Vertragsauflösung

Van Gaal muss die Bayern am Saisonende verlassen

Der Vertrag zwischen Louis van Gaal und Bayern München wird nach der Saison aufgelöst. Der Rekordmeister sucht nach einem neuen Trainer.

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Mehrere Medien berichten unabhängig von einander, dass der 59-jährige Holländer bis zum Ende der Saison bei Bayern München bleiben soll.

Video: Reuters
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Am Montag war Louis van Gaal noch immer der Trainer des FC Bayern München - und er wird er es auch bleiben. Allerdings nur noch bis zum Ende der laufenden Saison, das letzte Jahr seines erst im Herbst verlängerten Vertrags wird der Niederländer nicht erfüllen. Fünfeinhalb Stunden hatten die Vereinsoberen am Sonntag diskutiert, ohne van Gaal. Am trainingsfreien Montag dann folgte ein Gespräch von Karl-Heinz Rummenigge und Karl Hopfner sowie Sportdirektor Christian Nerlinger mit dem Trainer - Ergebnis: Trennung auf Raten.

Grund für die vorzeitige Auflösung des Vertrags zum Saisonende „ist die unterschiedliche Auffassung über die strategische Ausrichtung des Klubs“, hieß es diplomatisch korrekt in einer Stellungnahme des FC Bayern, unterzeichnet vom Vorstand, also Rummenigge und Hopfner, sowie von van Gaal. Nach dem ebenfalls noch trainingsfreien Dienstag wird der Niederländer am Mittwoch also wieder das Training leiten und versuchen zu retten, was in dieser verkorksten Saison noch zu retten ist. Der FC Bayern wird die laufende Saison mit van Gaal beenden - aber wohl auch nur, weil die Alternativen fehlen.

Der Ehrenpräsident hält das Vorgehen für sinnvoll. „Louis van Gaal hat sicher Fehler gemacht“, sagte Franz Beckenbauer der Bild-Zeitung, aber: „Er hat ja schon nachgewiesen, dass er ein hervorragender Trainer ist.“ Daher, sagte der „Kaiser“, sei ihm der eigenwillige Niederländer auch „allemal lieber als eine kurzfristige Notlösung“. Diese Notlösung wurde am Sonntag wohl diskutiert, zuletzt hielt sich das Gerücht, dass der Niederländer Martin Jol auf seinen Landsmann folgen könnte, am Montag wurde auch Matthias Sammer an der Säbener Straße gesichtet. Erst am 27. September hatte van Gaal seinen Vertrag beim FC Bayern verlängert.

Zu einem Schnellschuss am Sonntag wollten sich die Vereinsoberen nicht hinreißen lassen. Vielmehr beraumten sie für Montag ein Treffen mit van Gaal an. Vermutliche Grundlage des Gesprächs: Der Trainer bleibt - sofern er die Einsicht erkennen lässt, dass er zuletzt mit seinen Entscheidungen zum Teil arg danebengelegen hat. Die Trennung von Mark van Bommel, der Wechsel im Tor von Jörg Butt auf Thomas Kraft, die Verschiebung von Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller auf Positionen, die diesen nicht behagen, Winter-Zugang Luiz Gustavo als Linksverteidiger statt im Mittelfeld, dazu die ständigen Wechsel in der Abwehr - alles Entscheidungen, die zumindest diskussionswürdig sind.

Van Gaal gab seit Saisonbeginn in der Tat kein gutes Bild mehr ab. Den schwachen Saisonstart der Münchner erklärte er mit der hohen Belastung seiner zahlreichen WM-Teilnehmer, doch bereits in den zehn letzten Spielen der Saison 2009/2010 hatte der FC Bayern nur noch 18 Punkte geholt. Mehr und mehr wurde auch nach Beginn der Rückrunde deutlich: Die Abwehr der Münchner ist anfällig, ständiger Ballbesitz führt nicht zu Toren, die Offensive ist zu sehr abhängig von Franck Ribery und Arjen Robben. Und längst wissen die Gegner, wie sie die beiden ausschalten können. Ohne die 28 Treffer des zunächst ungeliebten Mario Gomez in 35 Pflichtspielen stünden die Münchner noch schlechter da.

Weiter mit van Gaal heißt aber auch: Der Niederländer ist ein Trainer auf Abruf. Der FC Bayern braucht Zeit, um einen geeigneten Nachfolger zu finden - vielleicht Jupp Heynckes, der seinen Vertrag bei Bayer Leverkusen noch immer nicht verlängert hat, der als Freund der „Familie“ gilt, der schon zweimal in München war. Zuletzt nach der Trennung von Jürgen Klinsmann im Frühjahr 2009, als er den Bayern wenigstens noch den zweiten Tabellenplatz und so die direkte Qualifikation für die Champions League sicherte. Möglich, dass dann auch die nun verworfenen Notlösungen als Dauerlösung ab dem kommenden Sommer wieder ins Gespräch kommen. Matthias Sammer etwa.

Fakt bleibt zunächst: Zum ersten Mal seit dem Herbst 2000 unter Trainer Ottmar Hitzfeld hat der FC Bayern drei Pflichtspiele nacheiander verloren - „der ganze Verein ist in einer kritischen Situation, weil das Mindestziel in Gefahr ist“, sagte Kapitän Philipp Lahm. Am Samstag empfängt der FC Bayern in der Bundesliga den Hamburger SV deshalb zum ersten von acht „Endspielen“ um den zweiten Platz, der aber schon sieben Punkte entfernt ist. Und bis zum dritten Platz, der wenigstens noch zur Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation berechtigen würde, sind es fünf Zähler. Am Dienstag nächster Woche steht dazu in der Champions League das Achtelfinal-Rückspiel gegen Inter Mailand an.

Der Trainer des FC Bayern hat viel zu tun: Wer immer es auch ist oder sein wird.