Schwimmen

Britta Steffen präsentiert sich locker wie nie

Schwimm-Olympiasiegerin Britta Steffen erreichte bei der Kurzbahn-EM in Eindhoven locker das Finale über 100 Meter. Die 27-Jährige zeigt sich gelöst und fröhlich.

Britta Steffen hat ein großes Herz. Seit Jahren engagiert sich die Schwimm-Olympiasiegerin für benachteiligte Kinder. Auch Not leidende Tiere haben es der Studentin angetan. So besuchte die Berlinerin in der vergangenen Woche noch Gut Aiderbichl, Europas größten Gnadenhof für Tiere in der Nähe von Salzburg, übernahm eine Patenschaft für ein Hängebauchschwein. Und das, obwohl sie sich bereits in der Konzentrationsphase für die Kurzbahn-Europameisterschaften in Eindhoven befand. Der Ausflug hat ihr freilich nicht geschadet, am Donnerstagabend qualifizierte sich Steffen souverän für das Finale über 100 Meter Freistil.

Für einen goldenen Auftakt sorgte ihr Freund Paul Biedermann, der seinen Titel über 400 Meter Freistil verteidigte. Der 24 Jahre alte Doppel-Weltmeister aus Halle/Saale gewann in 3:39,51 Minuten mit Weltjahresbestzeit. „Ich habe meine Ziele erreicht: den Titel verteidigt und mich für die WM qualifiziert“, sagte Biedermann. Ebenfalls die Goldmedaille gewannen Yannick Lebherz (Darmstadt) über 200 Meter Rücken in 1:51,74 Minuten, Markus Deibler über 200 Meter Lagen in 1:53,25 Minuten mit deutschem Rekord und europäischer Bestzeit, sein Bruder Steffen Deibler (beide Hamburg) über 50 Meter Freistil in 20,98 Sekunden, die Berlinerin Dorothea Brand über 50 Meter Brust in 30,40 Sekunden und zum guten Schluss auch noch die 4x50-Meter-Freistilstaffel in 1:33,40 Minuten.

Was Steffen in Eindhoven zu leisten im Stande sein wird, ist offen. Zu lang hatte die 27-Jährige in Wettkämpfen gefehlt. Das Comeback Ende Oktober beim Weltcup in Berlin war 15 Monate nach ihrem Doppel-Gold bei der WM in Rom noch ernüchternd verlaufen, bei den Deutschen Meisterschaften vor zwei Wochen in Wuppertal zeigte sie sich bereits verbessert und konstatierte forsch: „Ich bin zurück!“ Natürlich will Steffen um eine Medaille mitkämpfen. „Auf Gold zu spekulieren, wäre aber vermessen“, sagt Steffen nach nur acht Wochen intensivierten Trainings, das gegen die dominierenden Niederländerinnen wie Femke Heemskerk oder Marleen Veldhuis nicht ausreichen dürfte. Ihr derzeitiges Leistungsvermögen beziffert die Berlinerin auf „85 Prozent“. Auch ihr Heimtrainer Norbert Warnatzsch nimmt den Druck von seinem Schützling. „Wenn sie in Eindhoven noch nicht wieder auf dem Treppchen stehen sollte, wäre das normal. Wir können keine Wunder produzieren“, sagte Warnatzsch, „Britta ist aber wieder hochmotiviert. Und wenn sie etwas macht, dann richtig.“ Die Trainingsplanung sei allerdings auf die WM 2011 in Schanghai ausgerichtet.

Insgesamt aber präsentiert sich Britta Steffen locker wie nie. Die Beziehung zu Paul Biedermann tut ihr gut, sie wirkt gelöst und fröhlich, mit einem Lächeln gibt sie Autogramme. „Paul und ich liegen auf der gleichen Welle“, sagt Steffen, „Er gibt mir das Gefühl von Geborgenheit.“