Abstiegsgefahr

Felix Magath packt in Wolfsburg die Medizinbälle aus

Nach dem unnötigen Remis gegen Stuttgart kündigt der neue Trainer in Wolfsburg eine harte Welle an. Indirekt kritisiert "Quälix" seine Vorgänger.

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Erst fällte Felix Magath ein vernichtendes Urteil über seine neue Mannschaft und übte Kritik an seinen Vorgängern, dann kündigte er in guter, alter „Quälix“-Manier die harte Welle an. „Es wird in den nächsten Tagen Konditionsarbeit anstehen, damit wir in zwei Wochen gegen Frankfurt in einem besseren Zustand sind“, sagte der Trainer des VfL Wolfsburg nach dem bitteren 1:1 (0:1) im Abstiegsduell beim VfB Stuttgart und setzte ein gefährliches Lächeln auf.

Normalerweise würde es vier Monate dauern, „bis die Mannschaft in einem Zustand ist, wie ich ihn gerne hätte und um im Abstiegskampf bestehen zu können“, führte Magath weiter aus: „Aber wir müssen das in zehn Tagen schaffen.“

Magath, 2009 mit den „Wölfen“ noch Sensations-Meister, schlug bei seiner Rückkehr nicht nur der Last-Minute-Ausgleich durch Georg Niedermeier in der vierten Minute der Nachspielzeit sichtlich aufs Gemüt. Vor allem die Verfassung seines VfL ist für den 57-Jährigen alarmierend. „Der Zustand der Mannschaft ist einfach schlecht. Körperlich ist da nichts drin“, schimpfte Magath und drohte: „Wir werden das beheben.“

Wolfsburgs Stars wissen, was ihnen in den kommenden Tagen bevorsteht: Medizinbälle und der „Berg der Leiden“ mit Sprintrampe und Treppe, den Magath in der Meistersaison errichten ließ. „Jetzt warten zehn harte Tage auf uns“, sagte Torjäger Grafite, der die Norddeutschen beim VfB in der 39. Minute in Führung gebracht hatte. Allerdings begrüßte der Brasilianer, einer von immerhin sieben deutschen Meistern in der Anfangsformation des VfL am Sonntag, die bevorstehende Quälerei: „Wir brauchen Kraft, deshalb ist es gut, dass wir Gas geben.“

Seine Kritik richtete Magath zwar nicht direkt an seine Vorgänger, doch jeder wusste, wen er mit seinen Attacken meinte: Steve McClaren und Pierre Littbarski, die den Absturz der Millionen-Truppe in den vergangenen Monaten zu verantworten hatten. Auch nach dem Remis in Stuttgart steht der VfL noch auf einem Abstiegsplatz.

Und Magath machte keine Hehl daraus, dass er die Lage des VfL, der in den letzten acht Spielen sechsmal verlor, „äußerst brisant“ sieht. „Natürlich mache ich mir ernsthafte Sorgen. Die Spieler sind technisch in Ordnung, glauben, dass sie besser sind als der Rest, aber sie haben noch nicht registriert, dass sie auf einem Abstiegsplatz stehen. Es muss erst einmal ins Bewusstsein der Spieler, dass sie die einzigen sind, die die Situation ändern können. Sie müssen den Abstiegskampf annehmen“, forderte er.

Dass er seine zuletzt harsch kritisierte Arbeitsweise nach seiner Blitz-Rückkehr zum VfL, zwei Tage nach seiner offiziellen Entlassung bei Schalke, ändern wird, schloss Magath indes aus: „Ich habe das nicht vor. Ich war mit meinen sogenannten Methoden letztes Jahr mit Schalke Vizemeister, die Mannschaft steht im Pokalfinale und im Viertelfinale der Champions League.“ Er könne die Kritik deshalb nicht nachvollziehen.

Doch Magath will nicht mehr zurückschauen. „Ich werde alles dafür tun, dass der VfL erstklassig bleibt.“ Möglicherweise gehört dazu auch, sich von Noch-Assistent Littbarski zu trennen. Er werde sich jetzt die Dinge anschauen, so Magath, „und dann wird die ein oder andere Entscheidung getroffen“.

Sollte dies alles nichts bringen, kündigte der ehemalige Meistercoach bereits an, mit Wolfsburg notfalls auch den bitteren Weg in die 2. Liga gehen zu wollen: „Meine Aufgabe ist auf zwei Jahre angelegt, damit es mit Wolfsburg wieder nach oben geht.“ Noch steckt der VfL mit 27 Punkten mitten in der Krise und im Keller. Nach der Länderspielpause ist deshalb im nächsten Abstiegsduell gegen Eintracht Frankfurt am 3. April ein Sieg Pflicht.

Auch beim VfB Stuttgart ist die Lage trotz zehn Punkten aus den letzten vier Spielen weiterhin prekär. Ein Zähler beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz, zwei auf Wolfsburg. Doch anders als beim gefrusteten VfL Wolfsburg herrschte beim VfB nach dem 1:1 eher Erleichterung vor, zumal der Ausgleich fast mit dem Schlusspfiff fiel.

Angesichts der Verletzungsmisere – während der Partie fielen auch noch Zdravko Kuzmanovic und Serdar Tasci aus - sprach Trainer Bruno Labbadia von einem Sieg der Moral: „Der Punkt ist Gold wert für uns. Da nehmen wir einiges mit.“ Der VfB muss nun am 2. April nach Bremen. Der Abstiegskampf geht in die entscheidende Phase.