Schalke 04

Nicht nur bei Facebook hat Magath viele neue Freunde

Facebook-Offensive, Überraschungsbesuch bei Fanklub, Blumen für Spieler: Schalkes Trainer Felix Magath, der härteste Hund der Liga, zeigt seine sanfte Seite.

Die neutroneninduzierte Kernspaltung ist eine spannende Sache – jedenfalls für Atomwissenschaftler. Laienhaft ausgedrückt spalten dabei Neutronen ihr Nebenneutron in zwei oder mehr Teile, von denen jedes dann wiederum in der Nachbarschaft zum Spalten ansetzt und so ein Lawineneffekt einsetzt. Etwas Ähnliches ist derzeit bei Facebook zu beobachten. Das Internetnetzwerk bekam am Mittwoch ein neues Mitglied. Felix Magath meldete sich an, und seither ist die Zahl seiner „Follower“ ein Musterbeispiel für eine exponentielle Steigerung – wie bei den Neutronen.

Nach 24 Stunden hatten 6000 Facebook-User auf Magaths Seite den „Gefällt mir“-Button gedrückt, am Samstag war ihre Zahl auf das Fassungsvermögen der „Arena auf Schalke“ (61.600) gestiegen. Gestern näherte sie sich der Mitgliederstärke des FC Schalke an, die bei 90.000 liegt. Neben Magaths Popularität liegt der sprunghafte Anstieg am Facebook-Prinzip: Wenn jemand anklickt, dass ihm eine Seite gefällt, bekommen alle seine Freunde diese Meldung – und können ihrerseits auf „Gefällt mir“ drücken.

Die über 10.000 Kommentare unter Magaths ersten Einträgen zeigen ein unerwartetes Bild, denn die meisten sind Magath-freundlich. Damit war nicht zu rechnen, denn auf Schalke drohte in den vergangenen Wochen die Stimmung zu kippen. Am Montag hatte der Dachverband der Schalker Fanklubs in einem offenen Brief vom Aufsichtsrat verlangt, den „Irrsinn zu stoppen“. Gemeint war Magaths Wirken in Gelsenkirchen im Allgemeinen und seine jüngsten Transferaktivitäten im Besonderen. Gezielt wurde gegen Magath gearbeitet und versucht, die öffentliche Meinung zu steuern. Nun lenkt der Kritisierte gegen.

Magath hat eine Charmeoffensive gestartet. „Wegen der Emotionen und wegen der Fans bin ich nach Schalke gekommen, um mit Schalke ein Stück des Weges zu gehen und mit euch die Meisterschalen nach Gelsenkirchen zu holen“, sagte Magath in einer Videobotschaft auf seiner Seite und sprach von „Wir gegen den Rest der Welt“. Doch nicht nur auf Facebook umgarnt er die Anhänger.

Am Donnerstagabend tauchte er unangemeldet bei einem Fanklubtreffen auf. Die rund 30 Mitglieder des „Speldorfer S04-Stammtischs“ staunten nicht schlecht, als der 57-Jährige zur Tür hereinkam und zweieinhalb Stunden mit ihnen diskutierte. „Ein Fan hat mir dreimal versichert, dass er jetzt ein anderes Bild von mir hat“, sagte Magath anschließend.

Damit nicht genug: Gestern wurde auf der Vereinshomepage stolz verkündet, dass der Verein erfolgreich für die Fans eingesetzt bei der Uefa interveniert habe: Statt 55 Euro kosten die Karten für das Champions-League-Auswärtsspiel beim FC Valencia am Dienstag nun 33 Euro. Und vor dem Spiel gegen den SC Freiburg überreichte Magath seinem japanischen Verteidiger Atsuto Uchida einen Blumenstrauß, gratulierte ihm publikumswirksam zum Gewinn des Asien-Cups. Normalerweise bekommen Spieler von ihm Medizinbälle ausgehändigt.

Das beste Argument, die Fans wieder zu versöhnen, lieferten Magath und seine Mannschaft jedoch am Samstag ab. Das Spiel gegen Freiburg wurde nach überzeugender Leistung 1:0 (0:0) gewonnen. Das entscheidende Tor erzielte dabei ein Mann, der zuvor unter Magaths sinkender Popularität noch Limbo getanzt hatte. Seit Jefferson Farfan per Streik seinen Wechsel erzwingen wollte und dann ein Transfer zum VfL Wolfsburg platzte, weil der Peruaner vier Millionen von den 15 Millionen Euro Ablöse abhaben wollte, gilt er als Prototyp des Fußballsöldners.

Anders als seinem Trainer ist dem 26-jährigen Angreifer, der gegen Freiburg seinen dritten Saisontreffer erzielte, aber offenbar nichts an einer öffentlichen Imagekorrektur gelegen. Als die „Morgenpost Online“ ihn in der vergangenen Woche zu seinen Eskapaden befragen wollte, blockte er: „Der Trainer weiß, wie es war. Ihm gebe ich Erklärungen, ihm und den Leuten von Schalke. Er weiß alles, was passiert ist. Mehr will ich dazu nicht sagen.“ Als dennoch nachgehakt wurde, brach er das Interview ab: „Ich will über Fußball reden und nicht über Dinge aus der Vergangenheit, die damit nichts zu tun haben.“ Vielleicht sollte sich Farfan demnächst mal bei Facebook anmelden...