Der Mutmacher des Tages für Bayern München vor dem Gastspiel in Lyon kam ausgerechnet aus der Heimat. Statistiker der TU München räumen in einer Studie nämlich mit dem Mythos auf, dass diejenige Mannschaft in den Rückspielen der K.o.-Runden der einen Nachteil hat, die auswärts antritt. Vielmehr kommen seit 1994/95 sogar drei von vier Teams weiter, die zuerst Zuhause gespielt haben – so wie die Münchner also. Die Erfolgswahrschein

Eindrucksvoll bewies der deutsche Fußball-Rekordmeister am Dienstagabend, wie Recht die Statistiker haben. Dank des souveränen 3:0 (1:0) zog Bayern München erstmals seit 2001 ins Finale der Champions League ein, das am 22. Mai in Madrid stattfindet. Die Tore zum verdienten Erfolg erzielte allesamt Ivica Olic (27., 67. und 77. Minute). Im Hinspiel hatte München mit 1:0 gesiegt.

„Ich habe nicht geglaubt, dass wir so deutlich gewinnen. Drei Tore in so einem Spiel ist überragend. Wir haben alle gemeinsam gut gespielt und ich musste alle drei Tore machen. Ich habe gedacht, Manchester war das Spiel meines Lebens, aber jetzt das Halbfinale war wieder so ein großartiges Spiel“, sagte der Matchwinner.

„Es ist großartig, dass wir im Finale stehen. Wir haben die letzten Spiele Großartiges geleistet. Bayern kann jede Mannschaft schlagen, deswegen sind wir hier. Ich hoffe, dass Jose Mourinho das Finale erreicht, ich habe aber auch eine Bindung zum FC Barcelona“, freute sich Trainer Louis van Gaal.

Und Präsident Uli Hoeneß sagte: „Das war fast Fußball in Vollendung. So etwas habe ich von Bayern München in einem wichtigen Champions-League-Spiel lange nicht gesehen. So, wie wir gespielt haben, ist unglaublich. Wir wollen dieses Ereignis ein wenig genießen.“

Die ersten aufschlussreichen Momente hatte es bereits vor dem Anpfiff bei der Verkündung der Mannschaftsaufstellung gegeben. Von Rumpfkader und Notaufstellung war im Vorfeld die Rede gewesen, weil die Bayern mit einer maladen Defensivabteilung nach Lyon gereist und die gesperrten Franck Ribery und Danijel Pranjic gleich ganz in München geblieben waren, und weil Trainer Louis van Gaal im Abschlusstraining nur mit zwölf Feldspielern übte.

Von einem Wettlauf mit der Zeit hatte van Gaal bei der Genesung seiner Innenverteidiger Daniel van Buyten und Martin Demichelis gesprochen, und in beiden Fällen gewannen sie ihn: Während van Buyten in den ersten 45 Minuten zum Einsatz kam, ersetzte ihn Demichelis in den zweiten 45. Den Part des Argentiniers in der ersten Hälfte übernahm Holger Badstuber (21), flankiert vom erst 19-jährigen Diego Contento, der im Hinspiel sein Champions-League-Debüt gegeben hatte. „Die größere Herausforderung wird sein, hinten zu null zu spielen“, hatte Bastian Schweinsteiger im Vorfeld doziert. „Vorne werden wir unser Tor machen. Hinten ist der schwierigere Part.“

Im Angriff vertraute van Gaal außerdem auf Thomas Müller und Ivica Olic, die gestern nach zwei Spielminuten in Kooperation beinahe schon das 1:0 erledigt hätten. Im Mittelfeld wirbelte neben Bastian Schweinsteiger, Mark van Bommel und Arjen Robben, dem Siegtorschützen aus dem Hinspiel, auch Hamit Altintop. Er ersetzte Ribery auf dessen Position – und tat das von Beginn an mit bemerkenswertem Verve, was unter anderem in einen feinen Pass auf Olic vor dem 2:0 mündete. Ein kluger Schachzug von van Gaal, wie sich schnell herausstellte.

Eigentlich wäre der affärengeplagte Ribery ja auch gern mit nach Lyon gereist – trotz seiner Roten Karte aus der Hinpartie, die ihn zumindest das gestrige Rückspiel verpassen ließ. Doch „man hat ihn gebeten zu bleiben und gut zu trainieren“, sagte Klubpräsident Uli Hoeneß „Bild“, denn: „Er muss am Samstag gegen Bochum die Kohlen aus dem Feuer holen, wenn die anderen kaputt sind.“

Dass sie auch ohne ihren Spielgestalter nicht nur bestehen, sondern gar glänzen können, bewiesen die Bayern in diesem Halbfinale. Den teils überforderten Franzosen ließen sie in der ersten Spielhälfte kaum Spielanteile, standen in der Defensive bis auf wenige Ausnahmen sicher, und nach vorn gingen sie immer wieder zu gefährlichen Gegenangriffen über. Einen davon nutzte Olic nach Vorarbeit von Strumkompagnon Müller: Aus acht Metern traf er aus der Drehung zum 1:0.

Spätestens als Lyon nach der Gelb-Roten Karte gegen Cris ab der 59.?Minute – im Anschluss an ein Foul hatte der Brasilianer dem Schiedsrichter höhnisch Beifall geklatscht – nur noch mit zehn Mann spielte, schien die Partie endgültig gelaufen. Drei Tore hätte Lyon an diesem Abend wohl nie mehr geschossen – zumindest nicht gegen diese Bayern mit Ivica Olic. Das i-Tüpfelchen auf seine Leistung setzte der Kroate mit seinem Kopfballtor zum 3:0 nach Flanke von Philipp Lahm.

Die Münchner haben den Final-Einzug ihrenm Mitspieler Anatolij Timoschtschuk und dessen Frau gewidmet. „Jetzt kann ich es sagen: Bei seiner Frau Nadeschda ist im sechsten Monat die Fruchtblase geplatzt. Beide Kinder sind gefährdet. Wir hoffen, dass alles gut geht“, sagte Präsident Uli Hoeneß dem Pay-TV-Sender Sky.Timoschtschuk war nicht mit nach Lyon geflogen. Zunächst hatte der FC Bayern ein Magen-Darm-Problem als Grund für das Fehlen genannt.

sid/fb