Er ist kein Mann der großen Töne. Deshalb gab sich Rene Adler bescheiden wie immer. Dabei hätte der Leverkusener Torhüter allen Grund dazu gehabt, seine hervorragende Leistung gegen Südafrika nun auch noch verbal zu untermauern und im Nationalteam mehr als die derzeit für ihn nur vorgesehen Rolle des Reservisten einzufordern.
Adler aber ließ nur wissen, wie glücklich er sei. „Ich habe eine Phase überwunden, wo ich erkennen musste, dass es nicht immer nur bergauf geht. Jetzt spiele ich wieder konstant auf sehr hohem Niveau“, sagte der 24 Jahre alte Torhüter von Bayer Leverkusen, der nun wieder Platz im DFB-Tor machen muss.
Denn in den kommenden drei WM-Qualifikationsspielen gegen Aserbaidschan am Mittwoch, in Russland (10. Oktober) und gegen Finnland (14. Oktober) wird Robert Enke von Hannover 96 die Nummer eins und Adler wieder nur Zuschauer sein. So hat es Bundestrainer Joachim Löw in Absprache mit Torwarttrainer Andreas Köpke festgelegt.
In seinem ersten Spiel für die deutsche Elf seit dem 0:1 gegen Norwegen am 11. Februar zeigte Adler wieder jene Klasse, die ihn vor einem Jahr nach den gewonnenen Partien gegen Russland (2:1) und Wales (1:0) zum Topfavoriten auf den Platz im deutschen Tor gemacht hatten. Schnelle Reaktionen, viele gute Paraden und eine exzellente Strafraumbeherrschung zeichneten ihn beim Sieg gegen Südafrika aus. Den Konkurrenzkampf mit Enke, Manuel Neuer (Schalke 04) und Tim Wiese (Werder Bremen) hatte er während der 90 Minuten verdrängt. „Ich blende alles aus, denn es ist die höchste Auszeichnung, für Deutschland spielen zu dürfen. Nach dem Abpfiff kommt es vielleicht mal hoch.“
Um mögliche Unruheherde erst gar nicht aufkommen zu lassen, hatten sich die Trainer vor zwei Wochen auf die Regelung mit Enke als vorläufige Nummer eins festgelegt. Sie haben damit zwar vorübergehend Klarheit geschaffen, aber diskutiert wird über die Torhüter nach wie vor. „Tja, im Tor haben wir jetzt ein Luxusproblem“, sagte der frühere Nationaltorhüter Oliver Kahn im ZDF, „und diese Diskussion zwischen den Torhütern ist entstanden, weil man sich nicht auf einen Keeper festgelegt hat.“ Kahn prophezeit: „Es wird schwer für den Bundestrainer, einen der Keeper zu enttäuschen.“
Er weiß nur zu gut, wovon er redet. Im Vorfeld der WM 2006 musste er erfahren, wie es sich anfühlt, erst hingehalten und dann ausgebootet zu werden. Monatelang hatten die damaligen Trainer Jürgen Klinsmann und Joachim Löw eine Entscheidung über die Nummer eins hinaus gezögert. Erst als der öffentliche Druck immer größer wurde und sich Kahns alter Arbeitgeber Bayern München einschaltete, rückten sie mit der Sprache raus und zogen Jens Lehmann Kahn vor.
„Es gibt einen Moment, da musst du einem Keeper das Vertrauen geben, damit er sich auf ein Turnier einstellen kann. Das ist einfach wichtig“, sagte Kahn nun im Hinblick auf die aktuelle Situation und gab dem Bundestrainer sogar noch einen Ratschlag: „Wenn Enke gegen Russland gut spielt, sollte man schon mal überlegen, ob man sich nicht festlegt und er dann bei der WM spielt.“
Joachim Löw will sich die Option aber noch offen halten. „Wir werden uns rechtzeitig vor der Weltmeisterschaft auf einen Torwart festlegen“, sagte der Bundestrainer. Mehr wollte Löw aber nicht verraten.
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