Nur wenige Wochen vor dem ersten Hamburger Stadt-Derby seit mehr als acht Jahren am 18. September am Millerntor haben vermummte HSV-Hooligans im Bahnhof Altona Fans vom FC St. Pauli angegriffen. Unter ihnen war auch St.-Pauli-Schlussmann Benedikt Pliquett. Bei dem Überfall wurden drei Menschen verletzt. Die Polizei konnte mehrere Täter festnehmen. Es sind Anhänger des HSV, die bereits als Hooligans bekannt sind. Ermittler gehen davon aus, dass der Angriff geplant und gut organisiert war.
Mit dem ICE 292 waren am Sonntagabend etwa 50 Anhänger der Kiezkicker gegen 21.30 Uhr am Gleis 6 eingetroffen. Die Fans trennten sich. Eine Gruppe ging Richtung Ausgang Paul-Nevermann-Platz. „Es waren alles Fans der Kategorie A“, so ein Bundespolizist. So werden von der Polizei die Fußballanhänger eingestuft, die als reine, völlig harmlose Fans gelten. Was kurz vor dem Ausgang passierte, war ein brutaler, überraschender Angriff.
Knapp 20 Schläger maskierten sich und stürmten mit lautem Gebrüll auf die völlig unvorbereiteten Fans los, um sofort wild auf sie einzuprügeln. Dabei spielten sich dramatische Szenen ab. Eine Frau warf sich auf ihren Sohn, um ihn zu schützen. Auch Torwart Pliquett wurden angegriffen. Er war als letzter Spieler noch im Zug. Er wohnt in der Nähe des Bahnhofs, wollte nach Hause. „Eine auf mich geworfene Flasche flog knapp an meinem Kopf vorbei“, sagt er.
Drei Bundespolizisten, die eingriffen, ging ein Teil des Schlägertrupps sofort an. So deckten sie die anderen Schläger, die selbst noch auf bereits am Boden liegende St.-Pauli-Fans einprügelten und eintraten. Die Beamten setzten Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Über Funk riefen sie um Hilfe. Sieben Polizeiwagen rasten zum Bahnhof. 20 weitere Bundespolizisten rückten an. Bevor alle Kräfte eintrafen, flüchteten die Schläger wie auf ein Kommando. Trotzdem gelang es Polizei, drei der Angreifer festzunehmen. „Es handelt sich um 16, 19 und 26 Jahre alte Personen“, so ein Beamter. Alle werden den HSV-Supporters zugerechnet. Alle sind bei der Polizei bereits in der Datei „Gewalttäter Sport“ erfasst. Alle haben Dauerkarten des HSV dabeigehabt.
Auch vier von fünf im Rahmen der Fahndung gestellte Personen haben die gleiche Vita. „Sie wurden zunächst als Zeugen vernommen. Wir gehen aber davon aus, dass sie an diesem Angriff beteiligt waren.“
zv





