Zum Geburtstag bekommt man Geschenke. Fußball-Trainer nehmen am liebsten Punkte und so freute sich Louis van Gaal bei seiner Bundesliga-Premiere am 58. Geburtstag über den Schiedsrichter, der ein klares Hoffenheimer Tor übersah. So endete das vermeintliche Spitzenspiel zwischen 1899 Hoffenheim und den Münchner Bayern nach mittelmäßigen Leistungen 1:1 (1:1). Van Gaal urteilte streng. „Meine Mannschaft hat vergessen, in der ersten Halbzeit Fußball zu spielen. Mit der zweiten Halbzeit bin ich zufrieden, aber wir hätten gewinnen müssen.“
Die Rhein-Neckar-Arena zu Sinsheim war mit 30.500 Zuschauern erwartungsgemäß ausverkauft beim ersten Samstagabend-Spiel der Saison. Alle waren vor allem gespannt auf die neuen Bayern, auch wenn sie dem Ober-Bayern schon etwas zu neu waren. Notgedrungen nominierte Louis van Gaal eine Elf, die so in der Vorbereitung noch nie zusammen gespielt hatte. Für Dauer-Patient Franck Ribery agierte Alexander Baumjohann auf der Zehner-Position, Ivica Olic kam für den verletzten Miroslav Klose (Knochenhautentzündung) in den Sturm und in der Innenverteidigung stand Debütant Holger Badstuber für Martin Demichelis (Sprunggelenksverletzung).
Also sprach Präsident Franz Beckenbauer: „Es ist eine Mannschaft, an die man sich erst gewöhnen muss. Ich kann nur hoffen, dass sie erfolgreich sein wird.“ Der 11-Millionen-Transfer Anatoli Timoschtschuk mag dies mit gemischten Gefühlen gehört haben, saß er doch auf der Bank, was ihm erste Unmutsäußerungen entlockte.
Dass Manager Uli Hoeneß erstmals seit 30 Jahren nicht mal mehr auf der Bank, sondern nur noch auf der Tribüne sitzt, ist auch ein Kennzeichen der neuen Bayern, aber wirklich nicht van Gaals Schuld. Der Niederländer, der als erster Trainer seines Landes Deutscher Meister werden möchte und soll, sagte vor der Partie trotz der Personalsorgen: „In Hoffenheim werden wir sehen, wo wir stehen.“
Wenn dem so ist, sollten sie dort besser nicht stehen bleiben, sonst wird auch die Saison 2009/10 als eine ohne Titel in die Vereinschronik des Rekordmeisters eingehen. Von Dominanz, die im Regierungsprogramm van Gaals besonders groß geschrieben wird, war nicht viel zu sehen. Die erste Bestandsaufnahme vom ewigen Titelfavoriten: Die Abwehr ist nicht sattelfest, 35-Millionen-Stürmer Mario Gomez war kaum zu sehen und im Mittelfeld fehlt es an Kreativität und an einem Chef. Und wenn Ribery nicht dabei ist, fehlt er den Bayern auch weiterhin.
Nur Schiedsrichter Babak Rafati verhinderte mit einer krassen Fehlentscheidung, dass Bayern München nicht mit einem Rückstand in die Kabinen ging. Er und sein Assistent übersahen, dass der Kopfball vom Ex-Herthaner Joe Simunic vom Innenpfosten hinter die Linie geprallt war, ehe ihn Michael Rensing herausschlug (10.).
Van Bommel wie ein American Footballer
Auch ein Foul von Kapitän Mark van Bommel, der Vorsah die Schulter ins Gesicht rammte, übersah Rafati. Franz Beckenbauer nicht, sein Kommentar: „Das kenne ich eigentlich nur vom American Football. Das ist sein Spiel, er kann nicht anders.“
Aber es gab auch Gewinner bei den Bayern. Sie stammen aus Kroatien. Ivica Olic, der Neue vom HSV machte viel mehr Betrieb als Gomez und markierte das erste Münchner Saisontor, als er die Flanke von Landsmann Danijel Pranjic aus fünf Metern eindrückte (24.). Das 0:1 kam überraschend und hielt auch nicht lange vor: nach Flanke von Tobias Weis und Ablage von Vedad Ibisevic glich Chinedu Obasi aus 18 Metern aus (42.). Bundestrainer Jochim Löw, Augenzeuge des mittelmäßigen Spiels, wertete zur Pause: „Hoffenheim war leicht besser.“ An das Niveau der Duelle der Vorsaison kamen aber beide Teams und deshalb auch die Partie nicht heran. Sie hatte nach Wiederanpfiff etliche Durchhänger und keine Elf ließ erkennen, dass sie unbedingt gewinnen wollte. Bayern hatte die größeren Chancen, aber Gomez traf nur den Außenpfosten (64.), Baumjohann und Bastian Schweinsteiger scheiterten am aufmerksamen Timo Hildebrand (53., 61.). Danach trudelte die Partie ohne besondere Höhepunkte aus. Auch Hoffenheim ist noch ein gutes Stückchen entfernt von dem, was die Mannschaft im Vorjahr zu einer Sensation gemacht hat. Und so gilt nach dem gerechten 1:1 für beide: Willkommen in der Realität!
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