaffen“, sagte Gladbachs Vize-Präsident Rainer Bonhof zur Pause im TV-Sender Sky.

Sein Team enttäuschte ihn nicht und berannte auch nach dem Wechsel das Tor der Wolfsburger. Gejubelt wurde nicht nur beim weiteren Treffer von Reus, sondern auch bei den Auswechslungen von Bobadilla, Hanke und Reus.