Nationalelf

Ein "Länderspiel light" könnte den Streit beenden

Vor dem Spiel gegen Australien ließ Uli Hoeneß den Streit zwischen DFB und Bundesliga-Klubs wieder aufleben. Dabei sind beide Positionen gar nicht unvereinbar.

Und nun zum Bundesliga-Wetter: Nach den örtlichen Trainer-Turbulenzen über Wolfsburg, Frankfurt und Hamburg hat sich über dem Tegernsee ein Tiefdruckgebiet namens „Uli“ gebildet. Starke Niederschläge sind bereits gemeldet worden. Sensible Personen werden aufgefordert, Ohrenschützer zu tragen, weil es durch Donnerschläge zu Ohrensausen und Kopfschmerzen kommen kann.

Ziel des Zorns von Uli Hoeneß ist diesmal die deutsche Nationalmannschaft. Speziell geht es dem grantelnden Präsidenten des FC Bayern München um das Testspiel gegen Australien, das das Team von Bundestrainer Joachim Löw am Dienstagabend 1:2 (1:0) verlor. Ein Trainingsspiel bei den Bayern, Team A gegen Team B, sei besser besetzt als ein Länderspiel gegen Australien, polterte Hoeneß und unterstellte dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) Profitgier: „So ein Spiel wird doch nicht gemacht, um zu testen, sondern weil es fünf Millionen Euro zu verdienen gibt.“ Löw konterte: „Im kommenden Jahr macht der FC Bayern vor der Europameisterschaft ein Spiel gegen die Niederlande. Da werde ich auch mal fragen, ob das Sinn macht.“

Es ist die neue Lesart eines alten Problems, der ewigen Konflikts zwischen Liga und Verband. Die Vereine, speziell Branchenprimus FC Bayern, empfinden ihre Verdienste als nicht ausreichend gewürdigt. Nach dem Motto: Während wir die Spieler auf unsere Kosten ausbilden, greift der DFB Ruhm und Länderspiel-Einnahmen ab und hält die Spieler zu oft von ihren Vereinen fern.

Der Fußballbund hält gute Argumente dagegen. Er verweist zum einen auf den Grundlagenvertrag, durch den die Profivereine an diesen Einnahmen partizipieren. Besonders aber unterstreicht er die Rolle der Nationalmannschaft als Motor des deutschen Fußballs und als Ziel vieler Jugendlicher. Nationalspieler wie Mesut Özil oder Sami Khedira hätten zudem ihre massive Marktwertsteigerung und den Wechsel zu Real Madrid kaum realisieren können, wenn sie nicht im DFB-Kader international vorgespielt hätten, betonte Teammanager Oliver Bierhoff.

Beide Positionen haben ihre Berechtigung, und sie sind keinesfalls unvereinbar. Die Nationalmannschaft als Spielerveredler, die Vereine als Ausbildungslager der besten Profis – es könnte eine prächtige Koexistenz der Säulen des Elitefußballs sein. Trotzdem gehen sich beide Seiten regelmäßig in Scheingefechten an den Kragen. Dass es immer wieder zum Zank kommt, liegt mehr an gekränkten Eitelkeiten denn an grundsätzlichen Problemen.

Dabei wäre der sportliche Sinn einer Testpartie wie der gegen Australien durchaus kritisch zu hinterfragen – allerdings anders als es Hoeneß tut. Bundestrainer Joachim Löw rief das Spiel als großes Experiment aus. Bis auf Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller und Lukas Podolski füllte er die Startelf mit acht Perspektiv- bzw. Ersatzspielern, entsprechend zusammengewürfelt sah es dann auch auf dem Feld aus. Dass Australien das Spiel gewann, geriet zur Randnotiz.

Vielmehr stellen sich Sinnfragen: Muss so ein Spiel wirklich in einem 46.800 Zuschauer fassenden Stadion ausgetragen werden, in dem 15.000 Plätze leer bleiben? Ist der Aufwand für eine Live-Übertragung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gerechtfertigt, wenn dem Spiel von vornherein jeglicher sportlicher Wert abgesprochen werden muss? Und: Wäre es nicht angebracht, für so ein Spiel die Eintrittspreise derart abzusenken, dass die Besucher sich bei spielerischen Defiziten nicht automatisch zu Pfiffen genötigt fühlen, weil sie sich um ihr Geld betrogen fühlen?

In Mönchengladbach kostete die günstigste Karte für einen Erwachsenen immerhin 20 Euro. „Die Karten sind nicht günstig, da müssen wir die Leute verstehen, die nicht kommen“, sagte Verteidiger Arne Friedrich. Angesichts der Vielzahl an Länderspielen ist eine gewisse Übersättigung des Publikums nicht zu leugnen. Ein leerer Oberrang im Borussia-Park ist ein Alarmzeichen, das im DFB nicht übersehen werden kann. Doch was ist die Lösung?

Den von der Liga nun schon mehrmals gewünschten Verzicht auf Freundschaftsspiele wird es nicht geben. Der Bundestrainer verweist auf seine Pflicht, auch Nachwuchskräften die Möglichkeit zu geben, sich auf internationaler Bühne zu beweisen. Und DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach betont, dass die Einnahmen aus Länderspielen dringend benötigt werden. Immerhin bestreitet der Verband 40 Prozent seines Etats aus dieser Quelle.

Wahrscheinlich muss der DFB über ein Modell für ein „Länderspiel light“ nachdenken. Mit Freistellungen für überstrapazierte Champions-League-Spieler, wie es jetzt in den Fällen von Mesut Özil, Sami Khedira und Philipp Lahm schon praktiziert wurde. Dann allerdings darf dem zahlenden Kunden auch nicht mehr eine vollwertige Veranstaltung vorgegaukelt werden.

Spiele in kleineren Stadien und mit moderaten Eintrittspreisen sind nötig. Dann würde wohl auch Uli Hoeneß schweigen. Den erinnerte Bundestrainer Löw nach dem Australien-Spiel übrigens an gemeinsam verbrachte Abende: „Ich glaube, wir haben auch mal Freundschaftsspiele gegen Bayern München absolviert: bei der Stadioneinweihung und beim Abschiedsspiel von Oliver Kahn.“