Borussia Dortmund

Zumindest Klopp ist schon wieder in Meisterform

Offiziell vermeidet Dortmund das Thema Titelverteidigung. Aber Trainer Klopp hat das Gefühl, "dass der Kader noch stärker" als in der Vorsaison sei.

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Mit Spaß und Eifer war Ilkay Gündogan bei der Sache. "Wissen Sie", sagte der Profi, während er immer wieder seinen Namen schrieb: "Autogramme zu geben, das kann wirklich eintönig werden." Dann aber deutete er auf den kleinen Jungen, der sich freudestrahlend bei ihm bedankte und fügte an: "Aber wenn Sie danach in die Gesichter der Fans schauen, macht mich das froh."

Und so fuhren Gündogan und seine neuen Teamkollegen von Borussia Dortmund mit der Schreibarbeit fort. Über zwei Stunden saßen sie am Sonntag vor der Westtribüne und beglückten bei der Saisoneröffnung einen Teil der über 40.000 Besucher mit ihren Unterschriften. Gündogan (20), Moritz Leitner (18), Chris Löwe (22), Marvin Bakalorz (21) und Ivan Perisic (22) standen besonders im Blickpunkt. Die fünf Neuen sollen den Meister noch stärker machen.

Was trotz einer Saison der Superlative gelingen dürfte. Zumindest Jürgen Klopp scheint davon überzeugt zu sein. Selbst wenn der Titelträger in Nuri Sahin eine prägende Figur an Real Madrid verloren hat, habe der Trainer das Gefühl, "dass der Kader noch stärker" sei.

Der Druck sei größer geworden, der Konkurrenzkampf werde zunehmen, erklärte Klopp und tadelte Kritiker, die bemängelt hatten, dass von den Neuen lediglich der vom 1. FC Nürnberg gekommene Gündogan und der vom FC Brügge verpflichtete Perisic Aussichten auf regelmäßige Einsätze hätten.

"Ich habe zuletzt oft gehört: Eine Saison wie die vergangene wird es nie wieder geben", erklärte Klopp mit einem verächtlichen Seitenhieb in Richtung der berufsmäßigen Pessimisten und Konkurrenz aus Bayern, "aber ich habe nicht vor, mir Limits zu setzen." Klopp hat die tiefe Überzeugung, dass die Entwicklung der Mannschaft noch lange nicht abgeschlossen sei. "Die Meisterschaft endet am 34. Spieltag, die Entwicklung nicht", sagte er beinahe trotzig.

Der Meistertrainer ("Ich bin noch nicht satt") ist zumindest rhetorisch schon wieder in der Form der Vorsaison. Wesentliche Änderungen der erfolgreichen psychologischen Strategie, mit der er seine Spieler stark geredet hatte, sind nicht zu erkennen.

Lediglich leichte Abwandlungen. Hatte Klopp speziell in der Schlussphase des Titelrennens die Profis meist damit gekitzelt, dass die Konkurrenz angeblich nur auf einen Dortmunder Einbruch warte, spielt er nun mit den allgemeinen Mutmaßungen, die jungen Spieler würden mit der Bürde des Titelverteidigers nicht zurecht kommen. "Wir aber haben nicht vor, uns beeindrucken zu lassen", sagte Klopp.

Dies gelte auch für die Champions League, in der die meisten Spieler erstmals auflaufen werden. "Wir haben im vorigen Jahr unsere Erfahrungen in der Europa League gesammelt", sagte Klopp. In einer schwierigen Gruppe mit Paris St. Germain und dem FC Sevilla war der BVB jedoch gescheitert. Nach dem letzten Spiel in Sevilla (2:2) hatte Klopp ob der cleveren Spielweise der Spanier getobt: "Wenn dieses Zeitspiel internationale Erfahrung ist, möchte ich nicht, dass meine Mannschaft dies lernt."

Dabei weiß Klopp, dass ohne eine gewisse Abgeklärtheit die nächste Stufe kaum erreicht werden kann. "Wir wollen unsere eigene kleine Champions-League-Geschichte schreiben", sagte er, wohl wissend, dass speziell in diesem Wettbewerb Sahins strategischen Fähigkeiten fehlen werden.

Wer soll das Tempo aus dem Spiel nehmen? Wer für Ballverlagerungen sorgen? Stand jetzt dürfte es Klopp selbst noch nicht wissen. In Gündogan und Perisic, aber auch in dem Brasilianer Antonio da Silva und dem früheren Kapitän Sebastian Kehl gibt es vier Kandidaten, die Sahin beerben könnten.

"Möglichweise werde ich auf dieser Position spielen", erklärte Gündogan, wehrte sich aber gegen Vergleiche mit Sahin. Er schätze Sahin, hätte ihn sogar im Urlaub getroffen. Er aber sei ein anderer Spielertyp: "Nuri überzeugt mit seiner Technik und Übersicht. Ich bin vielleicht etwas offensiver ausgerichtet."

Dies gilt so auch für Perisic. Der mit einer Ablöse von 5,5 Millionen Euro teuerste Zugang hat in der vergangenen Saison als Mittelfeldspieler in 46 Pflichtspielen 22 Tore erzielt. "Ich habe meistens als Zehner gespielt. Zuletzt wurde ich aber auch auf der linken Offensivseite eingesetzt", sagte Perisic.

Folglich wäre er eine Alternative für Kevin Großkreutz, Mario Götze oder Shinji Kagawa. "Ich traue mir aber fünf Positionen im Mittelfeld zu", so der 1,87 Meter große Nationalspieler, der in diesem Jahr zu seinen ersten drei A-Länderspielen für die Auswahl Kroatiens kam. Möglicherweise gibt es jedoch auch eine personelle Überraschung, ähnlich wie in der Vorsaison , als der Japaner Kagawa überraschend einen Stammplatz erobert hatte. Auch diesmal dürfte gelten: Form und Anpassungsfähigkeit an die auf Balleroberung und schnelles Spiel ausgerichtete Taktik schlagen im Zweifel Klasse.

In jedem Fall sollten die Neuen bereits in der Vorbereitung an die Schmerzgrenze gehen. "Wer für den BVB spielt, muss für den BVB leben", forderte Klopp eine rasche Verinnerlichung der Werte des Vereins. Auch die Meisterspieler sollten sich daran wieder erinnern. "Wer zu lange an dem festhält, was war, der kann nie und nimmer im Hier und Jetzt sein", sagte der Cheftrainer des BVB: "Aber gerade das ist für uns wichtig."

Die kämpferischen Aussagen beweisen, dass das öffentlich genannte Saisonziel lediglich ein offizielles sein kann. Einen "internationalen Wettbewerb", wolle Dortmund erreichen, so Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Bescheiden. Aber immerhin ein kleiner Fortschritt: In den vergangenen Jahren hatten die Dortmunder stets erklärt, es gebe überhaupt keine Zielvorgabe.