Ranking

Berlin ist nur noch zweitbeste Sportstadt

Berlin ist nicht mehr Deutschlands Sportstadt Nummer eins, sondern muss den Titel für das Jahr 2010 abgeben. Zu diesem Ergebnis kommt das jährlich durchgeführte Ranking des Hamburgischen Weltwirtschafts-Instituts (HWWI).

Berlin ist nur noch Deutschlands Sportstadt Nummer zwei. Auf Platz 1 rangiert nun die Hansestadt Hamburg. Dies ist das Ergebnis des seit 2007 jährlich durchgeführten Sportstädterankings des Hamburgischen Weltwirtschafts-Instituts (HWWI), das Morgenpost Online exklusiv vorliegt.

Entscheidend für den Rückfall auf den zweiten Platz im Jahr 2010 ist erwartungsgemäß der Abstieg von Hertha BSC aus der Fußball-Bundesliga. Da der Fußball im Vergleich zu Handball, Eishockey und Basketball die bei weitem größte Bedeutung besitzt und in der Studie auch entsprechend stark gewichtet wird, wiegt es besonders schwer, dass die Hauptstadt hier nicht mehr in der höchsten Spielklasse vertreten ist, während Hamburg mit dem HSV und dem FC St.Pauli gleich doppelt am Ball ist. „Aber auch im Eishockey und im Basketball fehlte es den Berliner Mannschaften 2010 an den Erfolgen der Vergangenheit“, erläutert der Autor des Rankings, Professor Henning Vöpel vom HWWI.

Allerdings auch in der Kategorie der Sportevents konnte Berlin trotz seines Sieges nicht mehr so stark punkten wie etwa 2009 mit der Leichtathletik-WM, so dass es hier nur noch einen relativ geringen Vorsprung vor Köln und Hamburg gab.

Doch Besserung und die Aussicht auf einen Gesamterfolg 2011 ist ja schon in Sicht. Die diesjährige Turn-Europameisterschaft wird sich mit Sicherheit positiv auf das Ranking auswirken, ebenso das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen. Der Marathon und das Istaf waren und bleiben zudem Ereignisse von großer und auch internationaler Bedeutung. Darüber hinaus ist die O2 World potenziell immer ein geeigneter Austragungsort für populäre Weltmeisterschafts-Kämpfe im Profiboxen und damit praktisch schon ein Garant für Punkte im Ranking. Gleiches gilt für künftige Erfolge der in dieser Saison so starken Füchse-Handballer. Wie das Ranking zeigt, konnte Kiel allein dank des Meistertitels und des Sieges in der Champions League des THW bundesweit auf Platz vier in der Kategorie Profisport vorstoßen. „Handball ist ein zunehmend populärer Sport in Deutschland. Aber es ist natürlich schwer, nur mit Erfolgen im Handball den Ruf als Sportmetropole zu verteidigen“, sagt Vöpel auf die Frage, ob die Füchse mit künftigen Titeln etwa Herthas Zweitklassigkeit im Fußball kompensieren könnten.

Im Vergleich zu den Vorjahren berücksichtigte das HWWI diesmal nur die Kategorien Profisport und Sportevents und ließ die Bereiche Breitensport und Infrastruktur außen vor. „Diese beiden Kategorien werden wir nur noch alle fünf Jahre in das Ranking einbeziehen. Denn die Erfahrung hat gezeigt, dass es hier von einem Jahr zum anderen jeweils nur sehr wenige Veränderungen gibt“, erklärt Vöpel. In den vergangenen Jahren hatte Berlin bei der Infrastruktur immer sehr gut, beim Breitensport aber schwach abgeschnitten.

Vöpel empfiehlt den Verantwortlichen in der Hauptstadt, sich weiter für internationale Großereignisse zu bewerben, auch wenn dies oft ein kostspieliger Wettbewerb ist. „Berlin hat auch international ein besonderes Image. Zugleich ist Deutschland als Sportmarkt sehr wichtig. Insofern geben internationale Verbände ihre Großereignisse gern an Berlin. Andererseits braucht Berlin – wie jede andere Weltmetropole – immer wieder solche Events, um in dieser Liga mitzuspielen“, sagt er.

In diesem Zusammenhang könnte auch eine erneute Bewerbung für Olympische Sommerspiele wieder zum Thema werden – entweder sehr bald nach einem Scheitern Münchens für die Winterspiele 2018 oder im Erfolgsfall nach einer angemessenen Wartezeit. Dabei gibt Vöpel aber zu bedenken: „Das Wiedervereinigungsmotiv verliert ja immer mehr an Überzeugungskraft. Wenn man es noch einmal versuchen will, sollte man einen anderen Kontext wählen, etwa Integration und Nachhaltigkeit.“