Ein erstes äußeres Zeichen, dass Bastian Reinhardt in seinem neuen Job als Sportchef angekommen ist, gab es auf dem Parkplatz vor dem HSV-Stadion zu sehen. Reinhardts Auto stand direkt neben dem Wagen von Vereins-Chef Bernd Hoffmann, aber rund 50 Meter entfernt vom Spielerparkplatz der HSV-Profis. „Ich bin sehr stolz, dass mir diese Aufgabe übertragen wurde“, sagte Reinhardt (34), der am vergangenen Donnerstag erstmals Kontakt mit dem Aufsichtsrat hatte.
Am Pfingstmontag wurde der bisherige Verteidiger schließlich mit 9:3 Stimmen von den Kontrolleuren ins Amt gehievt. Dass Bastian Reinhardt dabei nicht als Wunschlösung gilt, ist ihm ebenso bewusst wie egal. „Ich weiß, dass es einen anderen Top-Kandidaten gab (Nico Hoogma, d. Red.). Damit kann ich aber umgehen. Ich sehe die Aufgabe deswegen umso mehr als Herausforderung. Fakt ist: Ich habe jetzt den Job!“
In den vergangenen Monaten, als der gebürtige Mecklenburger wegen eines Mittelfußbruchs lange pausieren musste, hat er sich in verschiedene Bereiche des HSV eingearbeitet, unter anderem in die Presse-Abteilung. Im Nachhinein, so gibt er zu, war diese Verletzung sogar von Vorteil: „Es klingt vielleicht merkwürdig, aber ich bin für die Zwangspause nun sogar dankbar. Die Erfahrungen, die ich in der Zwischenzeit sammeln konnte, kommen mir hoffentlich zugute.“
Am 9. Mai, als sich die HSV-Mannschaft nach einer verkorksten Saison bei einem gemeinsamen Brunch voneinander verabschiedet hatte, klang das noch ganz anders. Reinhardt stand vor einer ungewissen Zukunft, spekulierte auf einen Vertrag in der U-23-Regionalligamannschaft des HSV und wollte unter dem neuen Sportlichen Leiter Urs Siegenthaler im Nachwuchszentrum lernen. „Ich hatte einen Karriereplan, der erst einmal zwei Lehrjahre vorsah.“
Nun ging alles viel schneller, und Reinhardt ist formal Siegenthalers Vorgesetzter. Bei der gemeinsamen Präsentation mit dem neuen Trainer Armin Veh, den der Vorstand mit einem Einjahresvertrag plus Option auf eine Verlängerung um ein weiteres Jahr ausstattete, fiel immer wieder das Wort „Team“. Als Team wollen Veh und Reinhardt mit dem Sportlichen Leiter Urs Siegenthaler die kommenden Aufgaben angehen.
Insbesondere bei Veh trifft die Konstellation auf offene Ohren. Als Nachfolger von Allesmacher Felix Magath fühlte er sich in der vergangenen Saison beim VfL Wolfsburg überfordert. „Ich hatte früh darauf hingewiesen, dass ich Unterstützung brauche. Ehe die kam, war es für mich zu spät.“ Veh wurde entlassen – mittlerweile haben sich die Niedersachsen – ähnlich wie der HSV – breiter aufgestellt.
Eine gewisse Aufgabenteilung bezeichnet Armin Veh dennoch als unabdingbar. Angesprochen auf die Ankündigung des Vereins-Vorstands, Urs Siegenthaler solle die Fußball-Philosophie im HSV vorgeben, verdeutlichte der neue Cheftrainer: „Die Philosophie der Bundesliga-Mannschaft gebe ich vor.“
Und Armin Veh hat ganz speziell ein gutes Gefühl, wenn es um Bastian Reinhardt geht. Schon bei seiner erfolgreichsten Station in Stuttgart (Deutscher Meister und Pokalfinalist 2007) hatte Veh mit Horst Heldt einen jungen Sportchef, quasi einen Neuling, an seiner Seite: „Heldt war auch ein junger Manager. Ich wüsste nicht, warum es mit Basti in Hamburg nicht klappen sollte. Wir alle im sportlichen Bereich wollen mehr junge Leute herausbringen.“
An Selbstvertrauen mangelt es Reinhardt dabei nicht. „Ich habe zwei Mal mit dem Aufsichtsrat gesprochen, anscheinend war ich überzeugend. Sonst wäre ich nicht gewählt worden.“ Reinhardt fügte an, dass ein Sportchef schon in der vergangenen Saison einiges hätte retten können. Den Druck vom Trainer nehmen, als Bindeglied zwischen Mannschaft, Trainer und Vorstand vermitteln sowie Probleme im Ansatz erkennen, meint Reinhardt. „Ich denke, wir wären in der vergangenen Saison mit einem Sportchef erfolgreicher aufgestellt gewesen.“
Eine erste erfreuliche Personalie garnierte den Tag im HSV-Stadion. Stürmer Paolo Guerrero hat seinen auslaufenden Vertrag bis 2014 verlängert. „Darüber freue ich mich sehr“, sagte Armin Veh. „Guerrero ist ein ganz wichtiger Spieler, der in seiner Entwicklung noch weiterkommen kann.“
Mittelfeldspieler Ibrahim Afellay (PSV Eindhoven) soll in den kommenden Tagen als erster neuer Spieler dazukommen. Eine Ablöse von neun Millionen Euro ist bereits ausgehandelt. Vor allem sucht der HSV nach dem Weggang von Jerome Boateng dann noch einen Innenverteidiger. „Ich stehe nicht mehr zur Verfügung“, sagte Ex-Abwehrspieler Bastian Reinhardt.





