Kolumne "Abschlag"

Japans Weltklassegolfer Ishikawa blutet das Herz

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Adrian Grosser

Foto: AFP

Wie Ryo Ishikawa die Katastrophe in seiner Heimat verfolgt: "Am liebsten würde ich ihnen persönlich vor Ort helfen, aber das würde wenig Sinn machen."

Es gibt Zeiten, da rückt der Sport im Allgemeininteresse nach hinten. Gab es in diesem Jahr bereits die verheerenden Überflutungen in Australien, so erreichen uns seit Tagen noch schlimmere Nachrichten über die aus den Fugen geratenen Naturgewalten und ihre Auswirkungen in Japan. Da sich nukleare Strahlung nicht regional begrenzen lassen kann, blickt die ganze Welt sorgenvoll nach Fernost. Die Japaner selber kämpfen zudem täglich mit den direkten Folgen des Erdbebens und Tsunamis. Diese Besorgnis erregende Situation geht auch an ihren prominenten Landsleuten im Ausland nicht spurlos vorüber.

Einer ihrer besten Sportler, der Weltklasse-Golfer Ryo Ishikawa, hat sich nun erstmals zu Wort gemeldet und versucht, seinen Landsleuten Mut zu machen. „Mein Herz blutet, wenn ich die schrecklichen Bilder im Fernsehen verfolge, am liebsten würde ich ihnen persönlich vor Ort helfen, aber das würde wenig Sinn machen.“ Der 19-jährige Teeniestar hält sich derzeit in den USA auf und spielt die großen Turniere bis zum Masters im April, auf die er im vergangenen Jahr wegen seines Schulabschlusses zum größten Teil verzichten musste.

Aufgewachsen ist Ishikawa nordwestlich von Tokio, 480 Kilometer entfernt von der Präfektur Miyagi, der am härtesten vom Tsunami getroffenen Region. „Ich telefoniere täglich mit meiner Familie, sie ist zum Glück in Sicherheit und ist froh, dass ich mich derzeit in Amerika aufhalte.“ Dennoch zeigt sich der schüchterne und eher introvertierte Jungstar in der Öffentlichkeit aufgrund der Situation in seiner Heimat ungewöhnlich offen, und er versucht, aus der Ferne zu helfen. „Ich werde noch härter trainieren und hoffe, mit einem Erfolg beim US Masters Anfang April zumindest aus sportlicher Sicht für positive Nachrichten zu sorgen und somit meinen Landsleuten Freude und Abwechslung zu verschaffen.“

Das Potenzial hierzu wird ihm von Experten bescheinigt. 2009 drang er als bis dato jüngster Spieler in die Top 50 der Weltrangliste vor, im Vorjahr lag er zur Halbzeit der US Open auf Rang zwei. Gleich nach dem Masters, so Ishikawa, werde er zum Saisonauftakt der japanischen Profitour anreisen. Mehr kann der populäre Golfer derzeit für seine golfbegeisterten Landsleute im Moment wohl tatsächlich nicht tun.

Trotz des geringen Flächenangebots sind im ganzen Land rund 2350 Golfplätze in Betrieb, deren Benutzung allerdings für die Masse des Volkes zu teuer ist. Umso beliebter sind die mehr als 500 öffentlichen Driving Ranges in den Großstädten. Auf mehreren Etagen können gleichzeitig hunderte Golfer Bälle in Netze oder auf Simulatoren schlagen.