Werder Bremens beinahe sieben fetten Jahre in der Champions League sind vorbei - Schmalhans ist jetzt Küchenmeister: Jetzt wollen und müssen die Hanseaten die mageren Bundesliga-Ergebnisse der vergangenen Wochen abhaken, sich schnell und dauerhaft verbessern. „Natürlich sind unsere Blicke schon länger auf Sonntag gerichtet“, sagte Abwehrchef Per Mertesacker nach der einkalkulierten 0:3 (0:2)-Niederlage bei Tottenham Hotspur. Und gab damit indirekt zu, selbst nicht so recht an das „Wunder von der Themse“ geglaubt zu haben.

Dann geht es am Sonntag (15.30 Uhr/Sky und Liga total!) im Nordderby gegen Aufsteiger FC St. Pauli darum, zumindest die sportliche Talfahrt im Liga-Alltag mit 0:10 Toren aus den letzten drei Spielen zu stoppen. In der Königsklasse hingegen besiegelte ein extrem ersatzgeschwächtes Rumpfteam mit einem Trio ohne jegliche Bundesliga-Erfahrung (Dominik Schmidt, Felix Kroos, Lennart Thy) den vierten und letzten Tabellenplatz in der Vorrundengruppe A. In der Vergangenheit hatten die Norddeutschen stets mindestens Rang drei erkämpft und damit das Überwintern in der Europa League sichergestellt.

Dass man an der Weser den Gürtel in der näheren Zukunft wohl enger schnallen muss, daraus machte Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs gar keinen Hehl: „Wir müssen jetzt mit noch spitzerem Bleistift rechnen. Ohne internationalen Wettbewerb würde sich der Kader und würden sich auch neue Verträge ändern.“ Vorwürfe an das Team gab es vom Sportdirektor jedoch nicht: „Von der Besetzung her war das ein Spiel zweier ungleicher Mannschaften. Diesmal war Tottenham nicht unsere Kragenweite.“

Gegen die selbstbewussten Londoner, die erstmals das Achtelfinale der Champions League erreichten, waren die Bremer ohne neun Leistungsträger vor 33.546 Zuschauern im Stadion White Hart Lane schlichtweg überfordert. Hätte Torhüter Tim Wiese nicht unter anderem einen Foulelfmeter des pfeilschnellen Gareth Bale abgewehrt (54.), es wären mehr Tore als die Treffer von Younes Kaboul (6.), Luka Modric (45.+1) und Peter Crouch (79.) gefallen. So aber blieb ein erneutes Debakel wie zuletzt in der Bundesliga beim VfB Stuttgart (0:6) und Schalke 04 (0:4) aus.

Thomas Schaaf jedenfalls sitzt nach dieser Partie nicht fester, aber auch nicht wackliger auf seinem Trainerstuhl. Die mitgereisten Fans feierten den Coach mit Sprechchören, der 49-Jährige bedankte sich bei ihnen dafür mit demonstrativem Beifall: „Eine solche Unterstützung freut einen natürlich. Ich richte weiterhin meine ganze Kraft darauf, konzentriert zu arbeiten. Alles andere kann ich nicht beeinflussen.“

Ein flammendes Plädoyer für den in die Schusslinie geratenen Fußballlehrer hielt Abwehrspieler Clemens Fritz: „Am Trainer liegt es nicht, er stellt uns immer gut ein. Wegen der vielen Ausfälle sind ihm nur im Moment die Hände gebunden.“

Was die personelle Situation angeht, deutet sich allerdings für die Partie am Sonntag eine leichte Entspannung an. Sicher ist die Rückkehr des gegen Tottenham gesperrten Mannschaftskapitäns Torsten Frings, auch Torjäger Claudio Pizarro dürfte wieder zum Einsatz kommen. Rechnen kann Schaaf wohl auch mit Marko Arnautovic und Mikael Silvestre.

Doch nach fünf Spielen ohne eigenen Treffer wollen die Hanseaten in der Offensive baldmöglichst nachrüsten. Allofs hat bereits seine Fühler nach dem 23 Jahre alten Brasilianer Ze Eduardo ausgestreckt. Der Stürmer des FC Santos soll für fünf Millionen Euro zu haben sein.

sid/fb