Herbert Feuerstein ist in Österreich geboren, in Zell am See. Erst seit 1992, nach einem Wechsel der Staatsbürgerschaft, ist er Deutscher. Der Kabarettist und Entertainer verspürt keinen Nationalstolz, weder damals als Österreicher, noch heute als Deutscher. Das macht ihn zu einem kühlen, manchmal nicht ganz ernsten Analysten.

Lange Jahre war Feuerstein im TV an der Seite von Harald Schmidt zu sehen. Er weiß, wie tief verwurzelt die Rivalität zwischen Österreich und Deutschland ist, wenngleich nicht immer ernst. Dieses Feld also, auf dem der Österreicher den Deutschen am liebsten schlagen oder am Boden sehen will. „Nur die Bayern wollen das noch mehr, und es wird behauptet, dass Bayern ein Teil von Deutschland ist“, sagt Feuerstein.

Der 71-Jährige kann zwar nichts mit der „Schmach von Cordoba“ in Verbindung bringen, als die Österreicher bei der WM 1978 in Argentinien den amtierenden Weltmeister Deutschland mit einem 3:2 aus dem Turnier warfen. „Cordoba verbinde ich mit Stierkampf.“ Er ist sich auch nicht ganz sicher, ob der Österreicher wirklich nichts erstrebenswerter findet, als den Deutschen zu übertrumpfen. „Wenn es aber so wäre, käme das sicher aus einem Gefühl kollektiver Unsicherheit heraus.“

Klein gegen Groß. 8,3 Millionen Einwohner gegen 82,2. Alpenrepublik gegen Exportweltmeister. Feuerstein sagt, Österreich gegen Deutschland, das sei ein riesiges Feld. Doch vielleicht lässt es sich auf einen Wesenszug der Österreicher eingrenzen. „Ich glaube, zumindest weiß ich es von meiner Genetik: Der österreichische Mensch hat ein großes Maß und Freude an der Schadenfreude.“

"Österreich dem Deutschen auf Kulturgebiet überlegen"

Niederlagen von Goliath gegen David, die Seele kennt nichts Erquickenderes. „Ich glaube, es geht gar nicht so sehr darum, sich dem Deutschen überlegen zu fühlen, weil das relativ einfach ist. Weil das der Österreicher sowieso ist auf dem Kulturgebiet. Oder gibt es da irgendwelche Zweifel?“ Mozart, Beethoven, Schubert gegen Mertesacker, Ballack und Schweinsteiger – es kommt auf den Standpunkt an.

Muss aber nun der Österreicher immer und unbedingt in diesen Duellen siegen? Feuerstein sagt, halbernst: „Ich bezweifle, dass es so ist. Die Österreicher wollen alle anderen gern unterlegen sehen.“ Alle? „Alle, ja“, sagt er. Und seine Theorie dazu ist interessant. Sie reicht zurück in eine Zeit, als der Fußball noch gesellschaftlich verpönt war, Österreich noch einen Kaiser hatte und Franz Beckenbauer noch längst nicht geboren war.

Fußball besteht aus dem Reiz der Strategie, vermutet er

„Alle müssen unterlegen sein. Das liegt einfach daran, dass Österreich mal eines der größten Reiche überhaupt war. Habsburger Monarchie und so weiter. Und dann ist es immer kleiner und kleiner geworden. Zu einer relativen Bedeutungslosigkeit geschrumpft.“ Deswegen müssen Siege herhalten. Siege, die wieder für etwas Aufsehen sorgen oder das Gefühl von Stärke vermitteln. Wenn auch nur einen Moment lang.

Übrigens, haarige und muskulöse Männerbeine in kurzen Sporthosen haben ihn noch nie wirklich interessiert. Fußball, vermutet Feuerstein, besteht aus dem Reiz einer Strategie, die er nun mal nicht entschlüsseln kann. Also lässt er lieber.