Rekordlauf

Halbmarathon in Berlin - Die schönsten Eindrücke

Berlin präsentierte sich den Teilnehmern des Halbmarathons in diesem Jahr von seiner besten Seite. Reporter von Morgenpost Online waren an der Strecke.

10.43 Uhr, Breitscheidplatz: Gerlinde (61) und Ulrich Wagener (64) postieren sich an der Gedächtniskirche. Das Ehepaar ist aus Unna bei Dortmund angereist, um den in Potsdam lebenden Schwiegersohn anzufeuern. „Unser Berlin-Besuch zum Halbmarathon ist eine richtige Familientradition geworden“, sagt Gerlinde Wagener. „Und Berlin ist ja immer eine Reise wert.“

10.48 Uhr. Wittenbergplatz: Eine halbe Stunde werden die schnellsten Läufer bis hierher brauchen; die lokalen Größen etwas länger, normal. „Zuerst kommen eh die Afrikaner“, sagt einer. Nicken. Ja, das stimmt. Ein paar Zuschauer bringen ihre Fotoapparate in Position und fragen einander, wann denn wohl „Steffen, Jule, Jörg oder Martin“ hier passieren.

11.05 Uhr, Joachimstaler Str.: Mitglieder des Sportvereins „Cottbuser Laufsocken“ stellen sich an den Straßenrand. „Wir haben fünf Läufer am Start und möchten unsere Freunde anspornen“, sagt Dagmar Gerth (48). „Aber als Sportfreunde klatschen wir natürlich auch für alle Anderen.“ Spätestens zum Marathon wollen die „Cottbuser Laufsocken“ wieder nach Berlin fahren. „Die Atmosphäre hier ist einmalig“, so Gerth.

11.25 Uhr. Das Vordere Feld läuft vorbei. Ziemlich hohes Tempo. Selbst mit dem Fahrrad kommt man da kaum hinterher. „Viel zu anstrengend so was“, findet die Touristengruppe im angrenzenden Café. Anfeuern tun sie trotzdem. „Ist ja schön, dass was los ist.“ Es gibt Bier und Kuchen.

11.33 Uhr, Tauentzienstr.: Eine auffallende Idee hat Familie Leder aus Schöneberg. Alle sieben Angehörigen tragen ein selbstbedrucktes T-Shirt mit der Aufschrift „Lauf Marcel, lauf!“. „Wir unterstützen so meinen Mann“, sagt Lena Leder (30). „Um Stimmung zu machen, haben wir eine Rassel, eine Trommel und eine Triangel dabei.“ Und der Einsatz für Marcel Leder geht noch weiter: „Wir sind mit dem Fahrrad unterwegs und radeln die Strecke ab. Gleich geht es weiter zur Leipziger Straße“, sagt Lena Leder.

11.50 Uhr, Wittenbergplatz: Nicole Schönefeld (48) aus Schöneberg ist enttäuscht: „Ich glaube, ich habe meine Sportgruppe verpasst“, sagt sie. „Das Feld ist einfach zu dicht.“ Sie ist hergekommen, um Bekannte zu unterstützen. Von der Stimmung hatte Schönefeld mehr erwartet: „Die Leute sind etwas verhalten. Das kenne ich von Berlin gar nicht.“ Kurz vorher kam das Aus für eine Musikband am Platz – offenbar hatten sich Anwohner wegen Lärmbelästigung beschwert. Die Musikgruppe musste ihre Instrumente abbauen.

11.58 Uhr, Breitscheidplatz: Die Sektkorken knallen. Vier Schüler der Hotelfachschule Berlin haben ihre Klassenkameraden im Läuferfeld entdeckt und prosten ihnen zu. „Es macht großen Spaß, die Leute anzufeuern“, sagt Christiane Gutstein (27) aus Hohenschönhausen. Um Stimmung zu machen, hat sie eine Vuvuzela dabei. „Wir haben noch nie beim Halbmarathon zugeschaut, wollen aber nächstes Jahr auf jeden Fall wieder am Straßenrand stehen.“

12 Uhr: Die stampfende Laufmenge schiebt sich vor, hat die Hälfte des Halbmarathons gleich erreicht. Am Sophie-Charlotte-Platz mischen sich Hertha-Fans unter die Zuschauer, bevor es gleich zum Fußballspiel weiter geht. Neben der Samba-Gruppe Usambas wird mitgewippt, im Rhytmus dazu Anfeuerungsrufe. Die Leute haben richtig viel Spaß hier. „Schöne Musik. Ich bleibe und ruhe mich ein wenig aus“, sagt die 38-jährige Betriebswirtin Sonja, die nicht mehr laufen mag. „Ich habe wohl etwas zu wenig trainiert. Und dass es sich so heiß anfühlen würde heute, hätte ich auch nicht gedacht.“

12.05 Uhr, Kudamm: Louisa McDonnald (35) schwenkt eine große England-Fahne. Sie kommt aus Liverpool. „Meine Schwester und ihr Mann laufen mit. Wir sind extra für den Halbmarathon nach Berlin geflogen“, sagt sie. „Beide nehmen auch an Läufen in London und Rom teil“, so McDonnald. „Doch Berlin gefällt ihnen am besten, weil die Straßen hier sehr breit sind und sie direkt an den Sehenswürdigkeiten vorbeilaufen.“

12.15 Uhr. Kaiserdamm: Die 16-jährige Lisa wartet zusammen mit ihrem Freund Tom auf ihre Mutter Petra. Sie hält ein Plakat: „Go Mutti!“ Und bei dem jetzigen Tempo wird Mama bestimmt einen kurzen Blick draufwerfen können. „Hoffentlich haben wir sie nicht übersehen“, sagt Lisa und wird von Tom beruhigt. „Die kommt schon noch.“

Eine Läuferin verliert ihr Anti-Atomkraft-Fähnchen, da wird natürlich umgedreht, wieder geholt und weiter geschwenkt. Applaus. Die Anti-Atomkraft-Fähnchen am Straßenrand schwenken zurück. Überhaupt werden die Freizeitläufer jetzt viel mehr angefeuert, als noch zuvor die Schnelleren. Frage: Wer ist der Kurioseste Teilnehmer? Vielleicht der Bierbauchfreie? Jubelbilder.

12.25 Uhr: Es sind schon andere Körper unterwegs jetzt. Nun zählt das Entdecken der mitlaufenden Arbeitskollegen. „Hey, Fiete!“, ruft einer. Fiete hat eine überdimensionale gelbe Sonnenbrille und eine Packung Malboro in der Brusttasche. Er bleibt kurz stehen: „Hast du mal Feuer?“ Hat er. Guter Kollege. Die ersten Gehenden kommen, es geht zum Ende hin.

13.00 Uhr, Kudamm: Die achtköpfige Musikgruppe „Sambamba“ feuert die Läufer mit Trommeln an. „Die Stimmung ist klasse“, sagt Bandmitglied Jutta Fricker (40) aus Neukölln. Die Samba-Gruppe aus Berlin spielt jedes Jahr für den Halbmarathon. „Die Läufer freuen sich, dass wir für flotte Musik sorgen. Viele winken uns zu und schwingen ein bisschen ihre Hüften“, berichtet sie. „Die ganzen Stunden über zu trommeln geht auf die Arme, aber wir werden bis zum Schluss durchhalten.“

13.30 Uhr, Breitscheidplatz: Streckenposten Klaus Winkler (45) aus Rudow ist zufrieden: „Die Schaulustigen haben Spaß und die Läufer auch.“ Doch am Vormittag gab es mehrere Zwischenfälle: „Es gibt hier einige gefährliche Bodenwellen. Neun Inliner sind gestürzt, einer musste sogar vom Krankenwagen abgeholt werden.“