Ivan Perisic

Klopps teuerster Neuer hat keine Lieblingsposition

Ivan Perisic kam im Sommer vom FC Brügge zu Borussia Dortmund. Er ist vielseitig und kann auf allen drei Positionen im offensiven Mittelfeld spielen.

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Es sind eher freudlose Tage, die hinter Ivan Perisic liegen. „Daran musste ich mich erst gewöhnen“, sagte der kroatische Mittelfeldspieler, dem das erste Trainingslager mit seinem neuen Arbeitgeber Borussia Dortmund immer noch etwas in den Knochen steckt. Er hätte ja gewusst, dass in der Bundesliga „härter und komplexer“ trainiert werde. „Aber so hart“ habe er zuvor noch nicht in einer Saisonvorbereitung schuften müssen wie in der guten Woche in Bad Ragaz, die am vergangenen Wochenende zu Ende gegangen war.

Doch der 22-Jährige hat die Schinderei in der Schweiz mit täglich drei Einheiten – Laufen, taktisches Training und eine knackige Ausdauereinheit am Nachmittag – überstanden. Nicht mit Bravour, aber mit Kampfgeist. Das ist auch Jürgen Klopp nicht entgangen. „Ivan war überrascht von der Intensität. Aber am Ende sah das bei ihm schon richtig gut aus, selbst bei den Knallereinheiten“, erklärte der Coach – und attestierte seinem teuersten Einkauf Nehmerqualitäten sowie eine große Bereitschaft, sich den speziellen Anforderungen, die der schnelle und aggressive Stil beim Deutschen Meister an die Profis stellt, zu unterwerfen.

Am Samstag im Supercup bei Schalke 04 (20.30 Uhr, ZDF) dürfte Perisic, der für eine Ablöse von 5,5 Millionen Euro vom belgischen Meister FC Brügge nach Dortmund gewechselt ist, seine erste echte Bewährungschance erhalten. Im Duell mit dem Erzrivalen kann er zeigen, dass er mehr als nur eine Ergänzung für Klopps Ensemble ist, das speziell im offensiven Mittelfeld mit Mario Götze, Shinji Kagawa, Kevin Großkreutz und Jakub Blaszcykowski qualitativ hochwertig besetzt ist.

Es ist nicht selbstverständlich, dass Perisic, der in den vergangenen zwei Jahren mit 31 Toren in 70 Spielen zum torgefährlichsten Mittelfeldspieler der belgischen Liga avancierte, zum Bundesliga-Start am 5. August gegen den Hamburger SV in der Startelf stehen wird. Auch dies ist für den schnellen, schuss- und kopfballstarken Offensivallrounder eine neue Situation. In der Bundesliga sei alles „etwas größer“, das Niveau deutlich höher als in Belgien, und „allein bei Borussia Dortmund gibt es sehr viele tolle Spieler“, so Perisic.

Was für den 22-Jährigen spricht, ist seine Vielseitigkeit. Er könne, erklärt er selbstbewusst, auf allen drei Positionen im offensiven Mittelfeld spielen. Das kann außer ihm nur noch das ohnehin gesetzte Ausnahmetalent Götze (19) von sich sagen. Die übrigen Kandidaten Kagawa (zentral), Großkreutz (links) und Blaszcykowski (rechts) sind eher auf bestimmte Positionen festgelegt. „Das erste Jahr in Brügge habe ich im 4-4-2-System auf der Zehn gespielt, im zweiten Jahr auf dem linken Flügel“, so Perisic, den Klopp derzeit ebenfalls intensiv auf links testet.

Hier konnte Perisic am Dienstag und am Mittwoch auch seine ersten beiden zufrieden stellenden Testspiel-Auftritte absolvieren. Beim 1:0 über Mainz und dem 2:0 über den Hamburger SV im Liga-total-Cup trat er sowohl als Torschütze als auch als Vorbereiter in Erscheinung. „Huch, sie können kicken, glücklicherweise!“, so Klopp anschließend in Anspielung auf die erste – noch leise – mediale Ungeduld, die in Tagen von Bad Ragaz zu spüren war, als speziell Perisic und der zweite wichtige Einkauf, Ilkay Gündogan, noch Anpassungsprobleme hatten.

Die scheinen allmählich abzuklingen. Das Puzzle, das nicht nur durch den Abgang des Schlüsselspielers der vergangenen Saison, Nuri Sahin, sondern auch der Genesung von Kagawa, der die komplette Rückrunde ausgefallen war, neu zusammengesetzt werden musste, scheint langsam Konturen anzunehmen. Speziell Kagawa präsentierte sich schon wieder in einer Spritzigkeit, die an die Form des Japaners in der Hinrunde des Meisterjahres erinnerte. Die Mannschaft ließ bei den letzten Auftritten auch insgesamt Fortschritte beim Spiel gegen Ball (Klopp: „Das ist unsere Basis“) und im Umschalten von Abwehr auf Angriff erkennen. Nach dem Supercup will der Coach weitere Aufschlüsse über die Verfassung des Teams haben. „Die Jungs haben ihr Können aufblitzen lassen. Wir fühlen uns aber noch nicht im Ansatz da, wo wir hin wollen.“

Wer käme als Sparringspartner da nicht gelegener als ausgerechnet der Erzrivale. „Das ist ein Endspiel, das wir so auch angehen werden“, sagte Klopp im Hinblick auf den sportlich eher unbedeutenden Wettbewerb, der durch die Brisanz der Paarung eine deutliche Aufwertung erfahren hat. Es gehe nicht um den Pokal, sondern „um viele Gefühle“, erklärte auch Schalkes Trainer Ralf Rangnick , der am Donnerstag gemeinsam mit Klopp vor die Medien getreten war, um die Werbetrommel für den Supercup zu rühren. „Der Pokal ist ja schöner als ich dachte“, sagte Klopp. „Den würden wir gerne mit nach Dortmund nehmen.“ Noch wichtiger als der Supercup sei jedoch, dass man am Ende der Saison nicht sagen müsste, „unser bestes Spiel haben wir im Supercup gemacht.“