Magath Tabellenführer

Pleite gegen Wolfsburg – In Köln wächst der Frust

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Jan Brockhausen

Während Felix Magath nach dem geglückten Start zufrieden wirkte, machte Stale Solbakken schon nach einer Partie einen ziemlich frustrierten Eindruck.

Manchmal sind es Kleinigkeiten, die über Wohl und Wehe im Fußball entscheiden. Felix Magath weiß das nur allzu gut, schließlich ist der Wolfsburger Trainer seit über 30 Jahren im Geschäft, und deshalb mochte er seine Mannschaft nach dem desaströsen 2:3 vor einer Woche im Pokal bei RB Leipzig auch nicht gleich komplett bestrafen. Zwei Änderungen nur nahm Magath vor, die aber saßen. Der vom VfB Stuttgart verpflichtete Mittelfeldrenner Christian Träsch löste Linksverteidiger Marcel Schäfer als Kapitän ab .

Und für den in Leipzig eher glücklosen Srdjan Lakic stürmte an alter Wirkungsstätte in Köln Patrick Helmes von Beginn an. „Wir haben das System angepasst, ansonsten habe ich Vertrauen in die Spieler, die im Pokal nicht ihr Bestes geben konnten“, meinte Magath vor dem Anpfiff in seiner bekannt ironischen Art. „Ich gehe davon aus, dass sie es heute besser machen.“

Womit der Coach recht behalten sollte. Während der durch die Kapitänsbinde offenbar noch einmal zusätzlich motivierte Träsch im Mittelfeld für zwei rannte, zahlte sich auch die Hereinnahme von Helmes aus. Der Stürmer, der von 2005 bis 2008 selbst für den FC auf Torejagd gegangen war, erzielte in der 17. Minute das 1:0. Nach einem langen Abschlag von VfL-Torhüter Diego Benaglio nutzte Helmes eine Unachtsamkeit in der Kölner Defensive um den nicht nur in dieser Szene heillos überforderten Innenverteidiger Kevin Pezzoni aus und spitzelte den Ball vorbei an Torhüter Michael Rensing ins Tor.

Magath durfte sich bestätigt fühlen – nicht nur wegen des Führungstores. Denn Helmes avancierte in der Folgezeit zum besten Mann auf dem Feld und kam in der Nachspielzeit sogar noch zu seinem zweiten Treffer, als er völlig unbedrängt aus zehn Metern einschob. „Im Pokal lief einiges schief. Für uns war es wichtig, dass wir nach dem Pokal-Aus hier etwas zeigen“, sagte Helmes hinterher. Mit seiner Aufstellung hatte er zweifelsohne die Einschätzung seines Trainers bestätigt: „Helmes“, so Magath, „spielt, weil er technisch stärker als Lakic ist.“

Als technisch saubere Leistung dürfte der Coach der Gäste auch das zwischenzeitliche 2:0 seiner Mannschaft verbucht haben. Einen Eckball von der rechten Seite beförderte Schäfer mit seinem starken linken Fuß derart scharf vor das Tor, dass der Ball an Freund und Feind vorbeiflog und im langen Eck einschlug (85.). FC-Torhüter Rensing sah in dieser Szene recht unglücklich aus. Es war die Vorentscheidung in einem Spiel, das Wolfsburg locker kontrollierte, ohne dabei zu überragen.

Während Magath nach dem geglückten Start zufrieden wirkte, machte sein Gegenüber Stale Solbakken schon nach einer Partie einen recht frustrierten Eindruck. Seine Maßnahmen hatten eben nicht gegriffen. Lukas Podolski als Kapitän abzusetzen , kam während der Vorbereitung im gewohnt emotional überfrachteten Köln schon einem Politikum gleich. Am Samtag giftete der Nationalspieler auf dem Feld allzu auffällig oft seinen Nachfolger mit der Binde an, den Brasilianer Geromel. Solbakkens Ziel, Podolski solle sich auf seine Stärken im Abschluss besinnen, führte am Samstag zumindest noch nicht zum Erfolg.

Auch die strategische Ausrichtung lässt noch viel Luft nach oben. 30 Meter nur möchte Solbakken seine Abwehrspieler von der eigenen Angriffsreihe entfernt sehen, jene Komplexität im Spiel hat er schon erfolgreich beim FC Kopenhagen praktizieren lassen. Mit den Dänen erreichte er in der abgelaufenen Spielzeit immerhin das Achtelfinale der Champions League. In Köln aber dauert es noch, ehe Geromel, Podolski und Co. die Ausrichtung ihres norwegischen Übungsleiters verinnerlicht haben.

Gegen keineswegs überragende Wolfsburger mangelte es vor allem in der Mitte an einem kreativen Mann. Der vom VfL an den Rhein gewechselte Sascha Riether ist zwar ein emsiger Arbeiter, aber beileibe kein Stratege. „Ich glaube, dass viele Spieler besser spielen können. Ich bin der Trainer, ich muss die Verantwortung für die Mannschaft übernehmen“, sagte Solbakken hinterher.

Trotzdem hätte Solbakken fast auch Zählbares zu bejubeln gehabt. Aber zunächst hatte der eingewechselte Slawomir Peszko nur den Außenpfosten des Wolfsburger Tores getroffen (74.). Dann vergab Milivoje Novakovic nach einem feinen Pass kläglich, als er freistehend in Benaglio seinen Meister fand. Kurz darauf war für den Slowenen in Diensten des FC dann Schluss.

In der ersten Halbzeit hatte er schon die Gelbe Karte erhalten, und nachdem er sich zehn Minuten vor Schluss zu einer „Schwalbe“ hinreißen ließ, ahndete Schiedsrichter Manuel Gräfe (Berlin) das Vergehen erneut mit Gelb – Novakovic musste vorzeitig in die Kabine und fehlt nun am nächsten Wochenende beim Auswärtsspiel auf Schalke. Es könnte schon eine richtungsweisende Partie werden, nachdem die Kölner durch das 0:3 am Samstag schon ihre vierte Niederlage zum Auftakt einer Saison in Folge hinnehmen mussten.