In Sachen Selbstironie kann sich so mancher Klub eine Scheibe vom SV Babelsberg 03 abschneiden. So sieht man auf dem Programmheft zum Erstrundenspiel im DFB-Pokal gegen VfB Stuttgart einen blauen Babelsberger Knappen, der dem großen VfB-Ritter gegen das gut geschützte Schienbein tritt. Oder auch im 03-Fanblock ein Raumschiffrennen, welches der blaue Raumer auf dem Weg zum Planeten Europapokal gewinnt, während der rote Konkurrent vom Schwarzen Loch mit Namen „Pokalaus“ verschluckt wird. Und tatsächlich konnte der Drittliga-Aufsteiger immerhin knapp 20 Minuten von der Sensation träumen. Dass man sich am Ende dennoch dem Bundesligisten mit 1:2 (1:2) geschlagen geben musste, wird schon in wenigen Tagen nicht mehr sein als ein normales Ergebnis im Statistikteil.

Dennoch war es 90 Minuten lang wie so oft, wenn der haushohe Favorit beim unterklassigen Herausforderer antreten muss. Der VfB offenbarte vor 5805 Zuschauern – darunter rund 1500 aus Stuttgart – auf der Baustelle Karl-Liebknecht-Stadion mehr Probleme, als es Trainer Christian Gross lieb gewesen ist. Und als nach nur vier Minuten der Außenseiter auch noch in Führung ging, wurden schnell Erinnerungen wach an die enttäuschende Vorstellung in der Europa-League-Qualifikation der Stuttgarter gegen Molde FK eine Woche zuvor. Dominik Stroh-Engel sollte es egal sein, er ließ sich für seinen Kopfballtreffer nach Vorarbeit von Süleyman Koc und Anton Müller zu Recht feiern.

Die Dauer, um den Klassenunterschied deutlich zu machen, betrug drei Minuten. Erst schloss Cacau einen Konter der Schwaben eiskalt ab, indem er den aus seinem Tor herauseilenden Marian Unger keine Chance ließ (21.). Wenig später verwertete der Nationalspieler den bis dahin besten Spielzug des VfB per Kopf (24.). Der Favorit lag nun vorn, wirklich kontrollieren konnte er die insgesamt mäßige Partie jedoch nicht. Im Gegenteil, als Anton Müller aus sieben Metern nur knapp das VfB-Tor verfehlte (37.), lag der Ausgleich in der Luft. „Wir wollten von Beginn an viel Druck machen, sind jedoch nicht in die Zweikämpfe gekommen und kassieren auch noch ein unglückliches Gegentor“, sagte Cacau.

Nach dem Wechsel dann das für solche Duelle typische Bild. Die Stuttgarter versuchten, das Geschehen immer mehr nur zu verwalten, Möglichkeiten wie der Schuss von Zdravko Kuzmanovic von der Strafraumgrenze (53.) hatten Seltenheitswert. Erst als beim Drittligisten die Kräfte schwanden, bekamen Johan Audel (82.), Georg Niedermeier (83.) und Christian Gentner (85.) Chancen, um für die Gäste zu erhöhen. „Ich hätte mir mehr Vorwärtsdrang gewünscht“, sagte VfB-Coach Gross. Am Ende durfte SV-Verteidiger Robert Paul zu Recht bilanzieren: „Wir haben den Stuttgartern zwar zu oft das Spiel überlassen, dennoch haben wir uns ordentlich verkauft.“ SV-Trainer Dietmar Demuth ärgerte sich über die verpasste Chance: „Nach dem Ausgleich war bei uns die Ordnung weg. Und wieder bleibt uns im Pokal nur das Lob für ein gutes Spiel.“