Morgenpost Online: Ihr Klub war vergangene Saison Hinrundenerster, landete am Saisonende aber nur auf Rang zehn. Welcher Tabellenlatz soll es nun werden?
Andreas Beck: Es macht keinen Sinn, eine Platzierung vorzugeben. Wir wollen weiterhin attraktiven und erfolgreichen Fußball bieten und am Ende besser abschneiden als im Vorjahr. Der Verein hat viel dafür getan und hochklassige neue Spieler verpflichtet.
Morgenpost Online: Einer ist Ihr Abwehrkollege Josip Simunic, der mit seinen 31 Jahren aus dem bisherigen Beuteschema „jung und unbedarft“ fällt.
Beck: Dies ist bestimmt auch Teil des Lernprozesses. Wie ein Wirtschaftsunternehmen braucht auch eine Fußballmannschaft gestandene Leute, die mit ihrer Erfahrung eine Gruppe führen können – gerade in der Abwehr ist dies wichtig. Simunic hat in der Vergangenheit die Höhe der Messlatte für Innenverteidiger mitbestimmt, und die war nicht gerade niedrig.
Morgenpost Online: Ansonsten konnten die Leistungsträger gehalten werden. Auch Stürmer Demba Ba ist noch da, der mit aller Macht nach Stuttgart wollte.
Beck: Demba weiß, dass er dem Verein mit seiner Vorgehensweise keinen Gefallen getan hat. Wir waren über sein Verhalten alle ein wenig überrascht. Aber er hat sich entschuldigt, bestimmt viel daraus gelernt, und wir haben ihn mit offenen Armen empfangen. In der Mannschaft bleibt nichts hängen. Wir sind jetzt vor allem hungrig und heiß darauf, von der Leine gelassen zu werden.
Morgenpost Online: Das erste Spiel hat es in sich. Ist es Ihnen recht, dass es gleich gegen den FC Bayern geht?
Beck: Gibt es einen guten Startgegner? Wahrscheinlich nicht. Natürlich sind die Bayern etwas Besonderes, und natürlich ist ein Heimspielstart etwas Besonders. Wir wollen sofort zeigen, was wir können. Und wir spielen, um diese Begegnung zu gewinnen. Vielleicht ist es unsere Chance, dass die Bayern viele neue Gesichter haben und ihr Gerüst noch nicht so gefestigt ist wie unseres. Wenn es so käme, wären die Bayern vielleicht doch ein guter Startgegner.
Morgenpost Online: Die Bayern suchen noch rechts hinten jemanden. Sie haben im Vorjahr Ribery ausgeschaltet, sind Nationalspieler. Wie wär’s?
Beck: Derzeit beschäftige ich mich überhaupt nicht mit einem Wechsel. Ich bin gedanklich und emotional ganz auf Hoffenheim und die neue Saison fixiert. Danach steht schließlich ein ganz besonderes Ereignis an, auf das jeder deutsche Spieler hinfiebert.
Morgenpost Online: Für das WM-Qualifikationsspiel am Mittwoch in Aserbaidschan wurden Sie nicht nominiert. Wie sehen Sie Ihre WM-Chancen?
Beck: Ich bin mit der U21 Europameister geworden und möchte nun den nächsten Schritt gehen – also regelmäßig für die Nationalmannschaft nominiert werden, um mir meinen Traum zu erfüllen: die Teilnahme an der WM 2010 in Südafrika. Das ist aber noch lange hin, und den Grundstein dafür muss ich in Hoffenheim legen.
Morgenpost Online: Auch die Qualifikation ist noch nicht gesichert. Das wichtigste Spiel findet im Oktober in Moskau statt. Wäre die Partie gegen Russland etwas Besonderes für Sie?
Beck: Natürlich, bei meiner Familiengeschichte. Die reicht zurück ins 18. Jahrhundert, als unsere Vorfahren nach Russland auswanderten. Die Zarin Katharina hatte damals Land für deutsche Bürger bereitgestellt. Mein Vater ist ein in Russland geborener Deutscher, meine Mutter ist Russin. Als die Mauer fiel, beschlossen sie, nach Deutschland zu gehen. Ich war damals drei.
Morgenpost Online: Wie waren die ersten Jahre?
Beck: Nicht einfach. Meine Eltern sind mit nichts außer zwei Taschen Kleidung und zwei Kleinkindern gekommen. Sie haben von Null ein neues Leben aufgebaut, angefangen mit dem Erlernen der Sprache. Anfangs haben wir in einem Wohnwagen gelebt, dann kam der erste Job für meinen Vater, die erste Wohnung. Ich habe großen Respekt vor diesem Schritt meiner Eltern, sie haben für mich und meinen Bruder sehr viel auf sich genommen. Es ist wichtig, ab und an inne zu halten und für gewisse Dinge dankbar zu sein.
Morgenpost Online: Haben die Russen je versucht, Sie für ihre Nationalelf zu gewinnen?
Beck: Die russischen Medien haben das Thema immer wieder mal aufgebracht, es gab aber keine direkte Anfrage. Vielleicht, weil ich immer wieder betont habe, dass ich mich als Deutscher fühle. Insofern würde es im Oktober auch zu keinem Gewissenskonflikt kommen. Wir wollen zur WM, also muss Russland besiegt werden.





