Radsport

Tour de France soll ans Brandenburger Tor kommen

Bereits vor 24 Jahren fand der Tour-de-France-Auftakt in Berlin statt. Jetzt entscheidet der Senat, ob sich die Stadt erneut als Etappe für das legendäre Radrennen bewirbt. Das Jahr 2017 hätte dabei besonderen Charme.

Das Ergebnis der diesjährigen Tour de France steht seit vergangenem Sonntag fest: Mit Cadel Evans hat erstmals ein Australier das weltberühmte Radrennen quer durch Frankreich gewonnen. Am heutigen Dienstag soll eine weitere Entscheidung fallen: Berlins Sport-Staatssekretär Thomas Härtel hat am Montag mit den Tour-Veranstaltern ASO in Paris „Sondierungsgespräche“ darüber geführt, ob bei einem künftigen Rennen auch eine Etappe durch die deutsche Hauptstadt führen soll. Das bestätigte Nicola Rothermel-Paris, Sprecherin der Senatsverwaltung für Inneres und Sport auf Nachfrage.

Dass die Franzosen Interesse daran haben, die Tour in Berlin starten zu lassen, kann bereits als gesichert gelten: Mitte Juni war eine Delegation der Veranstalter in der Hauptstadt, um sich nach geeigneten Schauplätzen für das Renn-Spektakel umzuschauen. Das Ergebnis dieser Prüfung ist offenbar positiv ausgefallen: Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wurde zum Zieleinlauf der diesjährigen Etappe nach Paris eingeladen, hatte diese Einladung jedoch an den Sportstaatssekretär weitergereicht, der nun stellvertretend die Möglichkeiten eines Tourstarts in Berlin ausgelotet hat.

Anders als der Sieg des Australiers Evans wäre dies jedoch keine Premiere: Bereits vor 24 Jahren fand der Tour-de-France-Auftakt in der damaligen Mauerstadt West-Berlin statt. Anlass war die 750-Jahr-Feier Berlins. Nach dem Prolog, einer kurzen Etappe innerhalb der West-Sektoren und einem Mannschaftszeitfahren auf dem Kurfürstendamm wurde der gesamte Renn-Zirkus nach Karlsruhe geflogen. Von dort aus radelte der Tour-Tross in zwei weiteren Etappen nach Frankreich weiter. Wann die Tour nach Berlin zurückkehren könnte, ist noch offen. In der Diskussion sollen aber die Jahre 2016 oder 2017 sein.

Das Jahr 2017 hätte dabei besonderen Charme: Die 104. Tour de France käme dann exakt 30 Jahre nach dem Auftaktrennen 1987 in die deutsche Hauptstadt zurück. „Wir warten ab, mit welchen Informationen der Staatssekretär aus Paris zurückkehrt und werden erst dann an die Presse gehen“, so Rothermel-Paris. Im kommenden Jahr wird es mit dem Tourstart in Berlin ohnehin nichts, denn der Startpunkt steht bereits fest. Der Auftakt des kommenden Renn-Spektakels wird in der belgischen Stadt Lüttich gefeiert. Erst Ende des Jahres wird die zuständige Tour-Organisation ASO dann offiziell den Startort für 2013 verkünden.

„Die Tour de France in Berlin, das wäre ein enormer Imagegewinn für die Stadt“, frohlockt bereits Christian Tänzler, Sprecher von VisitBerlin, der städtischen Berliner Tourismus-Werbeagentur. Daran ändere auch nichts, dass das Radsport-Event durch die zahlreichen Doping-Skandale der vergangenen Jahre besonders beim deutschen Publikum erheblich an Renommee eingebüßt hat und ARD und ZDF im kommenden Jahr nicht mehr live übertragen wollen. Die diesjährige Tour ist indes bislang lediglich mit einem bekannt gewordenen Doping-Fall konfrontiert worden – auch wenn diese Zahl noch steigen kann, denn die Ergebnisse der jüngsten Doping-Tests liegen noch gar nicht vor.

Außerhalb Deutschlands ist die Tour de France jedoch nach wie vor ein Quotenbringer. Und auch die Berliner, da ist sich Tänzler sicher, würden zuhauf entlang der Rennstrecke stehen. „Berliner sind generell ein begeistertes Sportpublikum, das zeigen ja Veranstaltungen wie der Berlin-Marathon und der Skoda-Velothon ja jedes Jahr aufs Neue“, so der Tourismus-Experte. „Natürlich ist es gut für die internationale Wahrnehmung der Stadt, wenn weltweit Bilder ausgestrahlt werden, die das Rennen entlang der berühmten Wahrzeichen Berlins zeigen“, so Tänzler weiter. Schade sei nur, dass das Brandenburger Tor nicht durchfahren werden könne: „Angesichts der Größe des Peletons, des Hauptfeldes der Fahrer, wäre das viel zu riskant“, bedauert Tänzler. Doch nicht nur für das Image der Stadt wäre der Tour-Auftakt in Berlin ein Hauptgewinn – sondern auch für die Hoteliers und Gastronomen in der Stadt. So lockt etwa der Marathon im September alljährlich rund 150.000 Besucher in die Stadt. Bei der Tour de France kann mit ähnlichen Zahlen gerechnet werden.