Einen Titel hat der Sportklub Freiburg schon sicher. Vereinspräsident Fritz Keller wurde vom Restaurantführer Gault Millau gerade zum „Restaurateur des Jahres“ ernannt. Keller, Patensohn des legendären Weltmeisters Fritz Walter, betreibt in Oberbergen in der südbadischen Weinregion Kaiserstuhl den von der Fachpresse gefeierten Gourmettempel „Schwarzer Adler“. Eine ähnliche Aufmerksamkeit wie für seine Person würde er sich liebend gern auch für seinen Verein wünschen. Denn bislang nimmt von den überraschenden Erfolgen des Teams nur die kleine Fangemeinde Notiz.

Dabei läuft sportlich über die Maßen gut. Dass Freiburg heute als Tabellenvierter (21 Punkte) zum Spitzenspiel gegen Dortmund antritt, hätte der Mannschaft vor Monaten niemand zugetraut. Hatte der SC Freiburg in der Bundesliga doch das Image der grauen Maus vom abgestiegenen VfL Bochum übernommen. Außerhalb der badischen Landesgrenzen gibt es wohl fast niemanden, der mehr als zwei Namen aktueller Spieler kennt.

Dabei hat der Verein durchaus Tradition und steht für das gewisse Etwas. In den 90er-Jahren hatte die Mannschaft aus der Öko-Stadt, deren Spieler mit dem Fahrrad oder der Straßenbahn zum Training kamen, ihren besonderen Charme. Übergeordnete Identifikationsfiguren wie der fußballverrückte Trainer Volker Finke mit dem Brilli im Ohr und dem Strandkorb am Spielfeldrand oder ausgefallene Spieltypen wie der langhaarige Alain Sutter prägten das Bild der Breisgau-Brasilianer. Freiburg war die Bundesliga-Variante des Gallier-Dorfes aus den Asterix-Comics.

Auch spielerisch starteten sie eine kleine Fußball-Revolution. Mit kurzen Pässen, großer Laufarbeit, viel Enthusiasmus, aber wenig Geld wurde den etablierten Klubs manches Schnippchen geschlagen. Überliefert ist der Spruch von Dieter Hoeneß, damals Manager des VfB Stuttgart, den sie im Badischen als Kompliment auffassen durften: „Wenn Freiburg in der Bundesliga Erfolg hat, haben alle anderen etwas falsch gemacht.“

Offenbar ist das nun der Fall. Denn der Sportclub ist erfolgreich. Aggressives Pressing, hohes Zweikampfverhalten und starker Siegeswille sind die Attribute für ihre Spielweise, die in erster Linie auf einer starken Defensive fußt. Die Freiburger haben nicht die Qualität, um die Gegner mit Zauberfußball schwindelig zu spielen – und werden wohl deshalb nicht bundesweit gefeiert wie etwa Mainz 05. „Wir genießen es, in Ruhe arbeiten zu können und werden uns für eine Geschichte nicht vom Kirchturm abseilen“, sagt Trainer Robin Dutt und macht das Beste aus dem Standort-Nachteil, der bei einem Mini-Etat von 14,5 Millionen Euro keine Stareinkäufe gestattet.

Echte Schnäppchen finden sich heute, da Scouts ihre Netze rund um den Erdball ausgelegt haben, seltener als noch zu Finkes Zeiten. Mit Papiss Demba Cisse hat Freiburg trotzdem noch so einen wertvollen Trüffel aufgespürt. Für den Torjäger aus dem Senegal hat der Sportclub für seine Verhältnisse richtig tief in die Tasche gegriffen. Mit 1,5 Millionen Euro Ablöse ist Cisse der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte. Aber die Investition hat sich längst bezahlt gemacht. Mehr Tore als Cisse (10) hat in der Liga nur der Frankfurter Theofanis Gekas (11) geschossen. „Er ist ein völlig unkomplizierter Bursche und macht aus fast jeder Chance ein Tor“, lobt Kapitän Heiko Butscher.

Cisse soll nun helfen, Fußballfans bundesweit auf den Freiburger Geschmack zu bringen. Tore im Spitzenspiel am Samstag gegen Dortmund wären mithin hilfreich – und ganz im Sinne des Vereinschefs Keller. Der sagt: „Wir sollten etwas mehr sexy sein, ohne uns selber untreu zu werden. Wir sind immer skandalfrei durch die Zeit gekommen, und so soll es auch bleiben.“