Schalker Topverdiener

Raul verzichtet auf Wechsel zu Blackburn Rovers

Der unzufriedene Torjäger schlägt ein Angebot des Klubs aus England aus. Zu Schalkes Europa-League-Qualifikationsspiel in Helsinki reist er trotzdem nicht mit.

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Spaniens Fußball-Legende Raul bleibt dem Bundesligisten Schalke 04 erhalten. Der 34 Jahre alte Stürmer sagte den Blackburn Rovers ab, nachdem der Klub aus der englischen Premier League eine offizielle Anfrage an die Königsblauen gerichtet hatte.

„Wir hatten eine Telefonkonferenz mit Rauls Berater und einem Dolmetscher. Raul will Schalke Stand jetzt nicht verlassen. Es wird keinen Wechsel nach Blackburn geben“, sagte Schalkes Manager Horst Heldt "Bild". Und auf der Homepage des Vereins stellte er klar: „Sowohl unser Trainer Ralf Rangnick als auch mein Vorstandskollege Peter Peters und ich haben immer betont, dass wir ihn nicht abgeben möchten.“ Allerdings sagte der Sportdirektor auch: „Aber wenn man uns sagt, dass er gehen möchte, werden wir uns damit beschäftigen und in Verhandlungen einsteigen.“

Heldt hatte zuvor schon der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) bestätigt, dass man Raul „nicht abgeben“ wolle. Die Verantwortlichen von Schalke wollten die Situation um einen eventuellen Wechsel nach Blackburn unbedingt vor der Abreise zum Play-off-Hinspiel zur Europa League am Donnerstag (18.30 Uhr/Sport1) bei HJK Helsinki geklärt haben. Zum Aufgebot für das Spiel gehört der erfolgreichste Stürmer in der Historie des Europacups jedoch nicht.

Offizielle Begründung: Raul soll für den Bundesligaauftritt am Sonntag beim FSV Mainz 05 geschont werden und auf dem Kunstrasen im 10.700 Zuschauer fassenden Sonera-Stadion der finnischen Hauptstadt keine Verletzung riskieren. Mit dem kurzzeitigen Wirrwarr um das Angebot aus Blackburn habe der Verzicht von Trainer Rangnick auf Raul nichts zu tun, beteuerte Schalke-Sprecher Thomas Spiegel vor dem Abflug.

Doch Fakt ist auch: Würde Schalkes Publikumsliebling gegen Helsinki spielen, wäre er für europäische Spitzenklubs auf einen Schlag uninteressant. Denn den Regularien entsprechend könnte der frühere Real-Kapitän dann in dieser Saison weder in der Champions League noch in der Europa League für einen anderen Verein spielen.

Rauls Vertrag beim DFB-Pokalsieger läuft noch bis zum 30. Juni 2012, allerdings hatte der Stürmer in den vergangenen Wochen einen unzufriedenen Eindruck gemacht und unter anderem eine Wahl in den Schalker Mannschaftsrat abgelehnt. Als er Ende Juli ein Trainingslager des spanischen Erstligisten FC Malaga in den Niederlanden besucht hatte, waren erste Gerüchte über einen vorzeitigen Abschied des ehemaligen Madrilenen aufgekommen.

Im Falle eines Transfers von Raul weg aus Gelsenkirchen würde der FC Schalke 04 dessen üppiges Jahresgehalt von rund sechs Millionen Euro sparen. Damit wäre dann Geld frei für Nolan Roux von Stade Brest, dem Wunschspieler von Ralf Rangnick. Mit dem vorige Saison nach Schalke gekommenen Trainer liegt Raul offenkundig nicht wirklich auf einer Wellenlänge.

Der Traditionsverein muss den Spagat hinbekommen zwischen einer notwendigen finanziellen Konsolidierung und einer sportlichen Neuausrichtung. Die sprunghafte Steigerung der Spielergehälter, die es in der Ära Felix Magath gegeben hatte, als die Aufwendungen für die Mannschaft von 63,32 Millionen Euro im Sommer 2009 auf 78,06 Millionen in 2010 angestiegen waren, muss so schnell wie möglich korrigiert werden.

Andererseits will Rangnick, um seine Vorstellungen von schnellem Angriffsfußball umsetzen zu können, gern noch einen schnellen Stürmer verpflichten. Nolan Roux wäre so jemand. Doch er kostet mindestens 6 Millionen Euro Ablöse.