Chancenlos beim BVB

Hamburger feiern kostenlose Lehrstunde als Erfolg

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Spieler und Trainer des Hamburger SV konnten der Niederlage bei Meister Borussia Dortmund zum Bundesliga-Start einige positive Aspekte abgewinnen.

Alles sollte anders werden beim Hamburger SV, doch neu waren nach dem deprimierenden Auftakt bei Meister Borussia Dortmund nur die Ansprüche. „Wir sind nicht sang- und klanglos untergegangen. Da habe ich schon andere Spiele erlebt“, analysierte Ex-Nationalspieler Marcell Jansen die kostenlose Lehrstunde.

Und Trainer Michael Oenning ergänzte: „Wir haben 90 Minuten das gezeigt, was man von uns erwarten kann. Wir haben uns nicht kopflos ergeben und Moral bewiesen.“

Moral!? Das war es aber auch schon, was das Gründungsmitglied der Fußball-Bundesliga beim 1:3 (0:2) zum Auftakt beim BVB zu bieten hatte. Ansonsten wurde der HSV nach allen Regeln der Fußballkunst vorgeführt. Insbesondere die Abwehr wurde von der geballten BVB-Offensive um Mario Götze und Co. schwindelig gespielt.

Fahrlässige Chancenverwertung des BVB verhindert Debakel

„Ich habe zwischenzeitlich befürchtet, dass wir sehr hoch verlieren“, gestand Vorstandsboss Edgar Jarchow ein. Dass es nicht so kam, lag aber weniger an der Vorstellung der Hanseaten als vielmehr an der fahrlässigen Chancenverwertung des Meisters. So vergab allein Shinji Kagawa in den ersten 45 Minuten drei hochkarätige Möglichkeiten.

„Wir sind halt im Umbruch“, sagte Jarchow weiter. Ein Umbruch mit vielen Baustellen. Fast eine komplette Mannschaft mit Stars wie Frank Rost, Ruud van Nistelrooy, Joris Mathijsen oder Piotr Trochowski hat der HSV verloren. Von den wenigen Neuzugängen sind der niederländische Verteidiger Jeffrey Bruma und Norwegens Nationalspieler Per Ciljan Skjelbred noch gar nicht integriert.

Wacklige Abwehr bereitet Sorgen

Größtes Manko ist dabei die wacklige Abwerkette. Heiko Westermann, der bereits unter der Woche im Testspiel gegen den FC Valencia (1:2) von den eigenen Fans ausgepfiffen wurde, und Neuzugang Michael Mancienne strahlten in der Innenverteidigung alles andere als Sicherheit aus. Und warum Außenverteidiger Dennis Diekmeier beim 0:1 die gesamte rechte Seite preisgab, weiß der Ex-Nürnberger wohl nur selbst.

Doch damit nicht genug. Aus dem Hamburger Mittelfeld kamen kaum zündende Ideen, sodass die Sturmspitzen Mladen Petric und Paolo Guerrero weitgehend in der Luft hingen. Für Guerrero war das Spiel bereits in der 42. Minute beendet, mit Verdacht auf einen Muskelfaserriss musste der Peruaner vom Feld.

Das Verletzungspech bleibt dem 27-Jährigen also auch in dieser Saison treu. Damit könnte es in der Offensive ganz eng werden, denn Rückkehrer Marcus Berg steht auch noch nicht zur Verfügung.

HSV gegen Hertha in Zugzwang

So droht dem HSV eine schwierige Saison. „Wir wissen, wo wir stehen“, sagt Oenning gebetsmühlenartig und fordert Zeit und Geduld ein. Wie lange die verwöhnte Hamburger Anhängerschaft ihm dies zugesteht, bleibt aber fraglich. Bei den Wettanbietern ist der Coach ohnehin der große Topfavorit auf die erste Entlassung der Saison. Bereits im nächsten Spiel gegen Aufsteiger Hertha BSC Berlin steht der HSV in Zugzwang.

„Da zählt nur ein Sieg“, sagt Westermann, wohlwissend dass es eine Woche später zum Rekordmeister Bayern München geht. Da gab es in der vergangenen Saison ein 0:6. Aber die Zeiten, wo sich der HSV kampflos seinem Schicksal ergibt, sollen ja vorbei sein.

( dapd/jr )