Die Fans auf den Barrikaden, die Verantwortlichen offenbar mit ihrem Latein am Ende und die Spieler im Schockzustand: Nach einer der schlimmsten Niederlagen der Vereinsgeschichte brennt beim 1. FC Köln sechs Wochen vor Weihnachten der Baum, wie wohl auch die Mitgliederversammlung am Mittwoch zeigen wird.

Manager Michael Meier schloss nach dem peinlichen 0:4 (0:0) gegen den Erzrivalen Borussia Mönchengladbach und dem Sturz auf den letzten Tabellenplatz zwar einen eigenen Rücktritt ebenso aus wie den von Präsident Wolfgang Overath und eine Trennung von Interimstrainer Frank Schaefer, je nach Verlauf der Sitzung scheint aber weiterhin jedes Szenario denkbar.

Zwei Tage nach Karnevalsbeginn war den Kölnern schon am Samstag das Lachen vergangen. „Das war eine der schlimmsten Niederlagen seit Jahren und eine Beleidigung für die Fans“, sagte Nationalspieler Lukas Podolski selbstkritisch: „Man kann verlieren. Aber nicht in der Höhe und nicht auf diese Art und Weise.“ Dass man nun zur Tagesordnung übergehen kann, glaubt Podolski nicht: „Dieser Schock wird uns einige Zeit beschäftigen, das sitzt ganz tief.“

Den Frust der Fans spürten die Kölner Spieler direkt nach dem Schlusspfiff. Nachdem sie sich gerade aufgerappelt hatten und sich vor den Fans in der Kurve verabschieden wollten, schlugen ihnen so deutliche Pfiffe und eine solch offensichtliche Ablehnung entgegen, dass sie auf dem Absatz kehrt machten.

Meier glaubt dennoch, dass am Mittwoch „ein sachlicher Dialog“ möglich ist. „Dieser zuletzt so gebeutelte Verein braucht Ruhe, um in die Erfolgsspur zurückzukehren, und die Mitglieder sind keine Gegner, sondern Partner“, sagte der Manager. Unter den Fans formiert sich jedoch Widerstand gegen Vereinsboss Overath und den seit Wochen in der Kritik stehenden Meier.

Der gibt sich aber kämpferisch. „Dass wir uns kritischen Fragen stellen müssen, ist normal. Aber so weit ich weiß, treffen die Mitglieder keine Personalentscheidungen“, sagte Meier und stellte schon mal klar: „Ich persönlich mache weiter, weil man nicht beim ersten Gegenwind einknicken darf.“ Eine Amtsmüdigkeit bei Präsident Wolfgang Overath könne er „zum jetzigen Zeitpunkt nicht erkennen“.

Zudem versicherte Meier, dass der bisherige Interimstrainer Frank Schaefer auch in Stuttgart auf der Bank sitzen wird. Eine Zusage für eine dauerhafte Übernahme gab der Manager aber nicht. „Wir werden das in der besprochenen Form fortsetzen“, sagte Meier.

Dies bedeutet, dass Schaefer bis auf Weiteres Trainer bleibt. Doch auch der gebürtige Kölner wirkte tief ernüchtert. „Es wird unruhig werden“, sagte der 47-Jährige: „Das war ein Tiefschlag, der Folgeerscheinungen haben wird.“

Sein Kollege Michael Frontzeck, der ebenfalls einen Klub aus seiner Geburtsstadt trainiert, war dagegen erleichtert. „Für mich als gebürtigen Gladbacher ist das ohne Wenn und Aber etwas Besonderes“, sagte er nach einem „sensationell geilen Tag“ (Tobias Levels). Die Statistik war jedenfalls eindrucksvoll. Der höchste Sieg überhaupt seit achteinhalb Jahren (damals ein 4:0 gegen Köln), der höchste Auswärtserfolg seit 17 Jahren (damals - natürlich - ein 4:0 in Köln), erstmals in dieser Saison ohne Gegentor, nicht mehr Letzter - bei der Borussia herrschte nach dem Erfolg durch Tore des überragenden Raul Bobadilla (52./90.+1) sowie von Michael Bradley (70.) und Ivan de Camargo (82.) überschwängliche Freude.

„Auf dem Papier sind das drei Punkte - gefühlt sind es neun“, meinte Kapitän Levels, wurde jedoch vom Trainer zurückgepfiffen. „Wir sind immer noch Vorletzter und haben weiterhin schwere Wochen vor uns“, sagte Frontzeck.

sid/fb