Morgenpost Online: Herr Asamoah, Sie besitzen in Hamburg ein Café. Fordern Ihre neuen Mitspieler von Ihnen kostenlosen Kaffee vor dem Morgentraining?
Gerald Asamoah: Nein. Aber mein Café ist jetzt noch voller, weil sie alle dorthin gehen. Und wer nicht kommt, wird im Training gefoult (lacht). Das Café betreibe ich nur nebenbei. Mein Beruf ist nach wie vor Fußballer.
Morgenpost Online: Warum verlässt ein routinierter Stürmer Schalke 04, um für einen Aufsteiger zu spielen?
Gerald Asamoah: Ich würde lügen, wenn ich sage, dass der Abschied mir nicht schwer gefallen ist. Ich war elf Jahre auf Schalke. Aber es war Zeit für etwas Neues. Und ich will wieder Spaß am Fußball haben. Auf Schalke habe ich zuletzt nicht mehr oft gespielt. Derzeit suche ich in Hamburg ein Haus. Ich wusste gar nicht mehr wie das ist mit den ganzen Besichtigungen.
Morgenpost Online: Mit Schalke haben Sie um die Meisterschaft gespielt. Jetzt geht es um den Klassenerhalt.
Gerald Asamoah: Ich bin selbst gespannt, wie das wird. Schließlich habe ich einen Abstiegskampf noch nie mitgemacht. Wir werden nicht so spielen können wie die Bayern. Die Jungs und ich müssen kratzen und beißen. Erst mal müssen wir in jedem Spiel die Null halten, dann sehen wir weiter.
Morgenpost Online: St. Pauli ist für viele mehr als ein Verein, es ist ein Lebensgefühl. Die Fans setzen sich gegen Rassismus ein und sind zum Teil gesellschaftlich aktiv. Spielen diese Faktoren eine Rolle? Oder geht es nur um Geld und die sportliche Perspektive?
Gerald Asamoah: Ich habe überlegt: Was passt am besten zu mir? Da fiel die Entscheidung sehr schnell auf St. Pauli. Was hier abgeht, ist in Deutschland einmalig. Als Spieler muss man im privaten Bereich mehr selbst organisieren als auf Schalke, aber das ist für mich kein Problem. Die Fankultur ist eine unglaubliche Motivation für mich.
Morgenpost Online: Statt Ersatz- sind Sie Führungsspieler.
Gerald Asamoah: Ich weiß, dass alle auf mich schauen. Ich werde den Mund aufmachen, wenn es nötig ist und Missstände intern ansprechen. Aber alleine kann ich nichts erreichen. Wir müssen als Mannschaft funktionieren.
Morgenpost Online: Kürzlich haben Sie Ihren Trainer Holger Stanislawski als zweiten Felix Magath bezeichnet.
Gerald Asamoah: Ja. Ich kenne Magath sehr gut. Stanislawski hat seine ganz eigene Art, ist ihm aber in gewisser Weise ähnlich, weil das Training unter ihm sehr intensiv ist. Er ist so hart wie Magath. Es ist wichtig, so stark es geht gefordert zu werden.
Morgenpost Online: Also konnten Sie den berühmten Medizinbällen durch Ihren Wechsel nicht entfliehen?
Gerald Asamoah: Doch. Die benutzt Stanislawski nicht so oft. Das finde ich aber gar nicht so schlimm.
Morgenpost Online: Was ist Ihr Ziel für Ihre erste Saison bei einem Aufsteiger?
Gerald Asamoah: Wir wollen in der Bundesliga bleiben. Ich sage jetzt nicht, dass ich 20 Tore machen muss. Aber ich will meinen Teil dazu beitragen, dass wir für die eine oder andere Überraschung sorgen.
Morgenpost Online: Am vierten Spieltag geht es gegen den Lokalrivalen Hamburger SV. Aus Ihrer Schalker Zeit haben Sie Erfahrung mit Derbys gegen Borussia Dortmund. Wird es gegen den HSV genauso hitzig?
Gerald Asamoah: Ein Derby bringt erst einmal richtig Spaß. Weil es um viel geht. Ob das mit Schalke gegen Dortmund zu vergleichen ist, kann ich erst nach dem Abpfiff sagen. Auf jeden Fall sind das besondere Spiele. Man wird beleidigt und beschimpft, das gehört eben dazu. Wichtig ist, dass nach dem Spiel alles vergessen ist und der gegenseitige Respekt bewahrt wird. Das gilt für die Spieler und die Fans.
Morgenpost Online: Vor vier Jahren gehörten Sie zum WM-Kader. Ist die Nationalmannschaft für Sie noch ein Ziel?
Gerald Asamoah: Nein. Ich bin jetzt 31 Jahre alt und will noch zwei bis drei Jahre Fußball spielen und alles für St.?Pauli geben. Schalke hat mir angeboten, danach im Verein eine Aufgabe zu übernehmen. Meine Zeit in der Nationalelf ist vorbei.
Morgenpost Online: Wie eng ist Ihr Kontakt den Nationalspielern?
Gerald Asamoah: Sehr eng. Vor allem mit Manuel Neuer spreche ich oft. Während des Turniers habe ich als Experte für die ARD gearbeitet und fast alle Spiele gesehen. Ich finde, dass der dritte Platz eine tolle Leistung ist. Nach dem Spiel habe ich Manuel gleich per SMS gratuliert.
Morgenpost Online: 2006 waren Sie in der Kabine der Nationalelf DJ und haben „Dieser Weg“ von Xavier Naidoo vor jedem Spiel aufgedreht. Haben Sie das perfekte Lied für die Minuten vor einem Heimspiel am Millerntor gefunden?
Gerald Asamoah: Noch nicht. Aber keine Sorge, ich bin auf der Suche.





