Vertragsauflösung

Bayern München will mit van Gaal die Saison retten

Der deutsche Rekordmeister trennt sich am Saisonende von Trainer Louis van Gaal. Zwei deutsche Trainer sind als Nachfolge-Kandidaten im Gespräch.

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Wegen der sportlichen Krise beim FC Bayern München muss Trainer Van Gaal zum Saisonende gehen.

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Das Medienaufgebot war groß und die Kapazität an Parkplätzen schnell erschöpft. In Erwartung einer weitreichenden Personalentscheidung hatten am Montagmorgen in München sieben Übertragungswagen an der Säbener Straße 50 Stellung bezogen. Allerdings fand das essenzielle Gespräch über Louis van Gaals Zukunft gar nicht in den Räumen des FC Bayern statt. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, Finanzvorstand Karl Hopfner und Sportdirektor Christian Nerlinger hatten den Trainer in ein Hotel bestellt, um mit ihm gemeinsam über ihn zu richten. Am Ende der Unterredung stand fest: Van Gaal bleibt nur noch bis Saisonende Trainer, danach wird der bis 30. Juni 2012 datierte Vertrag aufgelöst.

„In einem Gespräch mit dem Trainer haben wir die Situation analysiert und festgestellt, dass wir unterschiedliche Auffassungen über die strategische Ausrichtung des Klubs haben“, sagte Vorstandschef Rummenigge. Deshalb hätten sich beide Seiten darauf verständigt, „dass wir uns unter diesen Voraussetzungen nach der Saison trennen“. Rummenigge führte in einer kurzen Stellungnahme – bei der im Anschluss keine Nachfragen erlaubt waren – auf, dass der FC Bayern mit Tabellenplatz fünf und dem Aus im DFB-Pokal eine schwierige Situation zu meistern habe.

„Trotzdem sich die Wege trennen, sind wir uns einig, dass wir die Kräfte gemeinsam einzusetzen haben.“ Jeder in München wisse durch den Blick auf die Tabelle, dass es schwierig wird, sich bei einem Rückstand von sieben Punkten auf den Tabellenzweiten Bayer Leverkusen noch direkt für die Champions League zu qualifizieren. „Aber wir hoffen“, sagte Rummenigge, „dass uns das gelingt.“

Van Gaals Abschied ist also beschlossen. Nun wissen beide Seiten, wohin die Reise führt. Gut. Weniger gut ist, dass auch diese Reise noch gestört werden kann. Denn nun beginnt ein Tanz auf der Rasierklinge. Keine Frage, van Gaal kennt das Team bestens und hat längst nicht so viele Probleme mit seinen Spielern wie einst Jürgen Klinsmann. Der wurde in der Spielzeit 2008/2009 fünf Spieltage vor Saisonende gegen Jupp Heynckes ausgetauscht; zur Erfolglosigkeit hatten sich etliche Dissonanzen mit den Profis gesellt.

Und auch im Fall van Gaal es bedarf nicht eines Doktortitels, um zu erahnen, was passiert, sollte der Niederländer am Samstag das Heimspiel gegen den Hamburger SV verlieren. Der Aufschrei wäre groß und die Diskussion um den Trainer würde von vorn beginnen. Aber noch viel interessanter ist, was passiert, sollte van Gaal auf einmal die Kurve kriegen? Noch ist es möglich, sich direkt für die Champions League zu qualifizieren, geschweige denn, sie in dieser Saison zu gewinnen. Nach dem 1:0 im Achtelfinalhinspiel bei Inter Mailand haben die Münchner beste Chancen für das Weiterkommen.

So oder so: Die Bayern haben sich keinen Gefallen getan mit ihrem Entschluss. Offenbart er doch zwei Dinge: Erstens scheint van Gaal nur noch in Ermangelung einer Alternative im Amt zu sein. Zweitens herrschen bei den Bossen unterschiedliche Meinungen darüber, wie es mit dem Klub weitergehen soll. Ein Masterplan ist jedenfalls nicht erkennbar.

Wolfgang Holzhäuser, der Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, hat in Bezug auf die Spezies Trainer mal von einer „temporären Erscheinung“ gesprochen. Und sehr wohl sind Übungsleiter in ihrer Funktion genauso vergänglich wie Blumen. In München erhält nun ein Trainer den Laufpass, der in der vergangenen Saison noch hofiert wurde. Weil er zwei Titel (Meister, Pokalsieger) geholt und das Team bis ins Finale der Champions League geführt hat.

Doch spätestens seit Uli Hoeneß’ Attacke im Herbst 2010 („Er akzeptiert die Meinung anderer Leute nicht“) war klar, dass van Gaals Verweildauer in München nur begrenzt ist. Es war der Beginn der Demontage des Niederländers, der sich in der Folge nicht nur wegen seiner teils sturen Art angreifbar gemacht hat, sondern auch bezüglich seiner Entscheidungen im sportlichen Bereich. Bis heute gelang es ihm nicht, die Probleme in der Defensive zu beheben. Stattdessen traf er Personalentscheidungen, die kaum jemand nachvollziehen konnte. Sei es die Trennung von Mark van Bommel im Winter oder der völlig unnötige Torwarttausch mit Thomas Kraft für Jörg Butt.

Von Juli an soll nun ein neuer Trainer die Bayern wieder auf Touren bringen. Die Namen einiger Kandidaten sind bereits im Umlauf. Das Repertoire reichte am Montag von Martin Jol bis zu Matthias Sammer. Letzterer ist Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und wurde am Montagmittag schon in der Säbener Straße gesichtet – Sammer, dessen Familie in München wohnt, war zufällig mit dem Auto vorbei gefahren. Auch der Name von Jupp Heynckes wurde gespielt.

Der 65-Jährige persönliche Freund von Präsident Uli Hoeneß ist Trainer bei Bayer Leverkusen und hat seinen auslaufenden Vertrag noch immer nicht verlängert. Dies wird als Indiz gewertet, dass sich die Wege Ende Juni vielleicht trennen könnten. „Das ist unfair. Meine Entscheidung steht nicht im Zusammenhang mit der Entwicklung bei anderen Vereinen“, sagte Heynckes am Montag und ergänzte: „Die Verantwortlichen bei Bayer wissen, dass ich einfach noch etwas Zeit für meinen Entschluss brauche.“