Österreich ist gut vorbereitet. Die Chartermaschine für den Flug am Mittwoch von Graz zum Viertelfinalspiel am Abend in Basel ist bereits gebucht, und Chefscout Willi Ruttensteiner ist am Sonntag zu der Partie der Portugiesen gegen die Schweiz geflogen – um den möglichen Gegner in der Runde der letzten acht Teams zu beobachten. Reine Routine, heißt es. Natürlich.

Gegner Deutschland soll nicht noch weiter gereizt werden. Die Aussagen einiger Spieler (Martin Harnik: „Die Deutschen werden sich in die Hosen scheißen“) waren Trainer Josef Hickersberger schon gehörig gegen den Strich gegangen. Er verbot seinen Schützlingen prompt Interviews, sperrte die Medien vom Training aus. Die Folge war, dass Fotografen durchs Unterholz um den Sportplatz von Stegersbach schlichen und sich österreichische Berichterstatter in umliegenden Häusern postierten.


„Wir haben den Beobachtern zugewinkt“, sagte Hickersberger fröhlich. „Manche Spieler hatten sogar noch dümmere Ideen.“ Davon konnte er sie aber abbringen, wie er sich auch weitere Bemerkungen in Richtung der Deutschen verbat. „War das notwendig? Haltet besser den Mund!“, schallte die Stimme des Trainers über den Sportplatz.

Keine Motivationsprobleme

Hickersberger möchte den Favoriten nicht noch zusätzlich motivieren. Bei seinem Team muss er ohnehin keine Leidenschaft mehr schüren. „Das wird das geilste Match der Karriere“, sagt René Aufhauser, und Teammanager Andreas Herzog betont: „Wir sind zwei Jahre lang belächelt worden, und nun können wir etwas Historisches schaffen. Wir müssen dagegen halten und endlich unsere Chancen nützen. Jeder muss über sich hinaus wachsen.“

Die Fans sind ohnehin außer Rand und Band, mehr als 100.000 werden am Montag auf den Fanmeilen in Wien erwartet. Und die „Kronenzeitung“ titelte: „TV-Rekord gegen Deutsche!“ Die meistgesehene Fußballübertragung war bisher das Finale der Weltmeisterschaft 2006 zwischen Italien und Frankreich (2,066 Millionen), die meisten Zuschauer insgesamt hatte aber die Männerabfahrt bei der Ski-WM 2003 (2,217 Millionen).

Trainer Hickersberger setzt sich ganz betont mit den weniger emotionalen Aspekten des Duells auseinander. „Man muss sich auf Deutschland einstellen, kann sich nicht nur auf sich konzentrieren“, mahnt der 60-Jährige. Aber wie will er die Deutschen besiegen? „Der Schlüsselspieler ist Michael Ballack“, sagt er wenig überraschend. „Die Deutschen haben nicht viele Weltklassespieler – aber Ballack ist einer.“ Folglich wird das Augenmerk darauf liegen, die deutschen Stars früh zu nerven. „Wir müssen trachten, dass Ballack und Frings nicht in Ruhe ihr Spiel aufbauen können.“

Kroaten kopieren

Die Österreicher haben das Spiel des Rivalen gegen Kroatien intensiv analysiert und ziehen daraus ihre Schlüsse. „Wir haben gesehen, dass die Deutschen Schwächen haben, und die müssen wir ausnützen“, sagt Herzog. Als Schwachpunkt wurde jetzt natürlich die deutsche Innenverteidigung ausgemacht, und auch Torwart Jens Lehmann wurde ins Visier genommen. „Er macht immer wieder einfältige Fehler“, sagt Torwarttrainer Klaus Lindenberger.

Wahrscheinlich werden die Österreicher die Taktik der Kroaten kopieren und ihre Formation entsprechend umbauen. Hatten sie bisher zwei Partien lang im 4-4-2-System agiert, werden sie nun wohl das Mittelfeld stärken (3-5-2), um Ballack und Frings die Räume zu nehmen. In dieser Formation wurde die deutsche Elf schon am 6. Februar im Testspiel durcheinander gewirbelt (0:3). Hickersberger sagt: „Wir haben jetzt bessere Voraussetzungen als im Februar.“ Die Mannschaft habe nun genügend Spiele gegen starke Gegner in den Beinen und sei nicht mehr in der Vorbereitungsphase für die Meisterschaft.

Die entscheidende Frage dürfte aber sein, wer für Österreich die Tore schießen soll. In zwei EM-Spielen gelang bisher nur ein Elfmetertreffer durch den eingewechselten Ivica Vastic. „Vielleicht“, sagt Hickersberger, „haben wir ja einfach mal."