Die Resonanz auf die personellen Weichenstellungen der vergangenen Tage beim HSV war verheerend. Armin Veh neuer Trainer, Bastian Reinhardt neuer Sportchef – das sportliche Führungstrio wird vervollständigt vom Schweizer Urs Siegenthaler, der sein Amt in Hamburg am 1. August antreten wird. Ehemalige Spieler, Fans, Berichterstatter sind sich seit der Inthronisierung des gescheiterten Trainers des VfL Wolfsburg und des Praktikanten der Pressestelle, wie deren Vita oft knapp zusammengefasst wird, einig: Toll ist diese Lösung nicht. „Die Reaktionen sind der Situation geschuldet“, erklärt Trainer Veh gelassen.
Die vergangenen Krisenmonate und die Posse bei der Sportchefsuche haben Spuren hinterlassen, die – da ist sich Veh sicher – auch schnell wieder verwischen können. „Das Geschäft ist aufgeregter geworden. Entscheidend ist doch, was am Ende rauskommt. Und da wollen wir im Team gut zusammenarbeiten.“ Konkret wird diese Zusammenarbeit in der kommenden Woche an Fahrt aufnehmen, wenn sowohl Veh als auch Siegenthaler zu Gesprächen in Hamburg erwartet werden. Dann soll auch im Detail geklärt werden, wie genau die Aufgabenbereiche definiert werden.
Klar ist, dass Bastian Reinhardt formal die Mütze aufhat. Der 34 Jahre alte Sportvorstand ist den erfahreneren Mitstreitern vorgesetzt, wird diese Karte in letzter Konsequenz aber kaum ausspielen. Schon bei seiner Präsentation hatte er mehr als angedeutet, dass er sich als Mittler zwischen Spielern, Trainer und Vorstand sieht.
Der starke Mann in der sportlichen Führung des Vereins bleibt allerdings Urs Siegenthaler. Bislang wurden schon alle wichtigen Entscheidungen vom HSV-Vorsitzenden Bernd Hoffmann mit dem Schweizer abgestimmt. So hat sich Siegenthaler auch ausdrücklich für Veh ausgesprochen, und zwar keineswegs nur deswegen, weil Vehs Frau ebenfalls Schweizerin ist.
Die Spielphilosophie der Bundesliga-Mannschaft aber, darauf hat der Trainer deutlich hingewiesen, werde von ihm vorgegeben. Die Ausrichtung des Vereins, der Nachwuchsmannschaften bis hin zu den Verpflichtungen neuer Spieler, läuft über Siegenthalers Schreibtisch. Veh unterstützt dieses Modell im Grundsatz: „Ein Trainer allein kann Transfers nicht verantworten. Sonst gibt es bei jedem neuen Trainer acht neue Spieler.“
Dass Bastian Reinhardt bei dieser Rollenverteilung zu kurz kommen könnte, wird von einem ehemaligen HSV-Trainer bestritten. In einem Interview mit Sport1 sagte Huub Stevens, der gerade mit Red Bull Salzburg österreichischer Meister geworden ist: „Es kann sehr gut zusammenpassen mit Siegenthaler und ,Basti‘. Der HSV hat das Potenzial, oben mitzuspielen.“
Viele Zugänge werden die Fans des HSV in der neuen Saison nicht sehen. Drei oder vier Leute, insbesondere für die Defensive, sollen noch kommen, wenn der geplante Deal mit dem niederländischen WM-Teilnehmer Ibrahim Afellay über die Bühne geht. Der HSV ist sich mit dem PSV Eindhoven über die Ablöse von neun Millionen Euro einig. Es fehlt weiter die Unterschrift des Spielers. „Aus einer anderen Richtung habe ich gehört, dass Afellay nicht zum HSV wechseln möchte, sondern einen großen Verein sucht“, sagt dazu Stevens.
Ein chronisches Minenfeld beim HSV ist erst einmal entschärft worden. Der Aufsichtsrat hat seine Generalaussprache nach einem Jahr voller Pleiten, Pech und Pannen vertagt. Erst wenn alle zwölf Räte in Hamburg sind, wird weiter debattiert. Rücktritte des Vorsitzenden Horst Becker sowie des enttäuschten Sergej Barbarez, dem seine eigenen Kollegen den Posten des Sportvorstands nicht zugetraut hatten, könnten folgen.





